Aus rund 360 Ausbildungsberufen kann heute ausgewählt werden, welchen Weg man einschlagen möchte, hat man erst einmal seinen Schulabschluss in der Tasche. Doch welchen Weg soll man gehen bei so vielen Möglichkeiten? Viele Schulabgänger tun sich mit der Wahl ihrer Ausbildung zunächst einmal schwer. Schließlich gilt es, eine lebenswichtige Entscheidung zu treffen, bei welcher nicht nur seine eigenen Stärken, Fähigkeiten, Vorlieben und Träume verwirklicht werden, sondern vielleicht sogar noch die Wünsche der Eltern. Oder nicht?

Diesen Überlegungen auf der Spur fand am vergangenen Donnerstagabend in der Aula des Schulverbunds Nellenburg ein Informationsabend mit dem Titel Chance Ausbildung statt, zu welchem Schüler und Eltern gleichermaßen geladen waren. Der beinahe komplett gefüllte Saal zeugte von regem Interesse an den Ausführungen und Anregungen, die mehrere Vertreter der IHK, der Handwerkskammer, der Kreishandwerkerschaft, des HHG und des Gewerbevereins Bodman-Ludwigshafen präsentierten.

Aufmerksame Zuhörer beim Informationsabend am Schulverbund Nellenburg.
Aufmerksame Zuhörer beim Informationsabend am Schulverbund Nellenburg. | Bild: Constanze Wyneken

Lokale Betriebe stellen sich vor

In den Fluren der Schule fand zudem eine Tischmesse lokaler und regionaler Ausbildungsbetriebe statt. Hier standen erfahrene Ausbilder und Azubis den Eltern und Schülern für Fragen zur Verfügung. Es bestand auch die Möglichkeit, sich spontan für ein Tagespraktikum einzuschreiben.

Schwungvoll moderiert von Rainer Vollmer, selbständiger Mediendesigner und ehemaliger Schüler des Nellenburg-Gymnasiums, kamen alle möglichen Themen zur Sprache, die Eltern und Schulabgängern am Herzen liegen. So einige junge Leute berichteten über ihren schulischen und danach beruflichen Werdegang – von der Desorientierung bis hin zum Glücklichsein.

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Da war zum Beispiel Jennifer Kasa, die ihrem Realschulabschluss zunächst ein technisches Abitur, ein FSJ und den Beginn eines Lehramtsstudiums nachfolgen ließ, um dann festzustellen, dass sie eine Ausbildung zur Mediengestalterin machen möchte. Ein Beruf, in welchem sie sich inzwischen selbständig machen konnte.

Matthias Halder konnte bei Ferienjobs während seines Abiturs in das Zimmerhandwerk hineinschnuppern, machte eine Lehre, der er den Gesellen und den Meister folgen ließ. Nun besitzt er seine eigene Zimmerei, in welcher er selbst ausbildet.

Ähnlich ging es Maike Windmüller, die auf dem Agrarwissenschaftlichen Gymnasium nach der zwölften Klasse umdachte und feststellte, dass auch ihr Herz für das Zimmerhandwerk schlägt. Als Mädchen behauptet sie sich in dieser Männerdomäne nun schon im zweiten Lehrjahr erfolgreich. „Ich bin glücklich“, sagte die junge Zimmerin und brachte damit klar herüber, was in einer Ausbildung erreicht werden sollte. Es gilt nämlich nicht nur, etwas zu finden, das man gut kann, sondern auch etwas, das einen erfüllt. „Meine Arbeit fühlt sich an wie Urlaub“, bestätigte Halder. „Ich verbringe sehr gern meine Zeit damit.“

Kinder sollen den eigenen Weg gehen

Reden gab es auch von Schulleiterin Beate Clot, Maria Grundler (Handwerkskammer), Hansjörg Blender (Autohaus Blender), Michael von Briel (Eto Magnetic) und Kathrin Tzschoppe-Berger (Kindergarten Winterspüren). Sie verdeutlichten, dass nicht immer das gut ist, was die Eltern für ihre Kinder als gut erachten.

Wenn nämlich die eigenen Wünsche oder gar Versäumnisse auf die Kinder projiziert werden und die Kinder nach dem Motto „Du sollst es einmal besser haben als ich“ in einen Beruf hineingezwungen werden, dann kann aus dem Gutgemeinten plötzlich etwas Schlechtes werden, meinte Michael von Briel.

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Es wurde vielfach an die Eltern appelliert, ihren Kindern in der Ausbildungswahl den eigenen Willen zu lassen, ihnen aber stets beratend zur Seite zu stehen. „Traut Euren Kindern etwas zu, lasst sie machen und ihren Weg finden,“ riet Hansjörg Blender. Ein eingeschlagener Weg könne auch über Umwege zum Ziel führen und der angestrebte Berufsabschluss müsse nicht immer der Meister sein.

Denn fähige Gesellen seien auch ein wichtiger Träger eines Betriebs und alles, was ein junger Mensch erlebe, forme die Persönlichkeit und führe zum Ziel. Eine Ausbildung sollte nicht nur den Ausbildungsbetrieb und die Berufsschule sondern auch die Eltern fest mit einbinden.

Positive Rückmeldung

Der Informationsabend „Chance Ausbildung“ gab Gelegenheit, sich über verschiedene Arbeitsbereiche zu informieren, mit Vertretern von Betrieben ins Gespräch zu kommen, Kontakte zu Azubis und Ausbildern zu knüpfen und sich für ein Tagespraktikum anzumelden. Das Anbebot wurde positiv angenommen. Karin Freudemann: „Ich finde es gut, zu sehen, was so angeboten wird. Man kann verschiedene Richtungen kennenlernen.“ Familie Müllerleile: „Wir nutzen das Angebot hier gerne um Informationen einzuholen. Das ist eine tolle Sache.“