Ganz im Zeichen ihrer Jubiläumsfeierlichkeiten stand die Freie Waldorfschule Wahlwies am Wochenende. Den Auftakt zur Festdekade, die bis einschließlich Sonntag, 24. Juni, mit einem abwechslungsreichen kulturellen Programm aufwartete, bildeten neben einem Singspiel nach Oscar Wilde mit 184 Mitwirkenden ein Bildervortrag mit Herbert Göller sowie eine öffentliche Schulfeier, der sich ein Tag der offenen Tür anschloss. Für die Kurse zu den Workshops, die sehr gut angenommen wurden, lagen Teilnehmerlisten aus. Angeboten wurde der Bau von Lego-Mindstorm-Robotern, Eurythmie, Schmieden, Malen, Buchbinden, Chemie-Experimente sowie ein Familienduell im Fußball.

Herbert Göller (rechts), seit 1989 Lehrer an der Freien Waldorfschule Wahlwies, bekam vor seinem geschichtlichen Rückblick von Claudius Hoffmann im Namen der Überlinger Waldorfschule ein Geschenk überreicht.
Herbert Göller (rechts), seit 1989 Lehrer an der Freien Waldorfschule Wahlwies, bekam vor seinem geschichtlichen Rückblick von Claudius Hoffmann im Namen der Überlinger Waldorfschule ein Geschenk überreicht. | Bild: Gabi Rieger

Die Freie Waldorfschule Wahlwies hat sich vor 40 Jahren aus der anthroposophisch orientierten "Handwerker Versuchsschule" des benachbarten Pestalozzi Kinderdorfes entwickelt. Die Eintragung ihres Förder- und Trägervereins in das Vereinsregister wurde am 15. Juni 1978 vollzogen. Herbert Göller, seit 1989 Lehrer an der Waldorfschule Wahlwies, begann seinen Rückblick mit einer Metapher. Spannend und kurzweilig gestaltete er vor rund 150 Zuhörern seinen Bildervortrag mit geschichtlichem Rückblick, der gewürzt war mit heiteren Anekdote und der im Anschluss etlichen Ehemaligen Raum bot, aus dem Schatzkästlein ihrer Erinnerungen zu erzählen.

"Als Schulgemeinschaft haben wir alles, was hier steht, selber erwirtschaftet", betonte Göller. In zwei Elterngenerationen und einer Lehrergeneration habe man, weil viele mit anpackten, die Schule vollständig bezahlt. "Vieles ist erreicht, an vielem muss noch gearbeitet werden" betonte der Referent. Sein Blick in die Zukunft war positiv. Denn man habe eine kollegiale Situation, die vieles ermögliche.

Jakob Sieke, Eurythmiebegleiter an der Schule, berührte im Anschluss mit pianistisch brillanten Eigenkompositionen. Auch gab es Geschenke aus dem Reigen der Gratulanten. So spendete das Kinderdorf eine Ruhebank, und im Namen der Waldorfschule Überlingen übergab Claudius Hoffmann ein afrikanisches Kalaha-Spiel. Kirje Klotz, die als Cheforganisatorin im Ehrenamt Rosen an die Hauptakteure verteilte, erhielt ihrerseits einen Rosenstock.

Viel herzlichen Beifall gab es für die immer schönen Darbietungen bei den Veranstaltungen – im Bild das Publikum beim Singspiel der Klassen drei bis sieben.
Viel herzlichen Beifall gab es für die immer schönen Darbietungen bei den Veranstaltungen – im Bild das Publikum beim Singspiel der Klassen drei bis sieben. | Bild: Gabi Rieger

Rund 700 Gäste begrüßte Sabine Meinhard am Samstag zur Schulfeier. Das Oberstufenorchester stimmte mit heroischen Sätzen aus der Peer-Gynt-Suite auf die Darbietungen der Klassen ein. "Fuchs, Fuchs, Hühnerdieb" sangen und musizierten mit kleinen Harfen und pentatonisch gestimmten Flöten die Erstklässler. Geflötet, gesungen und geklopft hat unter dem Motto "der Specht" die zweite Klasse. Die dritte erheiterte mit einer Fabel von Wilhelm Busch, und Eurythmie auf ein verspieltes Mozart-Menuett bot die Vierte. Darbietungen in französischer und englischer Sprache folgten mit dem Auftritt der fünften Konzertantes auf Altblockflöten. Das große Thema der sechsten war die Seelendramatik von Balladen. Die Siebtklässler beeindruckten mit einer selbst gestalteten Choreografie mit fliegenden Stäben. Die achte Klasse sang und musizierte, die neunte rezitierte geschmeidig ein französisches Gedicht. Nach weiterer Eurythmie, Engelsterzett und selbst einstudiertem englischen Kanon brandete der Beifall der Fortsetzung eines wunderschönen Tages mit vielen Eindrücken entgegen.

184 Kinder wirken bei Singspiel mit

Tags zuvor haben 184 Kinder aus den Klassen drei bis fünf unter der Leitung von Heidrun Menzel zur Eröffnung der Festtage ganz bezaubernd ihr Singspiel vom "eigensüchtigen Riesen" nach Oscar Wilde dargeboten. Der Chor sang dynamisch vielschichtig. Das Orchester mit E-Gitarre, Geigen, Harfen, Celli, Fagotten und anderen Holz- und Blechblasinstrumenten erfüllte die anspruchsvolle Herausforderung bravourös. Phänomene wie Hagel, Frost, Heulen oder Vogelgezwitscher waren im Orchester lebendig dargestellt. Textverständlich, kraftvoll und gut prononciert rezitierten etwa 20 Schüler aus den Klassen sechs und sieben den von Johanna Menzel in Reimform gebrachten Text. Die rund 200 Singspiel-Besucher standen total im Bann des Geschehens – bis auch hier der Beifall toste.

Über ihren Rosenstock freute sich Musiklehrerin Heidrun Menzel, die mit 184 Kindern das Singspiel vom eigensüchtigen Riesen auf die Bühne brachte.
Über ihren Rosenstock freute sich Musiklehrerin Heidrun Menzel, die mit 184 Kindern das Singspiel vom eigensüchtigen Riesen auf die Bühne brachte. | Bild: Gabi Rieger

Eingerahmt von der öffentlichen Schulfeier mit Darbietungen aus dem Unterrichtsgeschehen und dem Auftritt vom Chor der Schulgemeinschaft war der "Tag der offenen Tür" mit viel Programm und guter Laune. Im Chemiesaal wurde dabei mit Salzen experimentiert und 17 Workshopper waren in den Roboter-Bau vertieft.