Jüngst brauchte das markante Fachwerkhaus im Herzen Seelfingens nur einen neuen Anstrich, vor 20 Jahren war da noch deutlich mehr zu tun: Aus einem schiefen Bauernhaus, gebaut im Jahr 1665 mit landwirtschaftlich genutzten Anbauten, wurde ein kürzeres aber gerades Wohnhaus. Was bleiben musste, war das charakteristische Fachwerk. So wollte es das Denkmalamt. Viele Menschen kennen Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen, denn es sind wichtige Punkte in Ortschaften. Doch was bedeutet der Denkmalschutz für deren Besitzer, was müssen sie beachten? "Der Denkmalschutz steckt den Rahmen ab", sagt Rainer Kiefer, dem das Fachwerkhaus gehört. Details weiß Lothar Martin. Er leitet in Stockach das Sachgebiet für Denkmalrecht und Denkmalschutz.

  • Wann steht ein Haus unter Denkmalschutz? Als Kulturdenkmal gelten Gegenstände, an deren Erhalt aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht. Anfang der 80er-Jahre habe das Landesamt für Denkmalpflege mit den örtlichen Bürgermeistern geprüft, welche Gebäude denkmalwürdig sind, wie Lothar Martin erklärt. "Alter ist ein wichtiger Faktor", außerdem gehe es häufig um Bauweise und die kulturgeschichtliche Bedeutung. Die damals erstellte Liste denkmalgeschützter Gebäude ist bis heute gültig. "Die Liste wird eher weniger werden", sagt Martin. Bei normalen Denkmälern könne sich der Status ändern, wenn unter dem Putz beispielsweise doch kein altes Fachwerk ist. Anders sei das bei Denkmälern mit besonderer Bedeutung, die im Denkmalbuch verzeichnet sind. Da habe der Denkmalschutz eine verbindliche Gesetzeskraft und es sei mehr zu beachten, wenn es etwa um Bauarbeiten geht.

Gezielt verfallen zu lassen, ist nicht erlaubt

  • Was ist zu beachten? "Ich muss das Gebäude in Schuss halten", fasst Lothar Martin zusammen. Sobald bauliche Maßnahmen anstehen, brauche es eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung. Diese ist meist Teil einer Baugenehmigung, die bei einem An- oder größeren Umbau ohnehin nötig ist. Doch eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung ist auch dann nötig, wenn zum Beispiel nur die Fassade gestrichen oder gedämmt werden soll. Ein entsprechender Antrag werde dann geprüft. Zuständig ist Christine Fischer vom Regierungspräsidium Stuttgart, Landesamt für Denkmalpflege mit Sitz in Freiburg. Sie sehe sich eine Maßnahme auch vor Ort an und spreche möglicherweise Auflagen aus. Abreißen darf ein Eigentümer ein Denkmal nicht, es muss erhalten werden. Ein Abrisswunsch komme hin und wieder vor, "doch dem schieben wir einen Riegel vor", sagt Martin. Wenn das Gebäude in schlechtem Zustand sei, müsse ein Eigentümer es erst recht ertüchtigen.
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Im Innenraum kommen Alt und Neu zusammen: Neue Fenster und teils verstärkte, neue Balken ergänzen die jahrhundertealte Bauweise.
Im Innenraum kommen Alt und Neu zusammen: Neue Fenster und teils verstärkte, neue Balken ergänzen die jahrhundertealte Bauweise. | Bild: Arndt, Isabelle
  • Haben Eigentümer eine Wahl, ob sie die Maßnahmen umsetzen? Diese Frage stellt sich für Lothar Martin als Denkmalverantwortlichen der Stadt Stockach kaum, denn in der Regel würden die Eigentümer wegen Bauplänen an die Behörde herantreten. Große Konflikte gebe es nicht – auch weil die Behörden beraten würden. Bei einem Vorgespräch würden sie prüfen und bewerten, was möglich ist, und Ideen austauschen. "Dachflächenfenster muss der Eigentümer sich abschminken", doch Gauben seien teils möglich. Der Denkmalschutz würde eine intensive Nutzung begrüßen, auch Nachverdichtung sei denkbar. "Bei einem hochwertigen Denkmal ist man viel genauer", sagt Lothar Martin. Bei diesen Gebäuden gebe es auch einen Umgebungsschutz und eine Abnahme der Arbeiten. Eine regelmäßige Kontrolle sei nicht vorgesehen.

Häuser werden wegen Steuervorteilen gezielt gesucht

  • Und was ist, wenn ein Eigentümer sich das nicht leisten kann? Wenn es zum Denkmalschutz unbedingt ein Sprossenfenster sein muss, sei das auch ein Kostenfaktor, räumt Lothar Martin ein. Doch Besitzer solcher Gebäude können Handwerkerarbeiten besser absetzen, wie er erklärt: Wenn ein Eigentümer selbst in dem Gebäude wohnt, kann er zum Beispiel seine Aufwendungen zehn Jahre lang in Höhe von jährlich neun Prozent der Sonderausgaben geltend machen. Lothar Martin erlebt wegen solcher Steuervorteile vielmehr, dass Denkmäler gezielt gesucht werden. Der Verstoß gegen eine Denkmalschutz-Auflage sei ein Bußgeldtatbestand, eine Zwangsmaßnahme habe er aber noch nie erlebt.
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Drei Jahre bis zum Einzug – und ein enormer Aufwand

Im Fall von Rainer Kiefer hat es in Seelfingen drei Jahre gedauert von den ersten Umbauplänen bis zum Einzug seiner Mieter, wie er berichtet. "Der Aufwand ist enorm", sagt er. Das Haus sei seit Jahren unberührt gewesen, als er es in den 90er-Jahren erbte. Schweine- und Hühnerstand waren schon lange leer. Seile und ein Mehlsack zeugen auf dem Dachboden noch von der landwirtschaftlichen Nutzung.

Der alte Mehlsack zeugt noch von der einst landwirtschaftlichen Nutzung des Gebäudes.
Der alte Mehlsack zeugt noch von der einst landwirtschaftlichen Nutzung des Gebäudes. | Bild: Arndt, Isabelle

1998 habe der Umbau begonnen. Weil das Fachwerk erhalten werden musste, habe er nach innen gedämmt. Erneuert wurden auch das Dach, die Elektrik und das Treppenhaus, das seitdem an anderer Stelle ins Obergeschoss führt. Außerdem wurde erstmals eine Zentralheizung in Betrieb genommen. Manches durfte aber bleiben: "Die alte Holzheizung gibt es noch", sagt Rainer Kiefer. Und auch die alten Balken seien weitestmöglich erhalten worden: Wo Holz morsch war, wurde es ersetzt oder verstärkt. Für Kiefer war sein Projekt auch eine Frage des Berufsethos: Als Zimmermeister kümmert er sich auch beruflich um Sanierungen.

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