Der Leiter des Stadtmuseums Stockach, Johannes Waldschütz, bezeichnete sie als Premiere: eine Stadtführung durch Stockachs postalische Vergangenheit. Zusammen mit der VHS bot er die Führung „Stockach als Verkehrsknotenpunkt und Postkutschenstandort“ an. 21 Personen nahmen an der Tour durch die Oberstadt teil.

„Wenn ich Stockach höre, denke ich ans Narrengericht und an eine schnelle Durchfahrt“, sagte Waldschütz. Und genau mit dem Thema Durchfahrt beschäftigte sich dann die Führung, denn Stockach war ab dem 16. Jahrhundert ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und Postkutschenstandort.

Drehkreuz zwischen Wien und Paris

Schon im 16. Jahrhundert gab es die erste habsburgische Poststation und zwar im Gebäude des heutigen Kaufhauses Jährling. Stockach gehörte damals zu Vorderösterreich. Dazu kam ab 1680 die Postlinie der Thurn und Taxis, die ihre Poststelle im heutigen Haus Dandler hatte. Es gab also zwei Poststellen in Stockach, wo sich die wichtigen Postkutschenlinien Wien-Paris, Ulm-Basel und Stuttgart-Zürich kreuzten.

Die erstmals 1505 erwähnte Postanstalt in Stockach gilt als eine der ältesten in Deutschland. Die habsburgische, sprich kaiserliche Post zog später in die heutige Adler-Post, danach wurde gegenüber der Adler-Post, neben dem heutigen Bekleidungshaus Moser, das Kaiserliche Postamt gebaut. Dieses Gebäude beherbergte später die SÜDKURIER-Geschäftsstelle, bis diese vor rund 20 Jahren in das ehemalige Gasthaus Hans Kuony umzog.

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Mit dem Gasthaus Hans-Kuony kam Waldschütz auf die hohe Dichte der Gastwirtschaften im Stockach der Postkutschen-Zeit zu sprechen: Auf die damals 1400 Einwohner seien stattliche 22 Gastwirtschaften gekommen, was auch der hohen Gästefrequenz durch die gute verkehrstechnische Anbindung Stockachs geschuldet gewesen sei. Diese Zentralfunktion der guten Verkehrsanbindung ging dann allerdings mit dem Eisenbahnzeitalter zu Ende.