Bürgermeister Rainer Stolz deutete bereits an, wohin der Weg gehen sollte: „Haben Sie alle Taschentücher dabei? Es wird eine traurige Veranstaltung“, wandte er sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung an die Anwesenden, kurz bevor Joachim Wingbermühle und Wilfried Durejka vom Kreisforstamt über die Situation im Stockacher Stadtwald berichteten. Wingbermühle schob nach: „Derzeit haben wir einen schlechten Kostenstand.“

Das Jahr habe bereits schlecht begonnen: Im Februar suchten die Stürme Sabine, Bianca und Victoria die Region heim und beschädigten den Wald. Zudem nahmen die vergangenen heißen Sommer dem Wald nicht nur das nötige Grundwasser, sondern begünstigten auch den Befall mit Borkenkäfern. Warum, erklärt Joachim Wingbermühle auf Nachfrage: Gestresste Bäume senden Botenstoffe aus, die die Borkenkäfer anlocken.

„Das einzig Positive ist, dass die Holzpreise wieder anziehen.“ – Joachim Wingbermühle
„Das einzig Positive ist, dass die Holzpreise wieder anziehen.“ – Joachim Wingbermühle | Bild: Freißmann, Stephan

Viel Schadholz und schlechte Preise

Durch all diese Gründe sei viel Schadholz angefallen – nicht nur in Stockach, sondern auch anderswo. Der Markt sei dadurch übersättigt, der Holzpreis niedrig. „Das bereitet wirklich Kummer“, bilanzierte Wingbermühle. Bisher habe man 2020 etwa 2600 Festmeter eingeschlagen, überwiegend Schadholz. Das jährliche Soll liege bei 5000 Festmetern, allerdings habe man auf Wunsch der Stadt Stockach als Besitzer des Waldes aber bisher darauf verzichtet, das gesunde Holz in einer Zeit zu verkaufen, in der die Preise schlecht seien.

Neue Bäume seien in diesem Jahr außerdem im Frühjahr keine gepflanzt worden. Der Grund: „Corona hat mir die Mannschaft durcheinandergewirbelt“, so Joachim Wingbermühle. Zum Teil kämen die Arbeiter aus dem Ausland, durch die Pandemie durften sie im Frühjahr nicht einreisen – ausgerechnet in der Zeit, in der eigentlich neue Kulturen angelegt werden. Die Arbeiten mussten darum auf den Herbst verlegt werden. „Da sind wir jetzt dran.“

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Silberstreif am Horizont

Aktuell sieht es also schlecht aus im Stockacher Stadtwald. Dennoch sah Wingbermühle einen Silberstreif am Horizont, wie er verkündete: „Das einzig Positive ist, dass die Holzpreise wieder anziehen.“ Wilfried Durejka wies darauf hin, dass die Käfer- und Sturmholzphase vorbei sei. Von Seiten der Baubranche ist zudem laut Wingbermühle der Bedarf nach gesundem Holz da. Weil der Markt mit Schadholz voll sei, könne das gesunde entsprechend teurer verkauft werden. Obwohl aber Holz geschlagen werde, werde man das Soll von 5000 Festmetern in diesem Jahr vermutlich nicht mehr ganz erreichen.

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Dennoch gingen Joachim Wingbermühle und Wilfried Durejka davon aus, dass der Jahresabschluss besser ausfallen wird, als es bisher noch den Anschein macht. Allzu positiv stimmte das die beiden Fachmänner dennoch nicht: „Es wird trotzdem ein negatives Ergebnis geben“, so Wingbermühle.

„Wir haben in den vergangenen Jahren gute Ergebnisse gemacht, jetzt können wir auch ein schlechtes Jahr aushalten.“ – Bürgermeister Rainer Stolz
„Wir haben in den vergangenen Jahren gute Ergebnisse gemacht, jetzt können wir auch ein schlechtes Jahr aushalten.“ – Bürgermeister Rainer Stolz | Bild: Löffler, Ramona

Holzpreise erholen sich

Bürgermeister Stolz ließ den Kopf nicht hängen: „Es war klar, dass wir kein Plus machen“, erklärte er. „Wir haben in den vergangenen Jahren gute Ergebnisse gemacht, jetzt können wir auch ein schlechtes Jahr aushalten.“ Schon 2019 war man im Waldwirtschaftsplan von einem Verlust ausgegangen. Das Problem: Besonders gut sieht es auch in den Prognosen für das kommende Jahr nicht aus. Die Einnahmen fallen laut Beschlussvorlage auch dann mit etwa 164.000 Euro wieder schlechter aus als 2019. Aber: „Wir haben mit den Holzpreisen von diesem September kalkuliert“, erklärt Joachim Wingbermühle. Da sich diese aber nun bessern, könnten die Einnahmen schlussendlich doch höher ausfallen.

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