Die Wahl der Schulform ist für die Zukunft eines Kindes wegweisend. Und so langsam beginnen die weiterführenden Stockacher Schulen – Berufschulzentrum, Nellenburg-Gymnasium und Schulverbund Nellenburg – wieder damit, auf sich aufmerksam zu machen. Durch Informationsveranstaltungen versuchen sie, potenzielle Schüler und deren Eltern über die Bildungswege, die die jeweiligen Schulformen bieten, zu informieren. Und das ist auch nötig, wie Susanne Sauter aus Stahringen, Mutter zweier Kinder im Schulalter, erzählt: "Mittlerweile existiert ein großes Angebot an schulischen Wahlmöglichkeiten", so die 49-Jährige sorgenvoll, "da verliert man relativ schnell den Überblick".

Um sich einen Überblick zu verschaffen, war Susanne Sauter bei einem Infoabend im Berufschulzentrum Stockach. Sie wollte sich informieren, zuhören und hinschauen. Was macht die Schule? Welche Möglichkeiten bietet sie ihren Kindern? Welche Zweige kommen überhaupt in Frage? "Früher", erzählt sie, "war das wesentlich einfacher". Um die offenen Fragen der Eltern und Schüler zu beantworten, wurden bei der Informationsveranstaltung des Bildungszentrums in den verschiedenen Räumen die Profile der verschiedenen Schularten vorgestellt. "Es ist wichtig, den Schwerpunkt der jeweiligen Schulart, die wir anbieten, herauszuarbeiten", so Claudia Heitzer, seit September 2017 Leiterin des Berufschulzentrums. Das sei bedeutend, auch um neue Schüler für die Schuleinrichtung zu gewinnen. Rund 670 sind es derzeit.

Claudia Heitzer ist seit September 2017 Leiterin des Berufsschulzentrums Stockach. Bild: Stephan Freißmann
Claudia Heitzer ist seit September 2017 Leiterin des Berufsschulzentrums Stockach. Bild: Stephan Freißmann | Bild: Stephan Freißmann

Druck durch Kultusministerium

"Die Schülerzahlen sind extrem wichtig", erzählt Heitzer und fügt hinzu: "Wir wollen, dass möglichst viele junge Menschen unsere Schule besuchen, zumal der Druck des Kultusministeriums und des Schulträgers größer wird." In diesem Prozess konkurriere man durchaus auch mit den umliegenden Berufsschulzentren in Singen und Radolfzell, auch weil die Zahl der Schüler insgesamt sinke. "Wenn der Kuchen kleiner wird – und das wird er, betrachtet man die Statistiken – gibt es weniger zu teilen." Deshalb möchte Claudia Heitzer interessierte Schüler durch Infoabende überzeugen, an denen die Alleinstellungsmerkmale betont und die Besucher mit der Schule – "der guten Atmosphäre und den Lehrern" – vertraut gemacht werden.

Michael Vollmer, Rektor des Nellenburg-Gymnasiums, sieht sich der Konkurrenz zu anderen Schulen nicht ausgesetzt. "Wir sitzen gelassen hier inmitten Stockachs und konzentrieren uns ganz auf uns selbst", erklärt er. Das gehe vor allem deshalb, da jedes Gymnasium ein festgeschriebenes Einzugsgebiet habe und mit ihm eine relativ stabile Schülerzahl – 881 sind es derzeit. Ganz irrelevant ist diese Zahl für Michael Vollmer dennoch nicht. "Jeder Schüler bringt natürlich Geld, nämlich Zuwendungen des Landes an die Kommunen, die letztlich auch den Etat einer Schule speisen", so Vollmer.

Kinder stehen im Vordergrund

Entsprechend informiere man auch über das Profil der Schule: "Wir haben einen Tag der offenen Tür, an dem die Schule sich vorstellt und interessierte Eltern und Schüler uns besuchen können." Hierbei, so ergänzt er, sei es wichtig, auch den musischen und sprachlichen Schwerpunkt des Nellenburg-Gymnasiums hervorzuheben. Im Mittelpunkt solle aber nicht die Schule, sondern die Schüler stehen, sagt Vollmer: "Letztendlich kommt es darauf an, dass jedes Kind in die Schule kommt, die zu ihm passt." In manchen Fällen sei dann ein Schulwechsel förderlich.

Wechseln möchte auch Moritz Wörner, 15 Jahre alt und aus Bodman, der derzeit noch das Nellenburg-Gymnasium besucht. Er sieht seine Stärken nicht in den Sprachen, dort, wo derzeit sein Lernfokus liegt. "Meine Stärke ist die Technik", erzählt er. Deswegen besuchte Moritz Wörner gemeinsam mit Vater Stefan Wörner den Infoabend im Berufschulzentrum. Dort waren sie beim Vortrag zum technischen Berufskolleg. "Wir wollen herausfinden, welche Möglichkeiten es gibt, einen solchen Schwerpunkt in der Schulausbildung zu legen", erklärt Stefan Wörner. Sohn Moritz hat die Einführung gefallen: "Vor allem die Projektarbeit und der praktische Schwerpunkt klingen interessant."

Die Praxis steht auch an der Werkrealschule, die gemeinsam mit der Realschule den Schulverbund Nellenburg bildet, im Vordergrund. "Wir kooperieren deshalb häufig mit dem Berufschulzentrum", erklärt Beate Clot, die Leiterin der Gemeinschaftseinrichtung. Gerade in einer kleineren Stadt wie Stockach sei das wichtig. "Deshalb haben wir immer wieder gemeinsame Informationsabende – zusammen mit allen Schulformen – abgehalten, um Eltern und Kindern die verschiedenen Bildungswege vor Augen zu führen: in Werkrealschule, Realschule, Gemeinschaftsschule, Gymnasium und Berufsschule." Diese Veranstaltungen soll es, neben einem eigenen Tag der offenen Tür des Schulverbundes, auch in Zukunft wieder geben. Das ist Beate Clot wichtig: "Das schulische Angebot ist vielfältig, aber die Informationsmöglichkeiten sind da und müssen nur abgerufen werden."

Beate Clot, Leiterin des Schulverbunds Nellenburg, lädt Interessierte am 10. März zu einem Tag der offenen Tür ein.
Beate Clot, Leiterin des Schulverbunds Nellenburg, lädt Interessierte am 10. März zu einem Tag der offenen Tür ein.

Infoveranstaltungen

  • Karrieretag: Am Freitag, 23. Februar, können sich am Berufschulzentrum in Stockach Interessierte über Ausbildungswege und Berufsorientierung informieren. Über 80 Firmen, Vereine, Institutionen und Unternehmen stellen dort ihr Bildungsangebot vor.
  • Tag der offenen Tür: Der Schulverbund Nellenburg und das Nellenburg-Gymnasium veranstalten am Samstag, 10. März, einen Tag der offenen Tür inklusive Schulfest. (lre)