Vielerorts wächst die Sorge, dass Kinder nicht mehr genügend Bücher lesen. Nicht ganz unbegründet, wie Frank Sauer bestätigt. Denn laut dem Rektor der Stockacher Grundschule sei das Buch in vielen Familien häufig aus dem Alltag verschwunden. Lesenlernen, Texte schreiben und in die fantasievolle Welt eines Buches eintauchen – all dies gehöre nicht mehr zwingend zum Familienleben.

Ein Umstand den die Grundschule Stockach und die Stadtbücherei mit dem neuen Programm "Total Digital! Lesen und erzählen in digitalen Medien" ändern wollen. Ab dem morgigen Mittwoch sollen die Stockacher Grundschüler spielerisch zum Lesen geführt werden und dabei auch auch die Scheu vor digitalen Medien verlieren.

Bücherei sieht sich als wertvolle Bildungseinrichtung

Das Programm richtet sich an Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 18 Jahren, denen der Zugang zu Bildung und zu Medien erschwert ist. Kern des Projektes ist es, 20 Grundschüler ein Jahr lang jeden Mittwoch in der Stadtbücherei im Rahmen der Nachmittagsbetreuung in den Bereichen Sprache, Lesen, Kreativität und soziale Kompetenz zu fördern, wie Büchereileiterin Gabriele Gietz im Gespräch erklärt.

"Total Digital" ist ein Programm des Deutschen Bibliotheksverbandes und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. "Wir verstehen die Stadtbücherei als wertvolle Bildungseinrichtung und können bei der digitalen Bildung der Kinder helfen", so Gietz weiter.

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Gemeinsam mit den Kooperationspartner der Grundschule und der Fachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen hatte die Stadtbücherei 2018 einen Förderantrag gestellt. Im Dezember 2018 wurde dieser bewilligt. Auf die Bücherei kommen keine Kosten zu, denn diese trägt zu 100 Prozent der Deutsche Bibliotheksverband, wie Gietz weiter ausführt.

Ein Medienpate als Begleitung

Begleitet werden die Grundschüler von der Medienpädagogin Maike Neumann und von vier Medienpaten. Eine von ihnen ist Melanie Dressnandt. "Durch den spielerischen Umgang mit dem Material werden die Kinder niederschwelliger zum Lesen herangeführt. Sie bekommen nicht einfach nur ein Buch vorgesetzt", nennt sie einen Vorteil des Programms. Ein Stück weit werden so auch Hemmungen vor dem Lesen abgebaut. "Die Kinder sind total begeistert", sagt sie.

Sauer: Analoge Angebote nicht vernachlässigen

Frank Sauer betont allerdings auch, dass er "Total Digital" nicht gänzlich unkritisch gegenübersteht. Er befürchte, dass der Fokus zu sehr auf die digitalen Angebote gelegt und typische analoge Angebote vernachlässigt werden könnten. Ungeachtet dessen ist er froh, dass es das neue Angebot in der Stadtbücherei gibt. Auch weil man in der Grundschule immer auf der Suche nach ganztägigen Betreuungsangeboten sei. "Dieses Angebot, mit spielerischen Mitteln digitale Leserförderung betreiben, kann eine Grundschule alleine nicht leisten", sagt der Grundschulleiter.

Ein Führerschein für digitale Medien

Wer "Total Digital" meistert, bekommt einen Medienführerschein. Darin sollen die Erfolge notiert und festgehalten werden. Denkbar wäre, dass die Kinder, die ihren Medienführerschein "bestanden" haben, auch ihren Freunden das Lesen näherbringen. "Am besten wäre es natürlich, wenn sie gemeinsam in die Bücherei kommen", wünscht sich Gabriele Gietz.

Projekt setzt auf Nachhaltigkeit

Ausgelegt ist das Projekt auf zwei Jahre – bis 2020. Gabriele Dietz wünscht sich bereits vor dem Start eine Fortsetzung: "Wir setzen hier auf Nachhaltigkeit." Allerdings hänge eine Fortsetzung auch von einer zukünftigen Finanzierung ab. Denn die Mittel vom Deutschen Bibliotheksverband fließen nur für zwei Jahre.