Musik aus der Zeit des Leonardo da Vinci und des Galileo Galilei bildete das Programm beim Orgelkonzert aus der „internationalen Orgelkonzertreihe Stockach„ mit dem Orgelvirtuosen Zeno Bianchini. Bereits am Vortag fand in der Loreto-Kapelle eine Orgelführung statt, in deren Fokus die kleine, kostbare, vom Radolfzeller Orgelbauer Johan Christophorus Pfleger 1661 erbaute Orgel stand.

Erstaunlich war die klangliche Vielfalt, die Zeno Bianchini auf der Basis seines profunden Könnens der Orgel zu entlocken vermochte.

Die kleine Orgel, die als älteste bespielbare Orgel Badens gilt, besitzt kein Pedal und hat mit Flöten- und Prinzipalregister nur fünf Register und 225 Pfeifen. Sie ist etwas höher gestimmt als eine normale Orgel, und hat lediglich ein Manual mit nur 45 Tasten.

„Ich habe sie mir größer vorgestellt“, sagte Erika Link aus dem Kreise der Führungsteilnehmer staunend. Er sei in seiner Heimat Italien groß geworden mit solchen Orgeln, berichtete Bianchini, und man könne in Stockach „schon stolz darauf sein“, auf die im Wesentlichen noch original erhaltene kleine Orgel.

Alle Teilnehmer freuten sich, als Bianchini am Ende seiner technischen Erläuterungen noch mit einem Concertino überraschte – eine gelungene Kostprobe für das gut besuchte Konzert am Folgetag.

Mit italienischen Komponisten wie Giovanni Gabrieli, Cristofano Malvezzi oder Luzzasco Luzzaschi beinhaltete das Programm Werke aus der Spät-Renaissance und dem Frühbarock. Kontemplative Sakralität atmete die von Bianchini für die Orgel bearbeitete „Regina Caeli“ von Franchinus Gaffurius. Aus hellen Flötenregistern lieblich genährt und mit farbigen kleinen Trillern in Manier einer kleinen Drehorgel unterlegt war die Kanzone von Soderini. Bei Luzzaschis Toccata klang die kleine Orgel unter Bianchinis Meisterhänden in ihrer volltönend prächtigen Farbigkeit fast schon so opulent wie eine größere Orgel.

Nils Schuller, Stockacher Lehrer, sprang als Hobby-Lautenist kurzfristig ein. Er führte moderat durchs Programm und präsentierte vor anmutig tänzerischem Klangbeispiel aus der Feder von Michelangelo Galilei neben seiner zehnchörigen Renaissance-Laute zum Vergleiche eine Barock-Laute. Dabei war zu erfahren, dass die Laute als orientalisches Instrument durch die Kreuzfahrer im Hochmittelalter nach Europa kamen.

Nils Schuller gibt als leidenschaftlicher Hobby-Lautenist ein ergänzendes Intermezzo.
Nils Schuller gibt als leidenschaftlicher Hobby-Lautenist ein ergänzendes Intermezzo. | Bild: Gabi Rieger

Emotional aufrüttelnd und schön in ihrer nachdrücklichen, lichten Präsenz klangen die finalen Stücke des bekannten Venezianers Giovanni Gabrieli, dem Wegbereiter des deutschen Barocks. Dem leisen Nachspüren in der Loreto-Kapelle folgte lang anhaltender, herzlicher Beifall. „Das war schön“, resümierte der Stockacher Rentner Eugen Willmann. „Und am Schluss der Gabrieli – das war ein Erlebnis.“