Es gibt gleich mehrere Sprichwörter, die dazu auffordern, sich aus einer unguten Situation zu befreien, zum Beispiel: „Not macht erfinderisch“ und „Aus der Not eine Tugend machen“. Genau das haben die Verantwortlichen der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee im Sinn. Weil aufgrund der Corona-Pandemie im gesamten Südwesten keine Narrentreffen als Präsenzveranstaltungen stattfinden können, haben sie beschlossen, die geplanten Narrentage virtuell zu veranstalten. Bereits am Sonntag fand der erste virtuelle Narrentag mit den Nebelspaltern Owingen als Gastgeber statt. Als nächstes lädt nun am 31. Januar die Froschzunft Hoppetenzell ab 14 Uhr drei Stunden lang Zünfte und deren Mitglieder sowie närrische Freunde zum Mitfeiern ein.

Daniel Faschian, seit einem Jahr Medienbeauftragter der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee, erzählt, wie es zu dieser Entscheidung kam: „Fasnacht gehört zum Leben. Die Gemeinschaft, das gemeinsame Erleben von Brauchtum und Traditionen fehlt ohne sie.“ An der Fasnacht könne man Freundschaften und Bekanntschaften pflegen. Er selbst kann sich ein Jahr ohne Fasnacht überhaupt nicht vorstellen – als im Jahr 1992 Geborener hat er so etwas noch nie erlebt.

Mitgliedszünfte hatten die Idee

Die Idee der virtuellen Veranstaltungen sei von einigen Mitgliedszünften gekommen, berichtet er. Ein kleines Kreativteam aus der Vorstandschaft habe dann ein Konzept ausgearbeitet. Für sie sei die Planung relativ fix gegangen. Die Internetseite der Vereinigung sei sehr gut ausgestattet, auch in den sozialen Medien sei man auf dem Laufenden. „So haben wir die Aktion schnell gestreut. Die Landvogte haben einen engen Draht zu den Mitgliedszünften und konnten die Mitglieder schnell informieren.“ Im Gegensatz dazu brauchen Gastgeber normaler Narrentreffen mehrere Jahre im Voraus zum Planen. Faschian sagt anerkennend: „Die Narrentage in Owingen und Hoppetenzell wären kleine aber feine Treffen geworden. Sie waren super vorbereitet von tollen Teams, die alles rausgeholt hätten. Das wäre genial gewesen.“

Ein solch buntes Zusammensein wird zumindest auf der Straße als Präsenzveranstaltung in diesem Jahr nicht möglich sein.
Ein solch buntes Zusammensein wird zumindest auf der Straße als Präsenzveranstaltung in diesem Jahr nicht möglich sein. | Bild: Schön, Susanne

Es sei klar, dass ein virtueller Narrentag kein reales Treffen ersetzen kann. Trotzdem wollten sie sich alle gemeinsam ein paar schöne Stunden machen, auch – oder gerade weil – die Lage eher trist und traurig sei. Dafür wurden die 120 Mitgliedszünfte auf die beiden Termine verteilt. Der Ablauf des Nachmittags sieht dann so aus: Die Teilnehmer gehen auf die Internetseite der Narrenvereinigung. Nach einem kurzen Grußwort durch den gastgebenden Zunftmeister oder die Zunftmeisterin und einem kurzen Dank von Rainer Hespeler, Präsident der Narrenvereinigung, sind die Teilnehmer aufgefordert, aus ihren Wohnzimmern lustige Fotos oder Schnappschüsse von ihrer Fasnachtsparty, Narrensprüche oder auch Grüße per WhatsApp zu schicken. Dabei sollten sie auch den Zunftnamen und, wenn gewünscht, die eigenen Namen hinzufügen. Diese Fotos und Nachrichten werden dann sofort auf die Homepage hochgeladen, sodass alle Teilnehmer ihren Spaß daran haben.

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Viele Bilder sind schon eingegangen

Daniel Faschian sagt, das Vorstandsteam sei überwältigt von den Rückmeldungen extrem vieler Zünfte. „Wir haben jetzt schon viele Bilder, das läuft abartig. Viele schreiben uns, dass es schade sei, dass keine normale Fasnacht möglich sei. Aber für sie ist es ein kleiner Trost, dass sie sich online auf Bildern und Schnappschüssen sehen werden.“ Alle Bilder, die schon vorab eintreffen, bleiben erhalten, die neuen werden oben angefügt. Durch Herunterscrollen kann also jeder Besucher alle Bilder in Ruhe anschauen.

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Daniel Faschian wird in der Schaltzentrale sitzen. Wie groß der Ansturm am Sonntag sein werde, könne er noch nicht abschätzen, denn auch Zuschauer, die keine Zunftmitglieder sind, dürfen sich beteiligen – schließlich wären sie diejenigen, die am Straßenrand stünden, den Narren zujubelten und hinterher mit ihnen beisammen wären. So könnten alle als große Narrenfamilie miteinander feiern, auch wenn sie allein oder mit der Familie zu Hause säßen.

Der virtuelle Narrentag in Owingen erwies sich übrigens schon einmal als Erfolg: Zwar verzögerten technische Probleme die närrische Aktion, als zu Beginn wegen zu vieler Zugriffe die Server zusammenbrachen. Mit eineinhalb Stunden Verspätung konnte der Narrentag aber schließlich doch noch stattfinden. 838 Nachrichten mit jeweils drei bis vier Fotos waren laut Hespeler eingegangen und bis zum Sonntagabend waren 26.000 Besucher auf der Internetseite der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee gewesen.