Stockach Weniger Leerstände, mehr Ketten: Das Rad des Wandels in der Stockacher Oberstadt dreht sich weiter

Es gibt wieder neue Läden in der Stockacher Oberstadt und eine Fahrschule zieht neu her. Es steht so wenig leer wie schon seit Jahren nicht mehr. Aber in den vergangenen zehn Jahren haben Filialen von Ketten stark zugenommen.

Die Veränderungen gehen weiter: In der Oberstadt sind wieder mehrere leer stehende Geschäftsräume gefüllt und weitere positive Entwicklungen deuten sich an. Damit setzt sich eine Tendenz fort, die im vergangenen Sommer begonnen hat. In der Pfarrstraße hat der Discounter Tedi seit dem Monatswechsel geöffnet und ein Kosmetikstudio ist ebenfalls neu. In der Kaufhausstraße (kurz vor dem Gustav-Hammer-Platz) ist nun eine Inneneinrichtungs-Präsentation. Seit dem Umzug des Modewerks im Herbst stand dessen frühere Adresse in der Kaufhausstraße leer – nun richtet sich dort die Fahrschule Mader ein und eröffnet Ende des Monats, erzählt Inhaber Karl-Heinz Mader. Die Fahrschule zieht damit ganz neu nach Stockach und hat hier neben Ludwigshafen, Eigeltingen und Zoznegg den vierten Standort.

Mit Tedi kam nach verschiedenen Drogerien, Friseuren, Schuh- oder Modegeschäften und Discountern eine weitere Kette in die Stadt. Der Verein Handel, Handwerk und Gewerbe (HHG) sieht dies mit gemischten Gefühlen. "Natürlich wäre es allen Beteiligten lieber, wenn anstatt des Tedis ein richtiges Geschäft eröffnet hätte", sagt Anja Schmidt, stellvertretende HHG-Vorsitzende und Mitbetreiberin des Modewerks. Doch Händler und HHG seien froh, dass damit ein Leerstand wegfalle. Tedi seit zwar keine Aufwertung für die Stadt, "aber Fakt ist, dass er für Kundenfrequenz sorgt". Diese sei sehr wichtig und habe den Effekt, dass die Leute, die unterwegs sind, dann vielleicht auch in andere Geschäfte schauen und etwas kaufen. Die fehlende Kundenfrequenz sei das, "was es uns individuellen Händlern natürlich sehr schwierig macht".

In der Kaufhausstraße im Ex-Modewerk eröffnet bald die Fahrschule Mader. Sobald es die Temperaturen zulassen, soll der Schriftzug ans Schaufenster. Bild: Ramona Löffler
In der Kaufhausstraße im Ex-Modewerk eröffnet bald die Fahrschule Mader. Sobald es die Temperaturen zulassen, soll der Schriftzug ans Schaufenster. Bild: Ramona Löffler | Bild: Ramona Löffler

Anja Schmidt sieht Tedi als "ein gutes Kontrastprogramm". Sie und ihre Kollegen vom HHG befürchten deshalb aber nicht, dass der Einzelhandel durch Ketten in Gefahr ist. Der Internethandel sei allgemein ein größeres Problem. Zu diesem Aspekt sagt Bürgermeister Rainer Stolz: "Wer Amazon und Konsorten nutzt, darf sich nicht wundern, wenn sich die Handelslandschaft massiv verändert. Unter diesem Gesichtspunkt bin ich dann wieder froh, dass wenigstens Filialisten hier ihre Marktchance sehen." Er sieht es aber als positiv, dass große Unternehmen in die Stadt kommen. "Das bestätigt wieder, dass der Markt Stockach für ein gutes und passendes Angebot attraktiv ist und über genügend Umsatzpotenzial verfügt", sagt Stolz. Es sei auch gut, sich in Handelsfragen über die Dinge zu freuen, die gut laufen, statt sich über Dinge ärgern, die nicht so gut laufen.

Auf die Frage, was die Kette Tedi veranlasst hat, eine Filiale in Stockach zu eröffnen, lautet die knappe Antwort übrigens so: "Wir sind stets auf der Suche nach attraktiven Standorten. Da genügend Voraussetzungen an der Pfarrstraße in Stockach erfüllt wurden, haben wir uns hier niedergelassen. Auch das Parkhaus hat bei dieser Entscheidung eine Rolle gespielt", erklärte Tobias Mrowitzki aus dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit schriftlich.

Und gibt es zum Leerstand neben dem Bürgerhaus Adler Post schon etwas Neues? "Es ist etwas am Laufen", sagt der Stockacher Immobilienmakler Martin Bosch zu diesem Geschäft an prominenter Stelle und gleichzeitig auch zum leeren Elektronikmarkt in der Goethestraße. Mehr könne er dazu aber nicht sagen.

 

Konzept erwünscht

Der Verein Handel, Handwerk und Gewerbe (HHG) glaubt, dass Stockach ein gutes Marketingkonzept brauche, um mehr Kunden anzuziehen. "Wir werden nie die Einkaufsstadt sein, aber wir punkten mit einer genialen, historischen Innenstadt, mit tollen kleinen und individuellen Geschäften", so die stellvertretende Vorsitzende Anja Schmidt. Besucher seien oft überrascht, was es in der Oberstadt gebe. Es fehle aber eine Beschilderung in der Unterstadt. "Wir bleiben zuversichtlich und werden alle gemeinsam – ob HHG, die Stadt, das Kulturamt und die Geschäfte – an einem Strick ziehen." (löf)

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