Das Jahr 2021 war kein leichtes für die Holzindustrie. Bereits im Frühjahr schlugen Branchenverbände Alarm: Auf dem Markt fehlte es an Material, die Preise stiegen in der Folge rapide an – und das führte unter anderem bei Zimmererbetrieben zu Schwierigkeiten. Holzbau Deutschland nannte in einem Schreiben als Gründe unter anderem eine gestiegene Nachfrage im Inland aber auch durch Export. Laut Pro Holz Schwarzwald spielten dabei auch eine Borkenkäferplage in Kanada, dem Hauptlieferant für die USA, sowie eine Konjunktur bei Bauvorhaben eine Rolle.

Nicht ganz so hart traf die Krise die Unternehmen von Christiane Muffler und Rainer Kiefer. „Wir konnten immer schaffen“, erzählt Kiefer, der das gleichnamige Holzbauunternehmen im Stockacher Industriegebiet Hardt führt. Nur kurz habe es eine Unterbrechung gegeben.

Durch die Größe seines Unternehmens sei er besser vernetzt und habe früher von den drohenden Problemen erfahren und entsprechend reagieren und Material früher bestellen können. Dadurch, dass die Projekte in seinem Unternehmen am Computer geplant werden, sei es möglich, eine perfekte Arbeitsvorbereitung zu treffen und genau zu bestimmen, wann welches Material benötigt werde. „Und wir haben den Lagerbestand ein bisschen erhöht“, erzählt Kiefer.

Größere Bestellung für volle Lager

Auch Christiane Muffler, die Juniorchefin von Holzbau Muffler in Orsingen ist, sagt: „Wir haben relativ Glück gehabt. Bis auf zwei Wochen haben wir immer Holz bekommen.“ Arbeiten seien durchgehend durchgeführt worden, nur bei den Außenverkleidungen von Fassaden habe es wirklich Schwierigkeiten gegeben, denn diese seien monatelang gar nicht verfügbar gewesen. Von Vorteil sei gewesen, dass sie ihr Holz bereits seit langer Zeit über den gleichen Lieferanten beziehen. Aber auch Holzbau Muffler stockte den Lagerbestand auf, bestellte von gängigem Material, etwa Dämmstoffen, größere Mengen als üblich. „Die Lagerkapazität war am Anschlag“, so Muffler.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Preise sind ständig gestiegen

Dennoch war die Holzkrise auch in Stockach und Orsingen spürbar. „Es war schon schlimm“, erinnert sich Rainer Kiefer. „Wöchentlich oder zweiwöchentlich sind die Preise gestiegen.“ Bei Kanthölzern etwa sei der Preis zur schlimmsten Zeit doppelt so hoch gewesen wie sonst. Und auch Christiane Muffler erzählt, dass Bauholz normalerweise 300 bis 400 Euro pro Kubik koste, man zu Höchstzeiten aber 700 bis 800 Euro dafür zahlen musste. Bei geleimten Holz sei der Preis sogar auf mehr als 1000 Euro angestiegen, davor habe er bei rund 400 bis 500 Euro gelegen. Und auch andere Materialien wie etwa Ziegel oder Isolierungen seien teurer geworden.

Christiane Muffler, Juniorchefin des Unternehmens Muffler Holzbau aus Orsingen, in der Werkhalle. Auch ihr Betrieb kam noch recht gut durch die Krise.
Christiane Muffler, Juniorchefin des Unternehmens Muffler Holzbau aus Orsingen, in der Werkhalle. Auch ihr Betrieb kam noch recht gut durch die Krise. | Bild: Marinovic, Laura

Immerhin: Rainer Kiefer berichtet, er habe die Preiserhöhung in der Regel an seine Kunden weitergeben können. Bei Christiane Muffler sei das mittlerweile auch der Fall, allerdings berichtet die Juniorchefin, dass das zu Beginn des Jahres noch anders ausgesehen habe – denn bereits abgeschlossene Verträge seien weitergelaufen. Die zusätzlichen Kosten, die darin noch nicht eingerechnet waren, musste ihre Firma übernehmen.

Erst bei den neuen Verträgen sei eine Klausel mit aufgenommen worden, die Holzbau Muffler entlastet. Beim Materialkauf sei man außerdem oft in Vorzahlung gegangen. Sie glaubt, dass das Unternehmen Ende des Jahres mit einem Minus zu rechnen habe. Eigentlich habe sie es nicht eingesehen, Holz so teuer einkaufen zu müssen, sagt Muffler: „Aber das war besser als 28 Leute in Kurzarbeit zu schicken, weil wir kein Material haben.“

Das könnte Sie auch interessieren

„Die Lieferzeiten haben sich fast verdoppelt“

Und nicht nur die Preise gingen durch die Decke, auch die Lieferzeiten nahmen enorm zu: „Die Lieferzeiten haben sich fast verdoppelt“, so Christiane Muffler. In einem konkreten Fall sei das Material im April bestellt worden und im September erst angekommen. „Und wir wussten den Preis bis zum Ende nicht“, bedauert sie. Durch die Krise habe eine große Planungsunsicherheit geherrscht. Zudem berichten Muffler und Kiefer beide davon, dass es im Büro einen Mehraufwand bei den Planungen und Vorbereitungen gegeben habe.

Rainer Kiefer, Zimmermeister aus Stockach, steht in der Produktionshalle seines Unternehmens im Industriegebiet Hardt vor hohen Holzstapeln. Er hat rechtzeitig auf die Krise reagiert und konnte daher fast durchgehend arbeiten.
Rainer Kiefer, Zimmermeister aus Stockach, steht in der Produktionshalle seines Unternehmens im Industriegebiet Hardt vor hohen Holzstapeln. Er hat rechtzeitig auf die Krise reagiert und konnte daher fast durchgehend arbeiten. | Bild: Marinovic, Laura

Und wie sieht es mittlerweile aus? Zumindest zum Teil seien die Preise wieder etwas gefallen, erzählen Rainer Kiefer und Christiane Muffler – doch normal seien sie noch lange nicht. Von gerade einmal zehn bis 20 Prozent Preisverminderung spricht Muffler beim Holz. Und Plattenwerkstoffe seien noch immer extrem teuer. Ebenfalls gebessert habe sich – zumindest teilweise – die Situation bezüglich der Lieferzeiten. Doch auch da sei vieles noch nicht vor der Krise: „Beim Aluminium haben wir das Problem nach wie vor“, sagt Rainer Kiefer. Und auch auf Platten müsste er noch mehrere Monate warten.

Als Grund dafür, dass die Lage zumindest nicht mehr ganz so schlimm ist, wie sie einmal war, vermutet Rainer Kiefer die Handwerkerferien. Die Werke hätten versucht, in der Zeit durchzuarbeiten, aber es sei nicht so viel gebaut worden.