Viele Menschen fahren im Urlaub Rad. Mal kleinere Ausflugsfahrten, mal lange Touren. Dass jemand aber ein Jahr lang mit dem Fahrrad die Welt bereist, ist ziemlich ungewöhnlich. Simon Woywod aus Wahlwies hat das getan und ist auch Wochen nach seiner Rückkehr noch dabei, seine Eindrücke zu verarbeiten. Er erzählt, wie er seine Reise organisiert hat und wie es ihm unterwegs ergangen ist.

Lust auf ein Abenteuer

Bis Ende 2019 hatte Simon Woywod studiert. Schon während des Studiums zum Mechatroniker habe er Lust auf ein Abenteuer verspürt. Er wollte weg von Zahlen und Theorie, wollte sich spüren und etwas erleben. „Ich wollte unabhängig unterwegs sein und mir dafür ein Jahr lang Zeit nehmen.“ Weil die Reise möglichst günstig sein sollte und er zu Fuß zu langsam unterwegs sein würde, entschied er sich zu einer Radreise.

Dabei war er zuvor noch nie länger mit dem Rad unterwegs gewesen, hatte wenig Ahnung von Reparaturen und musste sich zunächst schlau machen, was er alles benötigte, um möglichst viel Zeit draußen zu verbringen. Als er seinem Kumpel Jonas Lomp von der Idee erzählte, war der ebenfalls Feuer und Flamme. Ihn reizte allerdings Afrika – was Simon Woywod im Sinn hatte – nicht, dort sei es zu abenteuerlich. Beide einigten sich, in Schweden zu beginnen und von dort über Osteuropa in Richtung Türkei zu reisen.

Start in Schweden

Zug und Fähre brachten sie Anfang Juni 2020 nach Trelleborg. Nach fünf Wochen in Schweden fuhren sie nach Finnland, Estland, Litauen, Lettland und Polen. „Von Warschau aus nahm ich den Zug nach Graz, weil meine Schwester dort Hochzeit feierte“, erzählt Simon Woywod. Während Jonas wegen einer Mandelentzündung aussetzen musste, reiste er nach Slowenien, Kroatien und Montenegro. Sein Freund, der im Zug nachkam, musste die Reise dann krankheitsbedingt abbrechen.

Für Simon Woywod ging es also ohne Reisepartner weiter Richtung Istanbul. Auf der Strecke traf er den Niederländer Emiel, mit dem er eine Woche bis Albanien fuhr. Es folgten Nord-Mazedonien, Bulgarien und schließlich die Türkei. „In Istanbul wurde es langsam kühler, ich hatte nur einen Sommerschlafsack und wollte endlich raus aus Europa ins Warme“, sagt Simon Woywod.

Fünf Wochen Pause in Istanbul

Doch er fühlte sich auch völlig ausgelaugt und war froh, über einen Fahrradladen jemand zu treffen, bei dem er fünf Wochen lang wohnen konnte. „Es waren so viele Eindrücke, ich musste erst mal abschalten, wieder in einem Bett schlafen und mich auf den nächsten Abschnitt vorbereiten.“ Seine Schwester kam spontan zu Besuch und er traf Extremsportler Jonas Deichmann bei dessen Vorhaben, einen Triathlon einmal rund um den Globus zu absolvieren. Er wurde sogar gebeten, den Sportler mit der Drohne zu filmen.

Dann erlebte Woywod eine weitere Überraschung: Caroline Walter, eine gemeinsame Bekannte von Jonas und ihm, wollte ebenfalls per Rad durch Afrika fahren. „Ich war also in der schwierigen Corona-Zeit nicht mehr allein unterwegs“, sagt er.

Mit dem Segelboot nach Ägypten

Die Strecke nach Afrika legten sie auf einem Segelboot zurück. Die schwedischen Segler hatten sie über die sozialen Medien gefunden. „Über Zypern mit extremem Gegenwind und starken Wellen segelten wir durch den Suezkanal nach Hurghada.“ Weiter ging es nach Kairo, um ein Visum für den Sudan zu bekommen. Den Sudan hat Simon Woywod in guter Erinnerung. „Wir haben unterwegs Wasser von LKW-Fahrern bekommen, wurden immer gut behandelt und erfuhren die allerherzlichste Gastfreundschaft.“

Simon Woywod auf einem Segelboot im Suezkanal.
Simon Woywod auf einem Segelboot im Suezkanal. | Bild: Caroline Walter

Weil die Grenze nach Äthiopien zu war, flogen sie nach Addis Abeba. Vor Äthiopien seien sie oft gewarnt worden – die Leute reagierten ganz anders als im Sudan, gerade auf Fahrradtouristen. Gleich am ersten Tag bei der Zeltplatzsuche seien sie dann von Kindern und Jugendlichen mit Steinen beworfen worden. Sie beschlossen, nicht mehr frei zu campen, sondern an touristischen Orten zu schlafen.

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Für die restliche Strecke nahmen sie den Bus und kamen völlig geschafft über die Grenze nach Kenia. Gemeinsam bestiegen sie den Mount Kenia. Eine letzte gemeinsame Tour folgte, um noch Giraffen und Elefanten zu sehen, dann ging es nach Nairobi und im Flugzeug zurück nach Genf. „Caro und ich fuhren durch Frankreich und gaben uns zwei Wochen Zeit zum Ankommen.“

Besonders schön in der Türkei

Was hat ihm rückblickend am besten gefallen? „Die Freiheit, jeden Tag zu entscheiden, was man macht, keine Verpflichtung zu haben, in der Natur sein zu können“, zählt Woywod auf. Auch zu erleben, dass man fast überall Hilfe bekommt, sei ein gutes Gefühl gewesen. Als Land fand er die Türkei aufgrund der Natur, der Leute und der besuchten Orte sehr schön.

Im Sudan haben Simon Woywod (links) und Caroline Walter nur gute Erfahrungen gemacht: „Wir wurden immer gut behandelt und erfuhren die allerherzlichste Gastfreundschaft.“
Im Sudan haben Simon Woywod (links) und Caroline Walter nur gute Erfahrungen gemacht: „Wir wurden immer gut behandelt und erfuhren die allerherzlichste Gastfreundschaft.“ | Bild: Simon Woywod

Das Reisen dort sei bezahlbar, die Infrastruktur gut. Das Visum für drei Monate war umsonst, man konnte sich angstfrei bewegen und überall campen. Die Sprache sei das einzige Problem gewesen, doch die Menschen wollten kommunizieren und unterhielten sich daher mit Händen und Füßen, berichtet er.

Das Fazit von Simon Woywod – zumindest für Radreisen in Europa: „Für eine solche Reise ist kein teures Equipment nötig. Man muss kein Radprofi oder Reiseexperte sein. Einfach den ersten Schritt aus der Haustüre trauen. Hier in Europa kann man in jeder Stadt das nachkaufen, was man vielleicht vergessen hat.“