Was ist Stockach wert? Um das herauszufinden, sind derzeit mehrere Mitarbeiter der Beratungsfirma Schüllermann in der Stadt unterwegs und bewerten städtisches Eigentum – und zwar einen ziemlich großen Teil davon. Städtische Gebäude wie das Rathaus, Schulen und Hallen gehören dazu, aber auch Mauern, Brunnen, Spielplätze, Brücken und Sportplätze, berichten Roman Bagschik, Maximilian Glotzbach und Julian Fuhrmann nach einer Begehung des Nellenburg-Gymnasiums. Bei anderen Teilen des städtischen Eigentums hat das Rechnungsamt den Wert selbst ermittelt.

In den Naturwissenschafts-Räumen des Gymnasiums interessiert die Bewerter auch der Zustand der Ausstattung (von links): Sachbearbeiter Julian Fuhrmann, Teamleiter Roman Bagschik und Sachbearbeiter Maximilian Glotzbach.
In den Naturwissenschafts-Räumen des Gymnasiums interessiert die Bewerter auch der Zustand der Ausstattung (von links): Sachbearbeiter Julian Fuhrmann, Teamleiter Roman Bagschik und Sachbearbeiter Maximilian Glotzbach. | Bild: Freißmann, Stephan

Im Gymnasium achten die drei Männer auf jedes Detail. Begleitet werden sie von Markus Schnopp, der als Hausmeister der Realschule seinen Kollegen im Gymnasium vertritt, und von Nicole Zwochner vom städtischen Rechnungsamt. In welchem Zustand sind die Toiletten? Wie gut sind technische Anlagen wie Heizung und Lüftung in Schuss? Wie sehen Fassaden und Fenster aus? Welcher Teil des Gebäudes wurde in welcher Bauweise erstellt? Glotzbach ist operativ mit der Erfassung der Bausubstanz beschäftigt. Seine beständige Frage lautet: "Wann wurde das gemacht?" Sein wichtigstes Arbeitsgerät ist die Kamera, er hält die Details im Foto fest. Fenster, Heizverteiler, Lüftungsanlage – alles fließt in die Wertermittlung ein. Sein Kollege Julian Fuhrmann hat die Tour geplant, damit die Befahrung zeitlich ökonomisch vonstatten geht – in einer Flächengemeinde wie Stockach kann man auch sehr viel Zeit mit Fahrten verbringen. Roman Bagschik ist als Teamleiter bei der Sigmaringer Niederlassung der Firma Schüllermann, deren Hauptsitz in Dreieich bei Frankfurt liegt, in vielen Orten Baden-Württembergs unterwegs, um die Umstellung kommunaler Haushalte auf die Doppik zu begleiten.

Denn diesem Vorhaben dient der Aufwand der Wertermittlung letztlich, für den die Stadtverwaltung dem Beratungsbüro nach Gemeinderatsbeschluss 71 000 Euro bezahlt. Bei der Doppik handelt es sich um Regeln für die Aufstellung des Gemeindehaushalts, die an der Buchführung von Unternehmen orientiert sind (siehe Kasten). Die Stadt habe zwar eine eigene Vermögensfortschreibung, doch die genüge den Ansprüchen der neuen Haushaltsregeln nicht, so Rechnungsamtsleiter Bernhard Keßler. Ab 2019, ein Jahr vor dem letztmöglichen Datum, soll der städtische Haushalt nach der Doppik erstellt werden. "Wir sind schon fleißig bei der Vorbereitung", so Keßler.

Auch hier kommt man nicht alle Tage herein: Maximilian Glotzbach (links) lässt sich von Markus Schnopp den Heizverteiler im Keller der Schule erklären.
Auch hier kommt man nicht alle Tage herein: Maximilian Glotzbach (links) lässt sich von Markus Schnopp den Heizverteiler im Keller der Schule erklären. | Bild: Freißmann, Stephan

Und was ist das Nellenburg-Gymnasium nun wert? An Ort und Stelle wird dieser Wert nicht ermittelt. Grob gesagt, funktioniert das so: Zunächst würden Zustandsbeschreibungen aller Gewerke erstellt, erklärt Teamleiter Roman Bagschik. Mit einem Punktesystem ermitteln die Berater dann ein fiktives Herstellungsjahr des Gebäudes. Aus der Abschreibung über die gesamte Nutzungsdauer – bei Gebäuden in der Regel 50 Jahre – ergebe sich auf Basis der Werte bei der Brandschutzversicherung der Restwert für die städtische Bilanz. Nur bei Gebäuden, die jünger als sechs Jahre sind, und bei beweglichem Eigentum werde der Restwert aufgrund der Rechnungen ermittelt, so Bagschik. Für die Befahrungen plane man auf jeden Fall zwei Wochen ein, erklärt Glotzbach.