Das lachende Gesicht des Narren Hans Kuony an der Fassade der Hauptstraße 16 hätte einiges zu erzählen, wenn es reden könnte. Während sich vor 15 Jahren so gut wie alles am Gebäude und in seinem Inneren verändert hat, ist das närrische Profil geblieben. Es durfte aber ein Stück in die Höhe steigen, um dem SÜDKURIER-Schriftzug über der Schaufensterfront Platz zu machen. Denn Geschäftsstelle, Anzeigenberatung und Lokalredaktion zogen im November 2002 in das historische Gebäude ein, das zuvor die Gaststätte "Hans Kuony" mit einer dunkelgrünen Fassade gewesen war.

"Wirtshaus wird zum Medienhaus" titelte ein Bericht im März 2002 und kündigte die Änderungen in der Stockacher Oberstadt an. Der SÜDKURIER zog so von einem geschichtsträchtigen Gebäude in ein anderes. Denn die vorige Adresse Hauptstraße 4 (neben der Unteren Apotheke) war im Jahr 1837 als Kaiserliches Postamt erbaut worden. Die Posthalterei existierte dort bis zum Jahr 1933, dann zog die Post in das Gebäude am Bahnhof in der Unterstadt, wo sie auch heute noch ist.

Rund 30 Jahre lang war die Zeitung im ehemaligen Postamt, ehe sie in das umgebaute Kuony-Haus zog. Die Gaststätte hieß von 1820 bis 1926 erst "Zum Deutschen Kaiser", dann erhielt sie "nach Zustimmung von Bezirksamt und Eigentümer in närrisch-feierlichem Zeremoniell" den Namen "Hans Kuony", heißt es im Buch "Aus Stockachs Vergangenheit" von Hans Wagner. Es war ab diesem Zeitpunkt das zweite Gasthaus in Stockach unter diesem Namen. Denn diesen zuvor hatte bereits ein Lokal an anderer Stelle getragen – das Gebäude in der Zoznegger Straße, in dem heute die Stockacher Feuerwehr ist.

Die Gaststätte "Hans Kuony" in der Hauptstraße war vor Umbau und Sanierung für die Zeitung 20 Jahre lange eine Pizzeria gewesen. Eine der ersten in Stockach. Das Betreiber-Ehepaar ging 2002 in den Ruhestand und wo einst der Pizzaofen gestanden hatte, waren wenige Monate später Schreibtische und Computer. "Im Inneren blieben lediglich die Grundmauern stehen", beschrieb ein Artikel nach dem Umzug die Wandlung des historischen Hauses. Die markante Bleiglasfenster-Fassade wich einem modernen Schaufenster, in dem seit 15 Jahren jeden Morgen Seiten aus der aktuellen SÜDKURIER-Ausgabe zu sehen sind.

Die kunstvollen, bunten Fenster, die den Stockacher Erznarren Hans Kuony und verschiedene fasnächtliche Szenen und Ornamente zeigen, wurden in einer speziell angefertigten, rund sechs Meter langen Kiste eingelagert und stehen heute im Keller des Alten Forstamts. Die ehemalige Fensterfront besteht aus zwei langen Elementen, die etwa sechs Meter lang und rund einen Meter hoch sind. Eines Tages, so Museumsleiter Johannes Waldschütz, könnten sie vielleicht ausgestellt werden. Diese Bleiglasfenster sind übrigens nicht die einzigen in Stockach, die Hans Kuony zeigen. Am "Goldenen Ochsen" in der Zoznegger Straße blickt der Narr ebenfalls von einem bunten Fenster den Passanten und Gästen entgegen. Vom Inventar der ehemaligen Gaststätte gibt es übrigens mindestens noch drei Tische und etwa zwei Dutzend Stühle, die in einer Stockacher Schule aufbewahrt werden.

Der Umzug im Jahr 2002 war eine deutliche räumliche Vergrößerung für den SÜDKURIER, nachdem der Platz in der Hauptstraße 4 zu klein für das Team geworden war. Im damals neuen und heute alteingesessenen Haus fanden im Erdgeschoss die Geschäftsstelle, im ersten Stock die Redaktion und im zweiten Geschoss das Archiv mit allen Lokalausgaben bis zurück ins Gründungsjahr 1945 Platz. Matthias Biehler, der 2002 Redakteur in Stockach war und heute in der Redaktion in Singen arbeitet, erinnert sich an den aufwendigen Umbau von der Pizzeria zum Medienhaus zurück. "Immer wieder haben wir von der Redaktion neugierig verfolgt, wie das Haus mehr und mehr verkabelt wurde", erzählt er. "In der alten Redaktion hatten wir ja erst kurz zuvor die Dunkelkammer zum Volontärsarbeitsplatz umgebaut, weil die Digitalisierung allmählich in der Redaktionsarbeit angekommen war." Imposant sei es auch gewesen, "unser Gedächtnis – die alten SÜDKURIER-Ausgaben von 1945 bis 2002 – aus der Hauptstraße 4 ins Dachgeschoss der Hausnummer 16 zu hieven". Trotz Umzug sei aber die tägliche Arbeit an der Lokalausgabe reibungslos gelaufen. "Zwei Farbtupfer dürften bis heute prägen", sagt Biehler. "Die leuchtend-orange Wand im Erdgeschoss und der rote Tisch ganz oben." Am roten Tisch finden seither Besprechungen und Interviews statt. Die Farbe Rot, die auch ein Teil des Gewands von Hans Kuony ist, spiegelt sich auch in der roten Fassade des Hauses wieder. Das Gesichtsrelief in Weiß zeigt eine der weiteren Kostümfarben.

Zeitung in Stockach

Seit der SÜDKURIER-Gründung im Jahr 1945 in Konstanz gab es immer eine Redaktion in Stockach. Ganz am Anfang war diese im damaligen Café Licht (später Café Bodler, heute Friseur) am Marktplatz. Es folgten Standorte in der Hauptstraße neben dem einstigen Gasthaus Bohl (heute Badischer Hof), dann an der Kirchhalde und von dort zurück in die Hauptstraße neben die Untere Apotheke, wo der SÜDKURIER bis zu seinem Umzug in das heute Haus rund 30 Jahre lang war. Der erste Stockacher Lokalredakteur war ab 1945 Walter Zinsmeister. Ihm folgte Dieter Britz als Leiter der Redaktion nach, ihm wiederum Heidemarie-Gabriella Klaas, anschließend Davor Cvrlje. Nach ihm kam Jörg Braun, der auch Redaktionsleiter war, als 2002 der jüngste Umzug war. Neben Braun gab es als Redaktuer Matthias Biehler. Später waren Georg Becker und Simone Ise das Redaktionsteam, seit Kurzem ganz neu Stephan Freißmann und Ramona Löffler.