Stockach – Der erste Austausch zwischen Stockacher Jugendlichen und jungen Finnen aus Hattula ist gerade vorbei und bereits jetzt freuen sich alle auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr in Finnland. Lisa Hallermann, Gemeindediakonin der Evangelischen Kirchengemeinde Stockach, hatte die Idee für einen solchen Jugendaustausch von ihrer früheren Arbeitsstelle in Dortmund-Wickede mitgebracht. Dort hatte sie ehrenamtliche Jugendarbeit geleistet und war mit 13 Jahren selbst zum ersten Mal nach Hattula gereist. "Während meines Studiums bin ich 2011 gemeinsam mit dem dortigen Pfarrer in die Leitung gekommen. Als er im Oktober 2015 in Rente ging, war die Frage, was mit dem 28 Jahre gepflegten Austausch passiert", berichtete sie. Für die finnischen Leiter blieb sie die Kontaktperson und überlegte, ob sich die langjährige Beziehung nicht nach Stockach übertragen ließe. Im Januar 2016 beschloss der Kirchengemeinderat, den Versuch zu starten. "Die Idee ist, sich gegenseitig im Wechsel einmal im Jahr zu besuchen und dabei eine Woche in einem Jugend-Camp und eine in Gastfamilien zu verbringen, um das Leben in den Familien kennenzulernen."

Die Teilnehmer aus Stockach – fünf Jungs und vier Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren – kommen aus kirchennahen Familien, die in der Gemeinde oder im Jugendkreis engagiert sind. Der Kooperationspartner ist die kommunale Gemeinde Hattula im Süden Finnlands mit knapp 10 000 Einwohnern. Zwei Jungs und sieben Mädchen im Alter von 16 und 17 Jahren kamen mit ihren Betreuern Eeva Seppänen und Jari Salmela. Die deutsche Gruppe mit Betreuerin Lisa Hallermann empfing sie am Flughafen Zürich. Drei Tage verbrachten die Gruppen zum Kennenlernen in der Jugendbildungsstätte Ludwigshafen. Sie stellten sich gegenseitig ihr Land vor und machten einen Mini-Sprachkurs. Besonders spannend sei der Floßbau im Strandbad Bodman gewesen, verriet Hallermann. Die nächsten Übernachtungen erfolgten im Gemeindehaus in Stockach. Die Jugendlichen nahmen am Wandertag des Nellenburg-Gymnasiums und dem Sommerkonzert teil, machten einen Betriebsrundgang bei der Firma ETO und erlebten einen Begegnungsnachmittag in der Gemeinschaftsunterkunft Stockach.

Die finnische Besucherin Amanda Heiskanen war begeistert: "Wir haben das Beste aus der Zeit gemacht, hatten immer volles Programm." Und wenn der offizielle Teil vorbei war, hätten die Jugendlichen weitere Dinge wie Barbecue, Bowling, Billard organisiert, schmunzelte Gastmutter Hanne Gronbach. "Wir Eltern waren hauptsächlich für die Logistik zuständig, sind gefahren, haben Lunchpakete gepackt." Sie empfinde einen Gast aus dem Ausland immer als Bereicherung. Dieser Austausch sei ein rundes Ganzes, etwas Besonderes und viel intensiver als bisherige Austausche, die über die Schule organisiert worden seien, fand auch Gastmutter Ellen Hartmann. Sie war beeindruckt davon, wie viele Sprachen ihre Austauschschülerin Amanda beherrschte.

Sasha Vorobjev sagte: "Wir haben uns alle gut verstanden. Es gibt wenig Unterschiede." Dass die Lebenshaltungskosten hier höher sind, sei ihm jedoch aufgefallen. Betreuerin Eeva Seppänen fand die Gruppe sehr nett und die Stimmung sehr schön. "Hier geht es nicht um Leistung. Ein Schüler hat mir gesagt, dadurch gehe das Ganze tiefer, es entstünden engere Beziehungen" erzählt Lisa Hallermann. Nach der gelungenen Premiere vor Ort freue sie sich sehr, dass die Tradition des Austauschs weitergehen könne. Und das wird sie, denn Markus Rüb sprach am Ende aus, was wohl alle dachten: "Wir haben einander echt lieb gewonnen."

Die Gemeinde Hattula

Die jungen finnischen Gäste der Stockacher Gemeindemitglieder kommen aus dem finnischen Hattula. Der Ort liegt im Süden Finnlands und hat rund 9700 Einwohner. Er liegt 112 Kilometer von der Hauptstadt Helsinki entfernt. Der Kernort hat rund 4000 Einwohner, hinzu kommen die Bewohner der umliegenden Ortschaften, die zu Hattula gehören. Die Kirchengemeinde der jungen finnischen Gäste hat im Übrigen ein beeindruckendes, weil mächtig altes Gotteshaus: die Heiligkreuzkirche. Diese wurde am Ende des 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts gebaut, hat bedeutende historische Wandmalereien und gilt als ältestes Gotteshaus der Region Häme, in der Hattula liegt.