Die Türen sind zu, das Stadtmuseum aber nicht. Zumindest nicht ganz: Museumsleiter Johannes Waldschütz hat per Internet eine andere Möglichkeit gefunden, Einblicke in die laufende Ausstellung „“Stadt, Land, See – Stockach und die Region in Gemälden und Fotografien“ zu geben. Und in der Hoffnung, dass Mitte Juni alles wieder normal laufen kann, bereitet er parallel die nächste Ausstellung „Achtung, Hochspannung!“ vor, die wortwörtlich unter Strom stehen wird.

„Viele Museen überlegen, was sie jetzt machen. Wir haben überlegt, wie wir den Ausstellungsgenuss virtuell gestalten können“, erklärt Waldschütz auf SÜDKURIER-Nachfrage. Das Museum könnte nach laut der derzeit gültigen Corona-Verordnung der Landesregierung voraussichtlich am 20. April wieder öffnen, aber Veranstaltungen wie Führungen seien noch bis Mitte Juni untersagt.

Das Stadtmuseum sei aber bereits seit Längerem auf der Plattform Museum Digital vertreten. „Dort sind einige Terrakotten zu sehen und auch Werke, die nicht urheberrechtlich geschützt sind“, sagt er. Jetzt bringt Waldschütz auch Bilder der laufenden Ausstellung „Stadt, Land, See“ ins Internet. Zwei Mal pro Woche stellt er „etwas Kleines ins Netz“, wie er sagt. Den Anfang machten die ältesten Stadtansichten von Stockach, die ein lange Zeit rätselhaftes zweites Zwiebeltürmchen haben (siehe unten).

Zeichnung der Stadt Stockach aus dem 18. Jahrhundert mit zwei Zwiebeltürmchen. Es war auf dem oberen Stadttor, das heute nicht mehr existiert. Das war zwischen Bäckerei Binder und Papier Fritz.
Zeichnung der Stadt Stockach aus dem 18. Jahrhundert mit zwei Zwiebeltürmchen. Es war auf dem oberen Stadttor, das heute nicht mehr existiert. Das war zwischen Bäckerei Binder und Papier Fritz. | Bild: Stadtmuseum Stockach

Kleine Internet-Serie zur Ausstellung

Die einzelnen Folgen der Ausstellungsserie sind auf der Internetseite der Stadt Stockach im Bereich des Museums und dort unter „Ausstellung digital“ zu finden. Waldschütz hat jeweils Texte zu den Werken verfasst, die das Motiv, die Entstehung und verschiedene Details erklären.

Nach älteren Stadtansichten, die es bisher gab, soll es in der Serie mit der traditionsreichen Firma Fahr weitergehen. Zu dieser hängen in der Ausstellung zwei großformatige Gemälde von Werner Mollweide. Das eine Bild gehört der Stadt und zeigt eine Arbeiterszene, das andere ist eine Leihgabe und zeigt die ehemalige Fabrik mit Stockach im Hintergrund. Die Serie soll aber nicht nur für Stockacher sein. Zu den Werken in der Ausstellung gehören aus Ansichten vom See-Ende von verschiedenen Malern – das möchte Waldschütz auch aufgreifen. „Vielleicht mache ich etwas zur Seegfrörne 1830“, sagt er.

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Es habe schon erste positive Resonanz auf diese virtuellen Einblicke gegeben. Zur realen Ausstellung lautet Waldschütz' Zwischenbilanz: „Für eine kleine Ausstellung ist sie gut angelaufen.“ Die bisherigen Führungen seien ausgebucht gewesen.

Ausstellung über Elektrifizierung

Trotz allem gilt derzeit: Während der Ausstellung ist vor der nächsten Ausstellung. Jetzt läuft also „Stadt, Land, See“ ein bisschen anders als gedacht, doch wenn alles klappt, sollen sich am 15. Juni die Museumstüren für „Achtung, Hochspannung!“ öffnen. Der Hintergrund: Stockach hat vor 100 Jahren Strom bekommen. „Ich dachte, das wäre ein schöner Anlass, auch etwas Experimentelles in eine Ausstellung einzubringen“, sagt Waldschütz.

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Seit 100 Jahren Strom in Stockach

Und zwar wortwörtlich: Durch eine Leihausstellung, die mit Dingen aus Stockachs Geschichte kombiniert wird, können die Besucher dann Experimente zum Thema Strom machen. Sie können zum Beispiel selbst per Fahrrad Strom erzeugen oder morsen. Die Besucher können auch alles zur Elektrifizierung von Stockach im Jahr 1920 erfahren. „Es wird auch viele Bilder aus dem Hotz-Archiv geben“, erklärt Waldschütz. Außerdem soll ein weiteres Modul der Ausstellung zeigen, wie Verschiedenes gemacht wurde, bevor es Strom gab.

Der 15. Juni stand bereits lange für die Vernissage der nächsten Ausstellung fest. Er überschneidet sich nur aus Zufall mit dem Ende der derzeit gültigen Corona-Verordnung. Für Waldschütz und sein Team heißt es nun wie für alle anderen: Abwarten. „Wir beobachten die Lage. Wir wissen nicht, wie sich die Pandemie weiterentwickelt.“