Eine Geschichte von Intrigenränken, heiter gewürzt mit einem Schuss übermütiger Grausamkeit, brachten 34 Achtklässler der Waldorfschule mit Shakespeares "Was ihr wollt" auf die Bühne. Phasen von emotionaler Tiefe und philosophischer Reflektion sprangen überraschend ins Heitere. Dass alle Besucher des von Roland Redel und Thorsten Leonhard hervorragend inszenierten Klassenspiels total im Bann des Geschehens standen, war deutlich zu spüren. Großartig dazu gelungen ist dem Markdorfer Kompositionskünstler und Musikpädagogen Johannes Eckmann die unter die Haut gehende Dramaturgie seiner eigens für dieses Klassenspiel komponierten Musik: Celli, Geigen, Oboen, Flöten, Trompete und Harfe ließen alle Stimmungen und Charaktere des Klassikers auch musikalisch mitfühlen. So bildeten Musik und Schauspiel eine dramaturgisch spannende wie auch harmonische, stimmige Einheit.

Das Stück, geschrieben in Vers und Prosa, entstand vor rund 400 Jahren. Mit seinem guten Schuss übermütiger Grausamkeit und streckenweise geheimnisvoller Maskerade enthält es viel von dem Geist des "Merry Old England". Entsprechend waren auch die Gewänder der in ihren Rollen überzeugenden Akteure. In dieser Inszenierung ist alles vertreten: Edles, Lustiges, Grausames, Sprödes, Zartes sowie Qualen von verschmähter wie auch mit Freuden erfüllter Liebe. Das Ganze ist sehr amüsant und spannend gestaltet. Das mitgestaltende Orchester, geleitet von Anne-Eve Martin, rekrutierte sich genauso ausschließlich aus den 34 Schülern der achten Klasse wie die Aufgaben von Beleuchtern und Souffleuren.

Zum Finale schien im Verwirrspiel die Braut von Schurken zu Tode verleumdet. "Die Zeit wird kommen, wo sich der wilde Stier dem Joche fügt", war eines der Bonmots, die schmunzeln ließen.

Am Ende ist Prinz Don Juan "im Fackelschein übermächtig verdrießlich, kann nicht über Späße anderer lachen", wie es im Textbuch heißt. "Löscht eure Fackeln jetzt" lautete am Ende die Order. Bühne, Stimmung und Musik wurden hell und wieder fröhlich. Enthusiastischer Beifall krönte die gelungene Premiere.

Die Klasse ist bei den Inszenierungen geteilt: Jeder ist mal Schauspieler und im zweiten Job Musiker oder er/sie wirkt im Team hinter der Bühne. Selbst genäht sind (unter der Anleitung von Lioba Hinz) die Kostüme. Die wechselnden Bühnenbilder, minimalistisch und doch wirkungsvoll, fertigten die Schüler zusammen mit ihrem Werklehrer Axel Schliwa. Dass bei den Aufführungen auch hinter der Bühne keiner älter ist als 15 Jahre, gehört zum pädagogischen Konzept der Waldorfschule.

Bildergalerie: www.suedkurier.de/bilder

Die Akteure

Aaron Heist, Mario Noah Fischer, Roxana Dörfer, Felix Fluck, Joshua Weisser, Corbinian Neubauer, Sebastian Lucke, Moritz Joos, Luca Asal, Amelie Meyer, Clara Wilhelm, Rosalie Kania, Nuria Kiesebrink, Valerie Biehler, Annik Ruby, Lilith Becker, Madeleine Hartmann, Leonie Baser, Maresa Blum, Felix Schil-ling, Joshua Hornscheidt, Chiara Wieland, Milan Morlinghaus, Elias Grund-mann, Madeleine Hartmann, Elias Hintz, Kenned Simon, Maurice Stocker, Duniya Das, Marlon Donhauser, Luna Küppers, Luis Ruby, Jori Baumgart, Alina Seifert, Mario Noah Fischer, Felix Fluck, Lily Marti, Mara Bullinger. (gri)