Es knistert und blitzt im Stadtmuseum. Und dies ist wörtlich zu nehmen. Denn nun steht die Stockacher Kultureinrichtung im wahrsten Sinne des Wortes „unter Strom“, wie Kulturamtsleiter Stefan Keil, Museumsleiter Johannes Waldschütz Jürgen Fürst, Geschäftsführer der Stadtwerke Stockach, bei einem Rundgang durch die neue Ausstellung „Achtung Hochspannung – Experimente, Geschichten, Entdeckungen rund um den Strom“ erklären. Dabei liegt die Themenwahl für die Ausstellung laut Waldschütz auf der Hand: „Vor 100 Jahren wurde Stockach ans Stromnetz angeschlossen“, sagt er.

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Mehrere hundert Exponate umfasst die Ausstellung. Ein Teil davon ist eine Wanderausstellung, ein weiterer Teil stammt von Firmen aus der Region oder aus privaten Sammlungen. Auch aus Stockacher Haushalten sind Stücke mit dabei. „Das altbekannte Sprichwort, dass der Strom einfach aus der Steckdose kommt, wird dieser Ausstellung nicht im Geringsten gerecht“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Fürst. Die Stadtwerke haben gleich mehrere Exponate zur Verfügung gestellt.

Mitmachen ist erwünscht

Was in vielen Museen verpönt ist, nämlich das Anfassen und Mitwirken, ist laut Waldschütz bis zum 14. November im Stadtmuseum nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht. „An zahlreichen Mitmachstationen können Kinder und Erwachsene die Elektrizität selbst erforschen“, sagt er. Funkenschlagenden Elektrisiermaschinen und Magneten laden zum Experimentieren ein, Morseapparate und eine Plasmakugel vermitteln Wissen und bringen Spaß.

Treten am Fahrradgenerator kräftig in die Pedale (von links): Tim Neumann und sein Bruder Felix Neumann.
Treten am Fahrradgenerator kräftig in die Pedale (von links): Tim Neumann und sein Bruder Felix Neumann. | Bild: Matthias Güntert

Auf einem Fahrrad-Generator kann jeder mit eigener Kraft Strom erzeugen. „Die Ausstellung erklärt auf spielerische Weise, was Elektrizität ist und wie Strom erzeugt wird. Hier wird Wissen nicht nur aus Büchern vermittelt“, ergänzt Stefan Keil.

Aus dem 18. Jahrhundert: Das älteste Exponat ist eine Elektrisiermaschine aus Überlingen.
Aus dem 18. Jahrhundert: Das älteste Exponat ist eine Elektrisiermaschine aus Überlingen. | Bild: Matthias Güntert

Das älteste Exponat ist eine Elektrisiermaschine aus dem 18. Jahrhundert und stammt aus Überlingen. „Ein Gang durch die Ausstellung ist ein Spaziergang durch die Geschichte der letzten 100 Jahre“, sagt Waldschütz. Man habe sich im Stockacher Stadtmuseum nicht nur auf die Wanderausstellung „100 Jahre Strom“ gestützt, sondern diese durch zahlreiche Exponate, Fundstücke und Kuriositäten aus Stockach und der Umgebung erweitert. „Das macht die Ausstellung aus“, betont er.

Ein Loch im Stromkabel: Grund war ein Pfeiler eines Zirkuses, der in Stockach für einen Stromausfall gesorgt hat.
Ein Loch im Stromkabel: Grund war ein Pfeiler eines Zirkuses, der in Stockach für einen Stromausfall gesorgt hat. | Bild: Matthias Güntert

Und Kuriositäten gibt es viele im Stadtmuseum zu bewundern: Da wäre zum einen ein elektrischer Krawattenbügler, der Elektro-Mann oder ein antiker Rauchverzehrer. „Er sollte übermäßigen Rauchgeruch aus Wohnungen und Häusern entfernen, soll aber eher schlecht funktioniert haben“, erklärt Waldschütz und lacht.

Leuchte für uns Elktromann (von links): Museumsleiter Johannes Waldschütz, Kulturamtsleiter Stefan Keil und Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Fürst an einer der Mitmachstationen.
Leuchte für uns Elktromann (von links): Museumsleiter Johannes Waldschütz, Kulturamtsleiter Stefan Keil und Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Fürst an einer der Mitmachstationen. | Bild: Matthias Güntert

Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich der Stockacher Geschichte. Hier laden viele Bilder dazu ein, in Erinnerungen zu schwelgen. „Die Schaufensterbeleuchtung war in Stockach vor allem ein großes Thema“, sagt Waldschütz.

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Ein Blick zurück: Am 8. Juli 1920 feierten die Stockacher die Ankunft der Elektrizität in ihrer Stadt mit Böllerschüssen. So konnte auch in Stockach moderne Technik eingesetzt werden.

Die Elektrizität: Trafos kamen 1955 per Lastwagen der Deutschen Bahn nach Stockach zum Badenwerk.
Die Elektrizität: Trafos kamen 1955 per Lastwagen der Deutschen Bahn nach Stockach zum Badenwerk. | Bild: Archiv Familie Löffler

Ein erster Anlauf zur Elektrifizierung sei vor dem Ersten Weltkrieg gescheitert, nur einige Industriebetriebe hatten eigene Wasserkraftwerke. Die Ausstellung nimmt die Geschichte der Stockacher Elektrifizierung mit vielen Bildern, Plänen und Fotos in den Blick und erzählt wie sich Stromproduktion und Stromnutzung von den Anfängen bis heute wandelten.

Mitmachen und Anfassen erwünscht. Leander, Mathis und Roland Enke sind zu Gast im Stadtmuseum und schlendern durch die Ausstellung.
Mitmachen und Anfassen erwünscht. Leander, Mathis und Roland Enke sind zu Gast im Stadtmuseum und schlendern durch die Ausstellung. | Bild: Matthias Güntert

Und genau diese Mischung scheint bei den Besuchern bestens anzukommen. Felix Neumann (14 Jahre) und sein Bruder Tim (neun Jahre) sind gerade mit ihren Eltern aus dem Rheinland zu Besuch in Stockach und sind von der Ausstellung begeistert. „Es ist schön, dass man hier selbst Sachen ausprobieren kann“, sagt Felix. Gerade die älteren Ausstellungstücke seien für ihn sehr spannend, da er viele nicht mehr kenne. „Das sind viele Geräte aus Papas Jugend“, so Felix.

Nicht mehr von Hand: Diese elektrische Waschtrommel steht ebenfalls in der Ausstellung „Achtung Hochspannung“.
Nicht mehr von Hand: Diese elektrische Waschtrommel steht ebenfalls in der Ausstellung „Achtung Hochspannung“. | Bild: Matthias Güntert

Am Ende des Rundgangs kommt dann doch ein wenig Wehmut auf. Für Waldschütz sei es die erste Ausstellung, die ohne Vernissage eröffnet wurde. „Corona hat uns da einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt er. Dennoch freue er sich, dass die neue Ausstellung nun an den Start gehen könne.