Einem Chor Leben einzuhauchen, das ist Sache des Chorleiters. Viel zu wenig gewürdigt und immer etwas blass steht er stets im Schatten hinter dem Meister des Taktstocks, dem Orchesterdirigenten, um den, bis auf wenige Ausnahmen, grundsätzlich viel mehr Gewese gemacht wird.

Dabei sollte allen klar sein, dass ein Chor, sind die einzelnen Sänger auch noch so gut und begabt, niemals wird einträchtig ein Lied singen können, wenn nicht ein Leiter alle Stimmen beisammen hält. Insofern ist allein schon der Name Eintracht-Chor Programm – denn es wird von diesem Stimmklangkörper unter der überaus enthusiastischen und anspornenden Art ihres Leiters Udo Krummel tatsächlich eine musikalische Einheit, also eine Eintracht, erreicht.

„Eine fetzige Stunde Musik“

So zu erleben war dieses bei einem bravourösen Konzert des Stockacher Eintracht-Chors im Bürgerhaus Adler Post am vergangenen Samstagabend. Gleich zweimal hintereinander begeisterten die Sänger und Sängerinnen, begleitet von Josef Weimert am Piano, ihr 3G-geprüftes Publikum von rund 160 Besuchern.

„Uns erwartet sicherlich eine fetzige Stunde Musik“, prognostizierte Konzertbesucher Richard Dettweiler aus Kalkofen bereits bevor es losging. Er war gekommen, weil er im Kalkofener Patenchor des Eintracht-Chors singt und sich dadurch mit diesem sehr verbunden fühlt.

Der Stockacher Eintracht-Chor, geleitet von Udo Krummel und am Piano begleitet von Josef Weimert.
Der Stockacher Eintracht-Chor, geleitet von Udo Krummel und am Piano begleitet von Josef Weimert. | Bild: Constanze Wyneken

Und in der Tat wurde es dann fetzig und rhythmisch, zum Beispiel mit dem Beatles-Song „All you need is love“ oder mit „Schuld war nur der Bossanova“, besinnlich mit „Ich liebe jede Stunde“ und „Hinterm Horizont“ und phantasievoll und fröhlich mit „Ein guter Freund“ und „Abenteuerland“.

Zum ganz besonderen Sound dürfte beigetragen haben, dass das Ensemble gemischt angeordnet ist, nicht wie sonst streng auf der Bühne nach den Stimmlagen strukturiert. So wurden sowohl Weichheit als auch Wärme und eine Durchleuchtung der Klänge erreicht. Solistisch brillierten die Soprane Regina Gromball und Brigitte Kesting. Mit dem Lied „Youkali“, welches Kurt Weill für die Oper „Marie Galante“ 1934 im französischen Exil komponiert hatte, konnte der Chor dann seine Tiefgründigkeit und stimmliche Virtuosität auch in den leisen und sanften Tönen auf einem höheren Niveau zeigen.

Publikum und Chor mitgerissen

Udo Krummel hatte den ursprünglich in französischer Sprache geschriebenen Text ins Deutsche übersetzt. Mit seinem eindringlichen und temperamentvollen Dirigat gelang es Krummel sowohl den Chor als auch das, wie Krummel es titulierte, bezaubernde Publikum mitzureißen. Und dieses quittierte das Dargebotene mit überbordendem Applaus. „Was wir heute gehört und gesehen haben, tut der Seele gut“, bestätigten dann auch Konzertbesucherinnen Monika Bicheler und Paula Fritz aus Stockach.

Die Cheerleaderinnen vom Turnverein Jahn 08 Zizenhausen hatten an diesem musikalischen Abend ebenfalls einen Auftritt.
Die Cheerleaderinnen vom Turnverein Jahn 08 Zizenhausen hatten an diesem musikalischen Abend ebenfalls einen Auftritt. | Bild: Constanze Wyneken

Wie alle musikalischen Gruppierungen hatte auch der Eintracht-Chor Stockach die lange Zeit der Corona-Lockdowns irgendwie überdauern müssen. „Wir haben aber immer irgendwas gemacht, auch wenn es nur ein Zoom-Meeting war“, erzählte Udo Krummel.

Und Vorstandsvorsitzender Helmut Trautzl berichtete dem Publikum von den Umständen, unter denen der Chor, mal drinnen, mal im Freien, mal in einem alten Schopf, mal in einer ausgedienten Kfz-Werkstatt geprobt hat, aber nie seine Lust am Singen verloren hatte. In diesem Jahr hätten die Proben dann erst im Mai begonnen, nicht wissend, ob ein Konzert in diesem Jahr überhaupt möglich sein wird.

„Wir sind Botschafter der Musik“

Die Förderung „Impuls“ vom Bundesmusikverband Chor und Orchester habe dem Chor dann auch finanziell wieder auf die Beine geholfen. Und so konnte der Chor im Konzert dann einträchtig rufen: „Wir starten durch. Wir sind Botschafter der Musik und wir singen immer noch gerne für Sie!“

Für den Mai kündigte Udo Krummel schließlich noch ein großes Konzert gemeinsam mit dem befreundeten Bergsteiger-Chor aus dem italischen Falcade geben. Man feiere dann sein 40-jähriges Freundschaftsjubiläum.