Alle wollen mit dem Auto fahren. Und alle Autofahrer erzeugen Lärm. Doch es gibt auch Autofahrer, die besonders viel Lärm machen und das noch völlig absichtlich. Hörbar wird das, wenn Personenwagen auffallend laut wummern, blubbern oder knattern, während das normale Fahrgeräusch eher ein gleichmäßiges Rauschen ist. Für solche lauten Fahrgeräusche sind häufig Auspuffanlagen verantwortlich, die unter Freunden aufgemotzter Autos als Klappenauspuff bekannt sind (siehe Text unten).

Dafür hat Clemens Kummerländer, der an der Ortsdurchfahrt des Stockacher Ortsteils Windegg wohnt, wenig Verständnis. Er berichtet: "Es kommt immer wieder vor, dass jemand durch den Ort fährt und am Berg in Richtung Tuttlingen stark beschleunigt" – mit dem entsprechenden Lärm für die Anwohner, wenn die Klappen des Auspuffs sich öffnen.

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Kommt man mit anderen Anwohnern der Windegger Ortsdurchfahrt ins Gespräch, merkt man: Kummerländer ist nicht der einzige, dem laute Auspuffe auf die Nerven gehen. Durch den Blitzer am oberen Ende der Ortsdurchfahrt seien die Autos zwar grundsätzlich langsamer unterwegs, hört man da. Doch oberhalb dieses Blitzers, bergauf in Richtung Tuttlingen, würden die Autofahrer dann wieder Gas geben. Kummerländer stellt klar: "Ich habe nichts gegen Landwirte mit schweren Traktoren." Aber Autos, die absichtlich laut sind, sollten gesetzlich verboten werden, findet er. Und führt als Argument an, dass es bei Abgasen auch Grenzwerte gibt – mit ersten Fahrverboten in einzelnen Städten.

Lärm durch laute Fahrzeuge habe in Stockach im vergangenen Jahr deutlich zugenommen, so lautet der Eindruck von Carsten Tilsner, der im Ordnungsamt der Stockacher Stadtverwaltung für Angelegenheiten des Straßenverkehrs zuständig ist. Mehrere Beschwerden seien bei der Verwaltung eingegangen, zum Beispiel von Anwohnern der Hans-Kuony-Straße und des Hägerwegs. Und einige Fahrzeuge habe er auch der Polizei mit der Bitte um Überprüfung gemeldet. Von diesen sei allerdings nur eines wegen Manipulationen aus dem Verkehr gezogen worden. "Alle anderen Fahrzeuge sind offenbar rechtmäßig so laut", so Tilsner. Und noch etwas hat Tilsner beobachtet: Waren es früher eher teure Karossen, die derartig aufgemotzt waren, so seien heute auch Volumenmodelle extra laut.

"Die meisten dieser Fahrzeuge sind offenbar rechtmäßig so laut." Carsten Tilsner, Ordnungsamt der Stadt Stockach
"Die meisten dieser Fahrzeuge sind offenbar rechtmäßig so laut." Carsten Tilsner, Ordnungsamt der Stadt Stockach | Bild: Freißmann, Stephan

Dass Auspuffanlagen, die unter bestimmten Bedingungen mehr Lärm machen, zugelassen sind, kann Carsten Tilsner genauso wenig verstehen wie Anwohner Clemens Kummerländer. Er verweist auf hohe Ausgaben für Lärmschutz, etwa für Ortsumfahrungen, Lärmschutzfenster, Schutzwände oder Tempolimits, und beklagt, dass der Gesetzgeber nicht einfach wirksame Lärmvorschriften erlasse.

Auch bei der Polizei ist das Thema bekannt: "Beschwerden über zu laute Fahrzeuge erreichen die Polizei sowohl aus dem Stadtgebiet, als auch aus den Ortsteilen immer wieder", so Bernd Schmidt, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz. Häufig handele es sich dabei um hochgerüstete Autos, die aber nicht zu beanstanden seien. Wenn die Polizei über ein mutwillig lautes Auto verständigt werde, würden die Beamten die Fahrzeuge kontrollieren und "belehrende Gespräche" mit den Haltern führen, so Schmidt.

Das Problem: Ob eine Auspuffanlage gegen Lärmschutzvorschriften der EU verstößt, ist extrem schwierig zu kontrollieren. Wenn ein Austauschauspuff eine Zulassung habe, sei es grundsätzlich erlaubt, diesen auch in ein Auto einzubauen, sagt Vincenzo Lucà, Pressesprecher der Prüforganisation TÜV-Süd. Wie laut sich das Fahrzeug im Betrieb anhört, können die Prüfer indes nicht kontrollieren, erklärt er.

"Beschwerden über zu laute Fahrzeuge erreichen die Polizei immer wieder." Bernd Schmidt, Pressesprecher der Polizei
"Beschwerden über zu laute Fahrzeuge erreichen die Polizei immer wieder." Bernd Schmidt, Pressesprecher der Polizei | Bild: Polizeipräsidium Konstanz

Auf dem Prüfstand könne man nur das Standgeräusch messen, nicht den Lärm, den das Fahrzeug auf der genormten Teststrecke und unter festgeschriebenen Bedingungen bei 50 Kilometern in der Stunde ausstrahlt. Dieser werde für die Zulassung eines Fahrzeugtyps gemessen. Im Fall von legalen Auspuffanlagen muss auch Lucà zugeben: "Es gibt kaum eine Handhabe." Die Straßenverkehrsordnung verbietet zwar ausdrücklich "unnötigen Lärm" und "vermeidbare Abgasbelästigungen" (Paragraf 30). Doch einen Fahrer auf frischer Tat zu ertappen, dürfte schwierig sein. Bei manipulierten oder illegalen Anlagen könne man hingegen durchaus etwas machen, so Lucà. Dann erlösche sofort die Betriebserlaubnis.

Und was kann nun ein Anwohner tun, der ein besonders lautes Fahrzeug gehört hat? Polizeisprecher Schmidt rät, dass man dann die notwendigen Informationen haben sollte, damit die Beamten die Fahrzeuge auch kontrollieren können. Dazu gehören Kennzeichen, Fahrtrichtung und Uhrzeit der Beobachtung.