Seit gestern findet am Nellenburg-Gymnasium das erste Abitur unter Corona-Bedingungen statt. Im vergangenen Jahr hatte es durch die Umstellung vom acht- auf das neunjährige Gymnasium keinen Abiturjahrgang gegeben. Klausuren über mehrere Stunden haben die Abiturienten in den letzten Schuljahren schon viele geschrieben – doch Abiturklausuren fühlen sich nochmal anders an. Sie haben viel mehr Einfluss auf das Gesamtergebnis und bilden mit den später folgenden mündlichen Prüfungen im besten Fall den krönenden Abschluss der 13-jährigen Schullaufbahn. Entsprechend nervös und aufgeregt waren die Schüler am ersten Tag vor ihrer Deutschklausur.

Die Schüler hatten eine halbe Stunde mehr Zeit für ihre Texte

Ursprünglich waren in den Bereichen literarischer Vergleich, Gedichtvergleich und Interpretation einer Kurzgeschichte sowie Arbeiten mit einem Sachtext je zwei Auswahlmöglichkeiten vorgesehen. Als Corona-Bonus durften die Lehrkräfte in Baden-Württemberg aus jeder Kategorie ein Thema streichen. Außerdem wurden die Prüfungen etwa einen Monat nach hinten verschoben, und die Schüler hatten eine halbe Stunde mehr Zeit für ihre Texte. Fünf Absolventen erzählen, wie sie die Prüfung erlebt haben.

Lea Schmidt: „Es liegt an einem selbst. Es ist dein Abi, Motivation muss von dir selbst kommen.“
Lea Schmidt: „Es liegt an einem selbst. Es ist dein Abi, Motivation muss von dir selbst kommen.“ | Bild: Claudia Ladwig

Lea Schmidt hatte sich schon vorab für den Gedichtvergleich entschieden. „Ich habe mich nur darauf intensiv vorbereitet“, verrät sie. Dafür habe sie sich Lernzettel geschrieben und die wichtigsten Vergleichspunkte gelernt. Sie habe sich auch mit schwereren Gedichten beschäftigt und gewusst, sie komme irgendwie damit klar. „Es wurden elf Seiten Text, ich glaube, ich habe genug Stilmittel gefunden.“ Ihre nächsten Prüfungen sind Musik und Biologie. „Die Aufregung wird abnehmen, aber es sind jedes Mal andere Schwierigkeiten“, meint sie.

Johanna Zander: „Sich Dinge selbst einzupauken braucht viel Disziplin. Ich habe dadurch sehr viel gelernt.“
Johanna Zander: „Sich Dinge selbst einzupauken braucht viel Disziplin. Ich habe dadurch sehr viel gelernt.“ | Bild: Claudia Ladwig

Johanna Zander, berichtet, nach zwei früheren Klausuren zu den Werken „Der goldene Topf“ von E. T. A. Hoffmann und „Der Steppenwolf“ von Hermann Hesse sei sie recht versiert darin. Sie habe beide Texte nochmals gelesen. Sie sagt: „Deutsch ist für mich das einfachste Fach, Musik geht auch noch, dann kommt Französisch. Es steigert sich, aber ich bin erleichtert, dass die erste Klausur rum ist.“ Für Maria Lanza aus Venezuela war es angenehm, dass sie viel Zeit hatte, um für sich zu lernen. „Deutsch ist nicht meine Muttersprache, ich lerne es erst seit vier Jahren. Deshalb war das meine schwierigste Klausur.“ Sie habe zur Vorbereitung viele Bachelorarbeiten über die Lektüren gelesen.

Maria Lanza: „Bei Deutsch kann man intensiv unabhängig lernen. Wenn man Interesse hat, kann man viel im Internet recherchieren.“
Maria Lanza: „Bei Deutsch kann man intensiv unabhängig lernen. Wenn man Interesse hat, kann man viel im Internet recherchieren.“ | Bild: Claudia Ladwig

Etwas anders sind die jungen Männer an die Aufgaben herangegangen: Tobias Temme hat den Werkvergleich gewählt, auf den er gezielt gelernt hat. „Zeitlich hat es gut gereicht“, sagt er zufrieden. Seine nächste Klausur in Englisch sei machbar, für Mathematik müsse er aber noch viel tun. Die Vorbereitung zuhause sieht er kritisch: „Die guten Schüler sind motiviert, noch mehr zu lernen, die anderen tun sich eher schwer.“

Tobias Temme: „Die guten Schüler sind motiviert, noch mehr zu lernen, die anderen tun sich eher schwer.“
Tobias Temme: „Die guten Schüler sind motiviert, noch mehr zu lernen, die anderen tun sich eher schwer.“ | Bild: Claudia Ladwig

Und Kevin Scholl hat auf Deutsch gar nicht hingearbeitet, sondern sich auf den Sachtext fokussiert. „Der Text hat dann aber für mich nicht gepasst. Deshalb habe ich den Werkvergleich genommen.“ Das Thema sei zum Glück ähnlich wie in den vorherigen Klausuren gewesen. Englisch kommt als nächstes, mehr Sorge bereitet ihm aber Biologie, da sei viel Stoff zu lernen.

Kevin Scholl: „Ich brauche den Kick. Wenn niemand hinter einem steht, ist es schwer, vom geregelten Alltag ins Selbstlernen umzuschalten.“
Kevin Scholl: „Ich brauche den Kick. Wenn niemand hinter einem steht, ist es schwer, vom geregelten Alltag ins Selbstlernen umzuschalten.“ | Bild: Claudia Ladwig

Die Schüler loben Sabine Schächtle und Ulrich Vormbaum, die Lehrer der Leistungskurse, für ihre gute Vorbereitung. Vormbaum ist mit den Themen zufrieden. „Beim Werkvergleich war die Aufgabenstellung sehr allgemein gehalten. Das finde ich gut, da können die Schüler nach Gusto ihren Text entwickeln.“ Er und seine Kollegin seien der Meinung, dass diese Abiturprüfung gut machbar war.

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