Ein kleiner Ruck am Haken des Krans und das Unterteil der massiven Fräsmaschine schwebt über das Dach der Firma Baumann in der Stockacher Gaswerkstraße in den Hof des Unternehmens. Gewicht: an die 50 Tonnen. "Etwa wie ein gut ausgestattetes Einfamilienhaus", lautet der Vergleich von Firmeninhaber und Geschäftsführer Christoph Baumann.

Um die neue Maschine unterzubringen, hat das Unternehmen das Erdreich unter einer Halle ausgebaggert und den Boden damit um 1,80 Meter abgesenkt. Auch der Hof vor diesem Hallenteil wurde für die Lieferung tiefergelegt. Dieser Hof wird auf dem alten Niveau wieder hergestellt, sobald in einigen Wochen eine zweite Maschine in ähnlicher Größe in die Werkshalle gebracht worden sein wird. Maschineneinbringung heißt das dann im Fachjargon. Sieben ältere Maschinen, die vorher in der Halle standen, hätten für die neue weichen müssen, erzählt Baumann.

So sieht die Maschinenlieferung vom Boden aus gesehen aus: Das etwa 50 Tonnen schwere Unterteil der neuen CNC-Fräse schwebt am Kranhaken über dem Hallendach. Die Mitarbeiter sind alle draußen und beobachten die Aktion.
So sieht die Maschinenlieferung vom Boden aus gesehen aus: Das etwa 50 Tonnen schwere Unterteil der neuen CNC-Fräse schwebt am Kranhaken über dem Hallendach. Die Mitarbeiter sind alle draußen und beobachten die Aktion. | Bild: Stephan Freißmann

Was die Neuanschaffung kostet, darüber schweigt er sich aus. Doch er erhofft sich zunächst einmal einen Wettbewerbsvorteil für sein Unternehmen, das vor allem im Bereich der Prototypenfertigung für die Industrie tätig ist (siehe Kasten rechts). Die neue Maschine soll beweglicher und schneller sein und weniger verschleißen. Denn wo eine herkömmliche CNC-Fräse mechanisch bewegt wird, so übernehme das bei den neuen Maschinen eine Magnetschwebetechnik ähnlich wie im Transrapid. Lineartechnik heiße das dann, erklärt Baumann. Grob gesagt, wird damit der Schlitten, auf dem das eigentliche Werkzeug sitzt, durch das Werkstück bewegt. Der Fräskopf kann dann das Werkstück bearbeiten.

Das Querelement der neuen Maschine, das immerhin auch noch 18 Tonnen wiegt, schwebt ebenfalls mit dem Kran ein. Der Schlitten mit dem Werkzeug wird mit Magnetschwebetechnik bewegt, die viel weniger verschleißt als die herkömmliche mechanische Technik.
Das Querelement der neuen Maschine, das immerhin auch noch 18 Tonnen wiegt, schwebt ebenfalls mit dem Kran ein. Der Schlitten mit dem Werkzeug wird mit Magnetschwebetechnik bewegt, die viel weniger verschleißt als die herkömmliche mechanische Technik. | Bild: Baumann GmbH und Co KG

Der wirklich heikle Moment der Maschineneinbringung hat mit dem Gewicht des Unterbaus denn auch weniger zu tun als mit genau diesem Querelement. Denn wenn dieses auf den Unterbau aufgesetzt wird, steht für den Kranführer im wahrsten Wortsinne Millimeterarbeit an. Dieses Bauteil wiegt immerhin 18 Tonnen und muss exakt auf den Unterbau passen, damit die Maschine reibungslos funktioniert. Deswegen sind bei der Montage Experten einer Spezialfirma am Werk.

Die beiden Teile der Maschine müssen genau aufeinander passen. Für den Kranführer steht bei dieser sogenannten Hochzeit im wahrsten Sinne des Wortes Millimeterarbeit mit einem tonnenschweren Gewicht am Haken an. Die Monteure achten darauf, dass alles passt.
Die beiden Teile der Maschine müssen genau aufeinander passen. Für den Kranführer steht bei dieser sogenannten Hochzeit im wahrsten Sinne des Wortes Millimeterarbeit mit einem tonnenschweren Gewicht am Haken an. Die Monteure achten darauf, dass alles passt. | Bild: Stephan Freißmann

Ein Wettbewerbsvorteil ist angesichts des Marktumfelds wichtig, wie aus Baumanns Erklärungen hervorgeht: "In Deutschland hat man nur eine Chance, wenn man auf dem neuesten Stand ist." Und er gewährt Einblick in sein Seelenleben. So würden Auftraggeber etwa aus der Automobilbranche die Preise immer weiter zu drücken versuchen. Aufträge würden dadurch auch ins Ausland vergeben. Und die Preisvorstellungen kämen über Ausschreibungen auch bei seinem Unternehmen an, erzählt Baumann. Er betont im Gegensatz dazu: "Wir machen das Dumping nicht mit." Denn für ihn zähle auch die Wirtschaftlichkeit bei einem Auftrag. Deswegen laufen die Maschinen auch automatisch nach Programm weiter, wenn die Mitarbeiter schon nach Hause gegangen sind. Im Bereich Prototypen und Kleinstserien kann man nicht über die Massenfertigung Preisvorteile erzielen. Stattdessen regiert der Einzelteilfaktor, wie es Baumann nennt. Und weil dabei die Programmierung einer Maschine einen großen Teil der Tätigkeit ausmacht, brauche er qualifizierte Facharbeiter. Von denen würde er gerne mehr beschäftigen, finde aber zwischen der Schweiz im Süden und der Großindustrie im Norden nur schwer geeignete Kräfte, sagt Baumann.

Am Ende wird der mehr als 60 Tonnen schwere Rohbau der Maschine, geschoben von einem Gabelstapler, auf Panzerrollen in die Halle geschoben.
Am Ende wird der mehr als 60 Tonnen schwere Rohbau der Maschine, geschoben von einem Gabelstapler, auf Panzerrollen in die Halle geschoben. | Bild: Stephan Freißmann

Am Ende gleitet die neue Maschine über Panzerrollen in die Halle hinein, geschoben von einem Gabelstapler. "Bis gerade eben wirkte die Halle noch recht groß", sagt der Firmenchef dazu.