Strom ist derzeit das bestimmende Thema im Stockacher Stadtmuseum. Passend zur laufenden Sonderausstellung „Achtung Hochspannung – Experimente, Geschichten und Entdeckungen rund um den Strom“ gab Museumsleiter Johannes Waldschütz Einblicke in die Entwicklung der Elektrizität in der Stadt.

Die Recherche im Bildarchiv Hotz und die Zusammenarbeit mit Zeitzeugen oder deren Nachkommen machte Waldschütz viel Freude. Und auch das Eintauchen ins Thema an sich: „Mein Physiklehrer wäre stolz auf mich, zumal ich Physik abgewählt hatte“, gab er schmunzelnd zu.

Strom gab es schon früher

Strom und Überlandleitungen gab es in Stockach schon vor dem Ortsnetz, erklärte Waldschütz. Doch war es Niederspannungsstrom, der für Telegrafie und Telefonie genutzt wurde. Dazu kamen vereinzelte private Kraftwerke, die meist Fabriken mit Strom zum Antrieb ihrer Maschinen versorgten. Diese wurden teils mit Wasserkraft betrieben und teils waren es Gaskraftwerke.

Echte Überlandleitungen für Strom gab es aus Espasingen beispielsweise nach Bodman ins gräfliche Haus, wie Unterlagen aus dem dortigen Archiv beweisen. Der Schritt zum Ortsnetz war ein langwieriger und bedurfte vieler Verhandlungen, die durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen, aber noch vor seinem Ende wieder fortgesetzt wurden, sodass 1920 das Ortsnetz – mit Böllerschüssen angekündigt – seine Arbeit aufnehmen konnte.

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Straßenbeleuchtung ist ein Thema, welches in vielen Gemeinderatssitzungen noch heute besprochen wird. Diese war auch eine der Nutzungen, die zum Ortsstromnetz führten. Denn die früher genutzten gasbetriebenen Laternen und Leuchten führten im Innen- wie Außenbereich zu verheerenden Unfällen mit vielen Toten. Deshalb wurde der Strombedarf der Stadt in der Anfangszeit auch anhand der benötigten Glühbirnen ermittelt. Erst viel später kamen zum Beispiel elektrische Küchengeräte dazu. Energie wurde aber nicht nur für die Beleuchtung benötigt, sondern auch für Gewerbe und Landwirtschaft.

„Überall Zeichen von Strom“

Spannend war es auch zu erfahren, wie sich auf der einen Seite Kraftwerke und Stromlieferanten entwickelten, und auf der anderen Ortsnetze und Stromabnehmer: Die Stadtwerke und das Badenwerk haben eine lange gemeinsame Geschichte.

„Wenn ich heute durch die Gegend fahre, sehe ich viel bewusster, wo überall Zeichen von Strom sind“, bekannte Johannes Waldschütz. Neben dem Turm am Stockacher Stadtwall sind diese beispielsweise auch kleine Trafostationen. Und das Umspannwerk und der Schriftzug „Badenwerk“ lassen sich auch heute noch ohne lange Suche entdecken. Während man in Stockach keine Freileitungen mehr findet, gibt es diese in den Ortsteilen noch. Hier werden sie aber auch bald unter der Erde verschwinden.

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Ein Aspekt von Ausstellung und Vortrag ist und war auch die Art der Stromgewinnung. Während früher Wasserkraft und Gaskraftwerke hier in der Region sehr stark waren, richtet sich heute der Blick Richtung Erneuerbare Energien. Rings um Stockach gibt es Solarparks, und die Stadtwerke investieren auch in den Windpark bei Tengen.