Dieses Mal war vieles ein bisschen anders beim Martinimarkt der Freien Waldorfschule. Die Schule wurde in diesem Jahr mehr in den Mittelpunkt des Marktgeschehens gerückt als sonst: der gelbe Theatersaal, in dem sich früher Stände mit Angeboten reihten, war dieses Mal für Ausstellungen und Präsentationen aus dem Schulalltag reserviert. Anbieter von außerhalb mit ihren Angeboten von Büchern, Filzwaren, Spielzeug und adventlichen Dekorationen fanden sich in den Klassenzimmern und Fluren. Um ein harmonisches Bild der Zusammengehörigkeit zu erzielen, wurde die Dekoration des Schulhauses und der internen Stände unter das Märchenmotto „Frau Holle“ gestellt. Mit Rücksicht auf die sommerliche Trockenheit wurde das sonst reichlich angebotene Moos für die Bastelei von „Mooshäuschen“ sparsam verwendet.

Seidenmalen gefiel nicht nur den Mädchen.
Seidenmalen gefiel nicht nur den Mädchen. Bild: Gabi Rieger

Unaufhörlich zogen Menschenströme durch das gesamte weitläufige Schulareal, ständig erneuert durch Neuankömmlinge, die im Sog der vielen Besucher mitgetragen wurden zu den Werkstätten, wo eifrig gehämmert, gefeilt, geschnitten und gemalt wurde. Wieder gab es „Kinderpässe“ mit Wertpunkten, die den Nachwuchs vom elterlichen Geldbeutel unabhängig machten.

Überall duftete es ein wenig anders: nach Harz und frischem Tannengrün beim Waldhäuschen-Bau. Nach Bienenwachs beim Kerzenziehen und nach Apfelküchle vor dem Kinderladen, wo Murmeln das Zahlungsmittel sind. Verführerische Aromen nach frisch gebackenem Brot umschmeichelten die Nasen am Stand von Mie Kiener. „Das ist für den praktischen Teil meiner anstehenden Jahresarbeit“ erläuterte die Siebzehnjährige. Ausschliesslich der Schulgemeinschaft vorbehalten waren die Standplätze im Musikzimmer. Hier gab es Praktisches wie gehäkelte Einkaufsnetze, genähte Nackenstützen, gestrickte Pudelmützen und Marmeladen nebst Kräutersalzen.

Mit Rücksicht auf die sommerliche Trockenheit gab es beim Mooshäuschenbau anstelle von viel Moos vor allem schmückendes Efeu.
Mit Rücksicht auf die sommerliche Trockenheit gab es beim Mooshäuschenbau anstelle von viel Moos vor allem schmückendes Efeu. Bild: Gabi Rieger

Viel gab es für den weihnachtlichen Gabentisch zu kaufen. Zart und duftig waren die Waldwichtel-Malereien auf Grußkarten und Kalendern. Kunstpostkarten-Sets von Tafelbildern aus verschiedenen Epochen-Unterrichten wurden zugunsten des Solidarfonds verkauft. Müd geschaute Augen fanden hier und dort Oasen der Ruhe und Labsal im turbulenten Gewusel. Wer unter Anleitung selber kreativ sein wollte, hatte auch dazu eine Reihe von Möglichkeiten.

Kerzenziehen zählte zu den beliebtesten Angeboten besonders bei den kleineren Martinimarkt-Besuchern.Bilder: Gabi Rieger
Kerzenziehen zählte zu den beliebtesten Angeboten besonders bei den kleineren Martinimarkt-Besuchern. Bild: Gabi Rieger

Zu den traditionell beliebtesten Angeboten zählten wieder das Mooshäuschen bauen oder auch die Seidenmalerei. Für kleinere Kinder waren Angebote wie die Reeperbahn zum Seile drehen oder das Kerzen ziehen attraktiv: unter den Füßen Berge von raschelndem Laub, zogen Kinder mit ihren an Stöcken befestigten Dochten Runde um Runde zu den mit flüssigem Bienenwachs gefüllten Töpfen. Schier kein Durchkommen war zur Reeperbahn. Sein soeben selbst gedrehtes Seil knüpft Jeremias Wegele (9) an sein über offenem Feuer geschmiedetes Messer. „Beim nächsten Martinimarkt mach ich ein doppelt so langes Seil wie der Raum ist“ verkündete er.