Vor dem Stockacher Rathaus sollen demnächst zwei farbenprächtige Stühle zum Dialog einladen. Gestaltet wurden diese im Rahmen des Ferienprogramms bei einer Veranstaltung der Kulturbrücke Stockach.

Knapp 20 Kinder und Jugendliche aus Stockach und Umgebung gingen mit großer Begeisterung ans Werk, als es galt, die zwei zunächst schlichten Betonhocker mit kreativen Mosaiken zu verschönern.

Bürgermeister ist Schirmherr

Einer der Hocker bekam eine Stele als Rückenlehne. Christiane Pieper und Ute Kohlmann vom Verein Kulturbrücke Stockach und die künstlerische Leiterin Dorothea Kalberer-Brenek erklärten den Projektteilnehmern, was zu tun sei. Am frühen Nachmittag war schon zu erahnen, dass diese Stühle ein ganz besonderer Hingucker werden.

Zwischen die bunten Motive, die sich die Kinder und Jugendlichen ausgedacht haben, werden einfarbige Steine geklebt. Am Ende wird alles verfugt.
Zwischen die bunten Motive, die sich die Kinder und Jugendlichen ausgedacht haben, werden einfarbige Steine geklebt. Am Ende wird alles verfugt. | Bild: Claudia Ladwig

Bürgermeister Rainer Stolz ist der Schirmherr dieses Projekts. Er freue sich darauf, dass diese außergewöhnlichen Sitzgelegenheiten bald vor dem Rathaus stehen werden, erzählte Ute Kohlmann. Anfang September sollen sie offiziell der Stadt übergeben werden.

Zukunft – das sind wir!

Die Idee zu den beiden Mosaikstühlen entstand in dem vom Deutschen Kinderhilfswerk geförderten Projekt der Kulturbrücke Stockach „Zukunft! Das sind wir!“.

Seit Januar treffen sich Teenager mit Migrationshintergrund einmal wöchentlich zu einem Workshop. Die Jugendlichen behandeln das Thema, wie sie sich ihre Zukunft und ein friedliches Miteinander vorstellen, auf ganz unterschiedliche Weise: Sie malen, kleben, fotografieren und schreiben kleine Texte.

Friedlich und respektvoll

Mit selbst hergestellten Drahtpuppen haben sie Szenen nachgestellt, in denen sie in einfachen Dialogen zeigen, welchen Spannungen sie im Alltag begegnen und wie sie ihre Stellung in der Gesellschaft wahrnehmen. Ute Kohlmann berichtet: „Als zentrales Thema hat sich für die Teilnehmer die Frage herauskristallisiert, wie man zu einem friedlichen und respektvollen Miteinander kommen kann. Ihre Antwort: besser miteinander als übereinander sprechen.“

Dies sei auch die Grundidee der Mosaikstühle, erläuterte Christiane Pieper. „Wir nennen sie Stockacher Dialog-Stühle. Ein einzelner Stein ergibt noch kein Mosaik, ein buntes Mosaik entsteht erst durch das Zusammenfügen vieler verschiedener Steine.“

Kinder mit Spaß bei der Sache

Und die Teilnehmer aus Deutschland, Afghanistan, Syrien, dem Irak und Iran waren fleißig. Die elfjährige Niloufar, die ursprünglich aus dem Iran kommt und seit zwei Jahren in Deutschland lebt, beschrieb das Vorgehen: „Man malt eine Vorlage auf Papier, legt eine Plastikfolie drüber, dann ein Netz und darauf werden die Steine in den Farben des Motivs geklebt.“

Die zwölfjährigen Jungs Louis (links) und Milad haben sich angefreundet. Sie hatten beide viel Spaß bei der Gestaltung der Mosaikstühle.
Die zwölfjährigen Jungs Louis (links) und Milad haben sich angefreundet. Sie hatten beide viel Spaß bei der Gestaltung der Mosaikstühle. | Bild: Christiane Pieper

Alle hätten ein oder sogar mehrere Motive gestaltet, sagte der zwölfjährige Louis, dem die Arbeit viel Spaß machte. Als alle Blumen, Schmetterlinge und sonstigen Bilder auf den Stühlen befestigt waren, füllten die Kinder die Zwischenräume mit einfarbigen Steinen.

Stühle sollen vor Rathaus stehen

Am zweiten Tag waren erneut einige der Fünf- bis 21-Jährigen da. Sie verfugten mit Hilfe von Dorothea Kalberer-Brenek und Christiane Pieper die Steine, damit eine glatte Fläche entsteht. Die Mosaiksteine auf den Stühlen ergeben nun ein farbenprächtiges Gesamtkunstwerk.

„So etwas gibt es in Stockach bisher noch nicht“, ist Ute Kohlmann überzeugt. Vor dem Rathaus sollen die Sitzgelegenheiten sich bald gegenüberstehen und alle Menschen dazu einladen, sich hinzusetzen und miteinander ins Gespräch zu kommen.