Die Stockacher Polizei hat einen neuen Revierleiter. Wolfgang Widmann ist mit einer Feierstunde in sein Amt eingeführt worden. Diese verlief allerdings in Zeiten der Corona-Pandemie völlig anders als unter normalen Umständen. Exakt drei Personen waren anwesend, um die Amtsübergabe zu begehen, heißt es in einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Konstanz. Neben Widmann waren das Gerhard Buchstab, der bislang das Stockacher Revier leitete, und Gerd Stiefel, Chef der Polizeireviere im Bereich des Präsidiums Konstanz. Stiefel vertrat Polizeipräsident Gerold Sigg.

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Ein eigentlich geplanter großer öffentlicher Festakt wurde abgesagt. Nachgeholt werde die Veranstaltung nicht, denn es wäre sehr schwierig geworden, einen Ersatztermin zu finden, sagte Wolfgang Widmann – zumal Buchstab nun in die Freistellungsphase gehe. Offiziell wird Widmann den Posten erst zum 1. April antreten. Derzeit ist er beim Stabsbereich Einsatz des Polizeipräsidiums Konstanz ein- und nach Stockach umgesetzt. Seit Mitte März sei er nun aber schon an der neuen Wirkungsstätte, auch damit seine frühere Position wieder besetzt werden konnte, sagt Widmann. „Anfang März hat sich schon abgezeichnet, dass etwas auf uns zukommt“, so der 55-Jährige.

Ähnliche Szene vor vier Jahren: Gerhard Buchstab beim Dienstantritt in Stockach. Nun geht er in Ruhestand.
Ähnliche Szene vor vier Jahren: Gerhard Buchstab beim Dienstantritt in Stockach. Nun geht er in Ruhestand. | Bild: Becker, Georg

Mit Widmann kommt nun jemand an die Spitze des Stockacher Polizeireviers, der viel Erfahrung im Streifendienst hat, aber auch schon einige andere Führungsaufgaben innehatte, wie die Pressemitteilung aufzählt. So begann seine Karriere in den 1980er- und 1990er-Jahren als Streifenpolizist in Sindelfingen, später wurde er Dienstgruppenleiter des Streifendienstes beim Polizeirevier Spaichingen. Dazwischen schob er ein Studium an der Hochschule für Polizei zum Diplom-Verwaltungswirt (FH) Polizei. In Tuttlingen gehörte er ab 2011 zum Führungs- und Einsatzstab am Polizeipräsidium, zuletzt als Leiter der Stabsstelle Zentrale Dienste – „das ist vergleichbar mit einem Hauptamt“, sagt Widmann. Und seit April gehört er nun zum Polizeipräsidium Konstanz.

Herausforderung Revierleitung

„Ein Revier führen zu dürfen, stellt für mich einen großen Reiz dar“, sagt er nun im Gespräch. Die Aufgabe sei sehr vielseitig, mit Personalverantwortung für die eigenen Mitarbeiter und durch die Zusammenarbeit mit Gemeinden und anderen Blaulichtorganisationen. Die Herausforderung wolle er annehmen. „Ich bin sicher, dass Sie sich der Verantwortung bewusst sind, die mit der Leitung eines Polizeireviers verbunden ist, einer der schönsten, aber anspruchsvollsten Führungsaufgaben in der Polizei„, wird Gerd Stiefel in der Pressemitteilung des Polizeipräsidiums zitiert.

Von Kindheit an sei er außerdem immer wieder an den Bodensee gekommen, die Gegend finde er sehr reizvoll, die alte Kreisstadt Stockach habe Flair, sagt Wolfgang Widmann. Nun könne er die Region aus einem anderen Blickwinkel kennen lernen. Und er hat auch etwas Historisches parat: Sowohl Stockach als auch sein Wohnort Spaichingen hätten beide einmal zu Vorderösterreich gehört.

Amtseinsetzung in Zeiten der Corona-Krise (von links): Der scheidende Revierleiter Gerhard Buchstab (Erster Polizeihauptkommissar), der neue Revierleiter Wolfgang Widmann (Polizeihaupkommissar) und Gerd Stiefel, Chef der Polizeireviere beim Polizeipräsidium Konstanz (Leitender Kriminaldirektor) stellen sich mit ausreichend Sicherheitsabstand dem Fotografen.
Amtseinsetzung in Zeiten der Corona-Krise (von links): Der scheidende Revierleiter Gerhard Buchstab (Erster Polizeihauptkommissar), der neue Revierleiter Wolfgang Widmann (Polizeihaupkommissar) und Gerd Stiefel, Chef der Polizeireviere beim Polizeipräsidium Konstanz (Leitender Kriminaldirektor) stellen sich mit ausreichend Sicherheitsabstand dem Fotografen. | Bild: Polizeipräsidium Konstanz

Für Gerhard Buchstab geht mit der Verabschiedung eine Dienstzeit von 41 Jahren zu Ende – und das auch mit einer guten Portion Wehmut. Auch für ihn spielte der Streifendienst eine große Rolle in seiner Karriere, erzählt er. 20 Jahre habe er darin gearbeitet, die Pressemitteilung des Polizeipräsidiums zählt Göppingen und Neuhausen auf den Fildern als Stationen auf. Zwölf Jahre lang war er außerdem Dienstgruppenleiter beim Polizeirevier Nürtingen.

Deswegen habe er sich gefreut, vor vier Jahren wieder an ein Polizeirevier zu kommen, eben als Leiter nach Stockach: „Die Reviere sind die Feuerwehr der Polizei„, lautet Buchstabs Vergleich. Wähle jemand den Notruf, komme jemand von einem Polizeirevier und ergreife erste Maßnahmen. Vor der Stelle in Stockach war er stellvertretender Leiter des Führungs- und Lagezentrums am Polizeipräsidium Konstanz. Und: Auch Buchstab ist Diplom-Verwaltungswirt (FH) Polizei. Ursprünglich war Buchstab übrigens als Mechaniker ausgebildet, begann dann aber seine Laufbahn bei der Bereitschaftspolizei.

Im Rückblick erinnert er sich an die kriminelle Jugendgruppe „Die Stockacher“ und an einen zeitweisen Anstieg an Drogendelikten als herausragende Ereignisse seiner Stockacher Zeit. In beiden Fällen habe eine Ermittlungsgruppe den Erfolg gebracht. Auch die Wahlkampfveranstaltung der AfD mit Alice Weidel samt Gegendemonstration und Polizei-Unterstützung von auswärts werde er im Gedächtnis behalten. Und er sei sehr dankbar für die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen, den Kommunen und den anderen Blaulichtorganisationen. Das Ende seiner Dienstzeit habe er sich allerdings anders vorgestellt, sagt Buchstab. Und er lässt durchblicken, dass er seinen Ruhestand anders geplant hätte, wenn er vorher gewusst hätte, wie sich die Dinge entwickeln. Die geplanten Reisen mit seiner Ehefrau seien nun jedenfalls erst einmal aufgeschoben, sagt Buchstab.

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