Auf Antrag der Ortsverwaltung Wahlwies hatte der Gemeinderat der Stadt Stockach das Gewerbegebiet Seeda nach Fertigstellung der Bebauungsplanung in den Haushalt 2019 aufgenommen. Dies galt als wichtiges Signal für Stockachs größten Teilort. Immerhin 13 Interessenten für einen Bauplatz zählt Ortsvorsteher Udo Pelkner inzwischen. Doch aufgrund der jetzt errechneten Grundstückspreise droht das Aus für das ortsnahe Gewerbegebiet, das am Ortseingang von Wahlwies – von Stockach kommend – entstehen sollte.

Bürgermeister Rainer Stolz teilte in einer Mail mit, die Stadt habe aufgrund der bisher angefallenen und zwischenzeitlich errechneten Kosten sowie der ermittelten Kostenschätzungen überschlägig einen Prognosewert des Grundstückpreises ermittelt. Ausgehend von dem Bereich, der Eigentum der Stadt ist – dieser entspricht etwa zwei Dritteln der geplanten Gesamtfläche – entstünden der Stadt Kosten zwischen 150 und 180 Euro pro Quadratmeter. Weil über Erschließungs- und Anschlussbeiträge nur ein geringer Teil der Kosten an die Käufer weitergegeben werden könne, werde die Stadt auf einem Großteil dieser Nebenkosten sitzen bleiben. Er machte klar, dass die Preise in den letzten Jahren deutlich gestiegen seien und man sie nicht mit dem Niveau von vor fünf Jahren vergleichen könne. Es sei auch nicht möglich, dass die Stadt Gewerbegrundstücke bezuschusse.

Fläche ist ohne Erweiterung zu klein

Allenfalls durch eine Erweiterung um das letzte Drittel der geplanten Gewerbefläche könnten die Kosten gesenkt werden. „Vielleich in eine Größenordnung, die bezahlbar ist. Aber auch dann ist noch unklar, ob es reicht. Auch 120 oder 130 Euro pro Quadratmeter sind in Wahlwies schwierig zu erzielen“, erklärte Stolz. Ohne diese Erweiterung halte er das Vorhaben allerdings für nicht sinnvoll, da die Fläche dann zu klein sei.

Die fehlende Fläche direkt vor dem Ortseingang von Wahlwies besteht aus sechs länglichen Grundstücken. Eines mittendrin gehört noch der Stadt, die übrigen Privatpersonen. Nur durch den Erwerb dieser Grundstücke bestehe die Chance, eine möglichst breite Verteilung der fixen Nebenkosten und sozial vertretbare Grundstückspreise zu erreichen. Die Stadt werde den betroffenen Grundstückseigentümern gegebenenfalls mitteilen, dass sie die Realisierung des Gewerbegebiets Seeda aufgrund der geschätzten Kosten und der sich daraus ergebenden Grundstückspreise nicht weiter verfolgen werde, so Stolz in einer Mail an den Ortsvorsteher von Wahlwies, Udo Pelkner.

Stadverwaltung bemüht sich um Lösungn

Nachdem dieser in der letzten Ortschaftsratssitzung die Stellungnahme vorgetragen hatte, machten zwei der Interessenten sofort klar, dass sie bei den genannten Konditionen ihre Bewerbungen zurückziehen würden. „Wir haben Verständnis für die Aussagen der Stadt, die leider bei einem Drittel der benötigten Fläche nicht Grundstückseigentümer ist“, so Ortsvorsteher Udo Pelkner. Er bedaure sehr, dass nach bisherigen Informationen die fünf Eigentümer der Grundstücke nicht bereit sind, diese an die Stadt zu veräußern: „Wir haben die Stadtverwaltung gebeten, die Eigentümer entsprechend zu informieren. Außerdem haben wir den Wunsch, dass sich die Stadtverwaltung im Interesse der einheimischen Gewerbetreibenden kurzfristig um Alternativflächen für ein ortsnahes Gewerbegebiet bemüht.“

Hierzu sagte Bürgermeister Stolz im Gespräch mit dem SÜDKURIER, im Industriegebiet Hardt habe die Stadt zwar noch wenige kleine Grundstücke, es mangele jedoch an großen Flächen. „Ich wollte Seeda kriegen und bin mit der Situation sehr unzufrieden“, betonte er. Gewerbetreibenden, die sich im Gewerbegebiet Seeda ansiedeln wollten, rät er, auf die Stadt zuzukommen. Man sei um Lösungen bemüht.