Wenn man Bernhard Keßler nach einer Episode aus dem Leben seines Vaters Josef Keßler fragt, die den Charakter des Mannes beschreibt, erzählt er von folgender Begebenheit. Einmal sei Josef Keßler mit Freunden in den Alpen unterwegs gewesen. Auf der Rückfahrt durch das Lechtal in Österreich habe er seinen Mitfahrern verkündet, dass er nun ohne Pause bis Stockach durchfahren werde. Der Protest im Fahrzeug habe sich gelegt, als man in das Dorf Stockach im Lechtal gekommen und dort eingekehrt sei. Die Geschichte, die Bernhard Keßler auf die 1980er-Jahre datiert, zeige das Interesse seines Vaters für Geografie und seinen Humor, den er auch als Mitglied des Stockacher Narrengerichts kultivierte.

Dort war Keßler laut Archivar Thomas Warndorf unter anderem ab 1985 für zehn Jahre Laufnarrenvater und damit zweiter Mann im Kollegium. Als Narrenrichter und damit Chef des Kollegiums stellte er sich laut Warndorf übergangsweise im Jahr 1989 zur Verfügung. Die Verhandlung gegen Roman Herzog habe dann allerdings Peter Kaufmann geleitet. Herzog war damals Präsident des Bundesverfassungsgerichtes und wurde später Bundespräsident.

Den meisten Stockachern dürfte Josef Keßler indes als erster Leiter der Realschule ein Begriff sein. Diese Tätigkeit übte er, der im Mai 1931 in Hödingen bei Überlingen zur Welt kam, von 1975 bis 1993 aus. 1968 sei die Familie nach Stockach gezogen, nachdem sein Vater zehn Jahre als Grund- und Hauptschullehrer in Dettighofen bei Waldshut gearbeitet habe, erzählt Bernhard Keßler. In Stockach sei es zunächst in derselben Funktion weitergegangen. Über Weiterbildungen habe er sich zum Realschullehrer qualifiziert. Später habe er den Aufbau der Stockacher Realschule mitbetrieben.

Neun Jahre lang, von 1980 bis 1989, saß Josef Keßler für die Freien Wähler im Stockacher Gemeinderat, seit 1984 als Fraktionssprecher. Zum Abschied aus dieser Tätigkeit würdigte ihn der damalige Bürgermeister Franz Ziwey als "außerordentlich gut informierten und versierten Beratungspartner." Und Ziwey hob das gemeinsame Interesse am Fußball und dem VfR hervor. Auch dort trauert man um Josef Keßler, der in diesem Jahr für 50-jährige Mitgliedschaft geehrt wurde. Anfang der 1970er Jahre sei Keßler als Jugendtrainer tätig gewesen und habe auch für einige Jahre die Jugendarbeit im Vorstand vertreten, erinnert sich der Vorsitzende Siegfried Endres: "Er war ein VfRler durch und durch." Auch beim Schwarzwaldverein war Keßler viele Jahre Mitglied und regelmäßig als Wanderführer aktiv.

Im Alter von 87 Jahren ist Josef Keßler in der Nacht zum Samstag, 18. August, gestorben. Er hinterlässt seine Ehefrau Gertrud, mit der er 60 Jahre verheiratet war, drei Kinder und mehrere Enkel.

Die Beerdigung findet am Freitag, 24. August, um 11 Uhr auf dem Stockacher Friedhof Loreto statt