Es ist durchaus erstaunlich: Schon 2009 hat der SÜDKURIER sie zum Thema gemacht, die Frauen im Kommunalwahlkampf. Zehn Jahre später sprechen wir immer noch über das Thema Frauen in der Kommunalpolitik. Substantielles scheint sich in diesen zehn Jahren nicht geändert zu haben, zumindest sind Frauen in den Kommunalparlamenten der Region nach wie vor mit weniger Rätinnen vertreten als es ihrem Bevölkerungsanteil entsprechen würde – und das in teilweise dramatischem Ausmaß.

Nun könnte man einwenden: Warum sollen Männer nicht Politik in allen Themenbereichen machen können, die auch Frauen betreffen? Das können sie natürlich. Doch theoretische Kenntnis von einem Thema und die eigene Erfahrung aus erster Hand sind eben oft genug zwei Paar Schuhe. Wenn eine ganze Bevölkerungsgruppe unterrepräsentiert ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass deren Interessen ebenfalls unterrepräsentiert sind – und möglicherweise als unwichtig abgetan werden. Das gilt im übrigen auch in anderer Hinsicht, für bestimmte Altersgruppen zum Beispiel oder für Menschen mit niedrigen Einkommen.

Wenn man sich anhört, welche Gründe die vier Kandidatinnen Ulrike Stengele, Anita Moser, Anja Schmidt und Alexandra Bayer dafür ausgemacht haben, dass sie so wenige Mitstreiterinnen haben, merkt man: Das Thema rührt tief. Schmidt hat auf das nötige Selbstbewusstsein verwiesen, das es für eine Kandidatur brauche – was zweifellos auch für Männer gilt. Doch alle vier waren sich darin einig, dass die Kombination von Familie, Beruf und dem zeitaufwendigen Ehrenamt für viele Frauen abschreckend wirke. Im Jahr 2019 ist das ernüchternd. Denn es zeigt, dass es nach wie vor gesellschaftliche Strukturen gibt, die Frauen von Teilhabe ausschließen. Kinderbetreuung in Krippe und Kita, Gehälter und Berufswahl seien beispielhaft genannt. Nicht an jeder Stellschraube kann eine Gemeinde allein ausreichend drehen, um etwas zu ändern.

Zumindest was die Zusammensetzung der Kommunalparlamente angeht, können nun aber die Wählerinnen und Wähler etwas ändern – möglicherweise auch durch weibliche Solidarität. Doch das bringt nur etwas, wenn der höhere Frauenanteil auch Folgen hat. Denn wer auch immer im Gemeinderat sitzt: In den Augen derer, die ihr oder ihm die Stimme gegeben haben, muss geliefert werden.