Einige Autofahrer reagierten verdutzt, als am Donnerstagmorgen der Wandermönch Angus O' Neill alias Michael Skuppin mit seinem kleinen Gefolge auf seinem Weg nach St. Gallen durch Stockach zog. Er hat den verantwortungsvollen Auftrag, eine wertvolle Urkunde, den Kloster-Plan des neunten Jahrhunderts, von der Insel Reichenau ins Kloster St. Gallen zu bringen. Auf seiner Mission begleiteten ihn seine Frau Gerlinde und Wolfgang Starke, altertümlich gekleidet als "Wolf vom See", sowie Ann-Katrin Wölfle von der Tourist-Information Stockach und Johannes Waldschütz, Leiter des Stadtmuseums.

An der Loreto-Kapelle warteten rund 15 Wanderfreunde, viele von ihnen Mitglieder des Schwarzwaldvereins, und einige Schaulustige. Auch das SWR-Fernsehen war vor Ort. Gefilmt wurde unter anderem die kurze Information des Museumsleiters zur Kapelle.

An der Loreto-Kapelle wartet auch ein SWR-Fernsehteam. Hier stoßen nach einer kurzen Information über die Wallfahrtskapelle durch Museumsleiter Johannes Waldschütz viele Wanderfreunde zu Mönch Angus und seinem Gefolge. Bild: Claudia Ladwig
An der Loreto-Kapelle wartet auch ein SWR-Fernsehteam. Hier stoßen nach einer kurzen Information über die Wallfahrtskapelle durch Museumsleiter Johannes Waldschütz viele Wanderfreunde zu Mönch Angus und seinem Gefolge. Bild: Claudia Ladwig

Johannes Waldschütz erzählte, dass Postknecht Mathias Steinmann aus Hengelau wohl bei zwei Wallfahrten nach Italien die Idee gekommen sei, eine Kopie der Wallfahrtsbasilika von Loreto nahe Stockach errichten zu lassen. Zwischen 1724 und 1728 stiftete und erbaute er die Loretokapelle, neben der er sich eine Einsiedlerklause baute und dort bis zu seinem Tod 1751 lebte. Die Kirche sei äußerst sehenswert und die Orgel die älteste noch bespielbare Badens.

Mönch Angus O' Neill alias Michael Skuppin beim Vortragen des irischen Segensspruches. Bild: Claudia Ladwig
Mönch Angus O' Neill alias Michael Skuppin beim Vortragen des irischen Segensspruches. Bild: Claudia Ladwig

Mönch Angus verlas noch den Tagesspruch. Der irische Segensspruch, der den Wanderern den Wind im Rücken, die Sonne zum Wärmen und den leichten Regen an staubigen Tagen wünschte, passte wunderbar, denn nachdem es morgens noch ordentlich geregnet hatte, blieben die Wanderer bis auf einige Tropfen trocken.

Am ersten Tag waren der keltische Wandermönch Angus, Gerlinde Skuppin, Wolfgang Starke, Fotograf Claudio Hils, Veronika Rotthaler, Susi Gätzig und Rosmarie Gubser vom Esel-Schafhof in Boll mit drei Eseln sowie Anita Metz, Wanderführerin des Schwäbischen Albvereins, und drei Tageswanderern vom Campus Galli bei Meßkirch unterwegs. Sie liefen rund 16 Kilometern nach Wald. Am zweiten Tag ging es 24 Kilometer bis Stockach. Diesmal waren vier Gäste dabei. Am dritten Tag schlossen sich überraschend viele Wanderer an, um gemeinsam die gut 25 Kilometer über den Jakobspilgerweg nach Ludwigshafen und Bodman und von dort nach Liggeringen und entlang des Mindelsees nach Markelfingen zurückzulegen.

Am Römerbrunnen war Zeit für eine kleine Trinkpause. Der bisherige Wegewart des Schwarwaldvereins Stockach, Max Kempter, Maultier Muck mit Führerin Veronika Rotthaler und Mönch Angus stellten sich mit allen Wanderern spontan für ein Erinnerungsfoto auf. Bild: Claudia Ladwig
Am Römerbrunnen war Zeit für eine kleine Trinkpause. Der bisherige Wegewart des Schwarwaldvereins Stockach, Max Kempter, Maultier Muck mit Führerin Veronika Rotthaler und Mönch Angus stellten sich mit allen Wanderern spontan für ein Erinnerungsfoto auf. Bild: Claudia Ladwig

Das Tempo bestimmten Maultier Muck und die Esel Don Camillo und Peppone. Muck war als "Notfallmaultier für lahme Pilger" dabei, wie seine Führerin Veronika Rotthaler lachend erklärte. Die Esel transportierten das Pilgergepäck sowie Stricke und Anbindehalfter, außerdem die Ausrüstung des Fotografen.

Der schmale, verwunschene Weg durch den Wald begeistert alle Teilnehmer der Wanderung gleichermaßen. Bild: Claudia Ladwig
Der schmale, verwunschene Weg durch den Wald begeistert alle Teilnehmer der Wanderung gleichermaßen. Bild: Claudia Ladwig

Von der Dietsche bis zum Römerbrunnen führte Max Kempter die Gruppe. Er war zehn Jahre lang als Wegewart des Schwarzwaldvereins auch für diese Strecke verantwortlich, sorgte dafür, dass sie sauber und frei zugänglich blieb. Inzwischen übernahmen Peter Zinneker und Werner Brandhöfer seine Aufgaben. Der Schwarzwaldverein Stockach betreue ein 70 Kilometer umfassendes Wegenetz, sagte die Vorsitzende Juliane Kehlert. Die Mitglieder Martin Eckard und Manfred Grömminger seien es gewesen, die mit vielen Helfern den Römerbrunnen gefasst und wieder hergestellt hätten. "Vorher kam da nur ein rostiges Rohr raus", so Kempter. Seit 2003 zeigt sich die Trinkstelle in ihrer heutigen Form.

Der schmale, verwunschene Weg durch den Wald begeisterte alle Teilnehmer der Wanderung gleichermaßen. Bild: Claudia Ladwig
Der schmale, verwunschene Weg durch den Wald begeisterte alle Teilnehmer der Wanderung gleichermaßen. Bild: Claudia Ladwig

Edda Ott hatte von der Wanderung im SÜDKURIER gelesen und sich gleich weitere Informationen besorgt. Ihr gefiel die Strecke ebenso wie Ursula Schwelling, Schriftführerin im Albverein Meßkirch, die schon am zweiten Tag mitgelaufen war. "Das war so ein tolles Erlebnis und hat mir so gefallen, dass ich beschlossen habe, heute nochmal mitzugehen." Ihre Wanderfreundin Gabi Erath aus Rast, mit der sie schon Pilgerwanderungen unternommen habe, war ebenfalls wieder mit dabei. Auch für Juliane Kehlert war dieser Weg ein besonderer. "Mönch Angus hat so viele Geschichten erzählt über die Alemannen und die Sueben und die Iren. Das ist für uns was ganz Anderes als sonst. Es war sehr informativ und hat wirklich Spaß gemacht." Dass so viele Mitglieder ihres Vereins teilnahmen, freute sie sehr. "Wir sind erst am Sonntag fünf Stunden lang gewandert. Ich kann mich auf meine Leute absolut verlassen", lobte sie.

Die Auftaktwanderung kam gut an. Eine angedachte permanente Ausweisung der Route vom Campus Galli nach St. Gallen in der Schweiz für Wanderer und Radler könnte ein Erfolg werden.