Viele Menschen sind unsicher, was Auslandsreisen und damit verbundene Corona-Risiken und Auflagen angeht. Sie verreisen daher in diesem Sommer lieber innerhalb Deutschlands. Eine beliebte Urlaubsform ist Camping. Was erzählen Platzbetreiber und Gäste über das zweite Corona-Jahr?

Campinggarten Wahlwies „komplett voll“

Volker Knaust vom Campinggarten Wahlwies hat alle Hände voll zu tun. Nach seiner Wahrnehmung bleiben viele Leute hier, weil sie Angst haben, ins Ausland zu fahren. „Letzte Woche war es so extrem wie noch nie“, sagt er. Das Telefon klingele ohne Ende, ständig gingen E-Mails ein. „Wir sind komplett voll“, erklärt er.

Gasthündin Adra (links) fühlt sich im Campinggarten Wahlwies wohl. Volker und Andrea Knaust (mit ihrem Hund Piros) bieten auf ihrem Platz mit einer Spielwiese und einer Hundedusche sowie Hundefutter für Vierbeiner einen besonderen Service an.
Gasthündin Adra (links) fühlt sich im Campinggarten Wahlwies wohl. Volker und Andrea Knaust (mit ihrem Hund Piros) bieten auf ihrem Platz mit einer Spielwiese und einer Hundedusche sowie Hundefutter für Vierbeiner einen besonderen Service an. | Bild: Claudia Ladwig

Seine Frau Andrea sei den ganzen Tag damit beschäftigt, Buchungen hin und her zu schieben. Sobald – was selten vorkomme – eine Absage einginge, rutsche der nächste Gast nach. Auch das wechselhafte Wetter stelle kein Problem dar, niemand reise deshalb vorzeitig ab. In ihrem 13. Jahr erleben die Betreiber viele neue Gäste, die altersmäßig sehr gemischt sind. Viele junge Menschen seien dabei und weniger Niederländer als früher, beobachtet Volker Knaust.

„Wie im eigenen Schrebergarten“

Ellen Hirsch aus Darmstadt ist mit ihrem Mann zum ersten Mal da. Sie erzählt: „Uns hat der Platz im Internet gut gefallen, auch die ökologische Seite. Man sitzt hier unter den Apfelbäumen wie im eigenen Schrebergarten.“ Dass es gewisse Einschränkungen gebe, damit habe man sich doch vorher schon auseinandergesetzt, sagt sie.

Auf dem Platz hielten sich alle an die Regeln, man nehme Rücksicht und habe Respekt voreinander. Sie genießt die ruhige Atmosphäre und findet den Platz sehr gut geeignet als Ausgangspunkt für Joggingrunden, Radtouren und Wanderungen. „Auch die Gästekarte ist top“, ergänzt sie.

Zum vierten Mal in Wahlwies

Stammgäste sind ebenfalls wieder da, beispielsweise Irene Stegner aus Lahr. Ihr Mann und sie seien froh, überhaupt verreisen zu können. „Ich habe kein Problem, im Hygienebereich eine Maske zu tragen. Im Freien ist ja alles ohne möglich“, sagt sie.

Das Paar ist schon zum vierten Mal in Wahlwies – weil ihnen der naturnahe Platz gefällt, sie ihn top-gepflegt finden und weil sie mit ihrem Oldtimer unterwegs sind. Eigentlich wäre im August das Oldtimer-Treffen in Ludwigshafen gewesen. Aber auch ohne diese Veranstaltung passe es für sie: „Hier ist in alle Richtungen was geboten.“

Bis Anfang Oktober gut gebucht

Volker Knaust berichtet, dass der Platz über die Sommerferien hinaus bis Anfang Oktober sehr gut gebucht sei. „Wer in der Nachsaison kommt, genießt die Ruhe und manche auch die günstigeren Angebote“, so Knaust.

Er hoffe, dass das Wetter im Herbst mitspiele und sie bis Mitte oder Ende Oktober noch ein bisschen von dem nachholen könnten, was ihnen bis zum Frühling verloren gegangen sei. „Der Campinggarten wird bis Mitte November geöffnet bleiben und dann hoffentlich in diesem Jahr auch wieder über die Weihnachtsferien.“

Reger Betrieb auf Campingplatz Schachenhorn

Direkt am Seeende liegt der Campingplatz Schachenhorn der Betreiberfamilie Schieß. Auch hier herrscht im August reger Betrieb, Richard Schieß ist immer wieder unterwegs, um neue Gäste einzuweisen. Das Ehepaar Klosowski aus Durmersheim, zwölf Kilometer südwestlich von Karlsruhe, hat einen Platz ergattert.

Richard Schieß ist mit dem Fahrrad auf seinem großen Campingplatz Schachenhorn unterwegs.
Richard Schieß ist mit dem Fahrrad auf seinem großen Campingplatz Schachenhorn unterwegs. | Bild: Claudia Ladwig

„Wir sind zum ersten Mal in der Gegend und hier war zufällig etwas frei“, erzählt Ingrid Klosowski. Sie wollen eine gute Woche am Bodensee verbringen und empfinden keine Einschränkungen. Die Landesgartenschau haben sie schon besucht, sie fahren Rad und gehen schwimmen – für sie passt alles, so lange das Wetter mitmacht.

Maske tragen? Kein Problem

In ihrer Nähe haben Heike und Frank Simons aus dem Münsterland ihr Miet-Wohnmobil abgestellt. Sie seien erst vor wenigen Minuten angekommen, und müssten sich erst mal umgucken. Es ist ebenfalls ihr erster Besuch am Bodensee.

Frank Simons hat sich extra ein befristetes Bodenseeschifferpatent besorgt und hofft, irgendwo ein Segelboot ausleihen zu können. Dass sie in ihrem Urlaub die Masken stets parat haben müssen, sei nicht so schlimm. „Das sind wir ja von zuhause gewöhnt“, sagt Heike Simons. Beide empfinden das Reisen im Wohnmobil bisher entspannt.

Platz vom schlechten Wetter betroffen

Und was sagt der Betreiber? Camping sei immer wetterabhängig und sein Platz sei davon besonders betroffen. „Wir haben viel Kleincamper-Kultur, also Zelte, Radler, kleine Mobile und bei uns wird nicht vorgebucht. Die Gäste nutzen die Freiheit, bei schlechtem Wetter abzufahren“, so Richard Schieß. Nach seinem Gefühl sind in diesem Sommer nicht so viele Neu-Camper da wie 2020, auch der Ausländeranteil sei diesmal sehr gering. „Im letzten Jahr hat das schöne Wetter einiges kaschiert. In diesem Jahr erleben wir eine sehr verhaltene Anreise.“

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Das führt er neben dem wechselhaften Wetter vor allem auf den langen Lockdown im Winter zurück. Viele hätten für den Sommer keine konkreten Pläne gemacht. Dass in dieser Saison insgesamt weniger Besucher kommen, sei aber zum Glück nicht existenzgefährdend, betont der Betreiber.

Bis zum 15. Oktober sei sein Platz noch geöffnet – vielleicht auch zwei Wochen länger, so wie im vergangenen Jahr. „Viel gebracht hat es zwar nicht, aber es war eine gute Geste von Seiten der Regierung“, kommentiert Richard Schieß die Verlängerung.