Thomas Warndorf kennt sich mit schwierigen Texten aus. Der frühere Kulturamtsleiter von Stockach und heutige Stadtrat hat Soziologie und Geschichte studiert, er forscht und schreibt selbst Bücher. Als Kläger des Narrengerichts hat er sich den Ruf erarbeitet, ein politischer Kopf zu sein. Diesen Ruf hat er nun in der Sitzung des Gemeinderats bestätigt. Nach dem Wirbel um die Bücher des Rielasinger AfD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon hat es Warndorf nicht bei Fundstücken aus den Medien belassen, er hat sich selbst durch die Gedeons Schriften gequält. Sein Urteil zu formalen Aspekten: "Sie sind sehr anstrengend zu lesen, zu verstehen sind sie nicht."

Warndorfs Befund zum Inhalt fiel nicht minder vernichtend aus. Gedeon wolle einen umfassenden "Wechsel des Zeitgeistes" vorbereiten. "Zeitgeist, das sind für ihn Linke, Schwule, Grüne, Kommunisten oder Juden." Sie zähle er nicht zur Mehrheitsgesellschaft. "Der Holocaust stellt sich ihm als bedauerlicher Irrtum dar, dessen gesellschaftspolitische Nachwirkungen er als abwegig und unnötig bezeichnet", fasste Warndorf aus seiner Sicht den Kern der Gedeonschen Schriftsätze zusammen.

Will Gedeon nicht offiziell in Stockach sehen: SPD-Stadtrat Warndorf hat die umstrittenen Bücher gelesen.
Will Gedeon nicht offiziell in Stockach sehen: SPD-Stadtrat Warndorf hat die umstrittenen Bücher gelesen. | Bild: Gabi Rieger

Für den SPD-Stadtrat müssen Konsequenzen gezogen werden. Er könne nachvollziehen, dass Bürgermeister Rainer Stolz den "Noch-AfD-Landtagsabgeordneten" zu offiziellen Terminen nach Stockach einladen werde. Das sei auch nicht vom Bürgermeister zu entscheiden, sagte Warndorf: "Es ist Sache des Gemeinderats, einem Feind der Demokratie, einen Mann, der den Grundrechten wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit den Kampf angesagt hat, in seine Grenzen zu weisen und ihm mitzuteilen, dass es keine Gemeinsamkeiten mit ihm geben kann." Er stellte den Antrag: "Ich bitte Herrn Bürgermeister Stolz das Mandat zu geben, Wolfgang Gedeon, solange er seine antidemokratische Geisteshaltung beibehält, zu keiner Veranstaltung nach Stockach einzuladen." Jetzt müssen die Frakitonen beraten.