So etwas macht nicht jeder: Bäckermeister Hanspeter Wibbelt verlässt Stockach und will die nächsten Jahre in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) arbeiten. Vor zehn Jahren war der 60-Jährige schon in Malaysia und hat mitten in Kuala Lumpur das „Hans-Peters Café“ aufgebaut.

15 Jahre lang saß Hanspeter Wibbelt im Stockacher Gemeinderat. Nach seiner Zeit in Dubai kann er sich eine Rückkehr durchaus vorstellen, sagt der 60-Jährige.
15 Jahre lang saß Hanspeter Wibbelt im Stockacher Gemeinderat. Nach seiner Zeit in Dubai kann er sich eine Rückkehr durchaus vorstellen, sagt der 60-Jährige. | Bild: Singler, Julian

Frau lässt nicht locker

Das Abenteuer Dubai brachte Ehefrau Elke Bahr-Wibbelt ins Rollen. In einer Fachzeitschrift stieß sie auf die Stellenanzeige. „Da wird ein Bäckermeister für Dubai gesucht“, sagte sie damals zu ihrem Ehemann. Der habe das anfangs gar nicht wirklich beachtet. „Meine Frau meinte dann, dass ich doch mal anrufen soll und das habe ich dann auch gemacht“, erklärt Hanspeter Wibbelt. In München traf er sich mit Nils El Accad, dem Inhaber des Bio-Unternehmens. „Er hat einen deutschen Pass. Nils erzählte mir, um was es geht.“ Als Senior Manager sei er für drei Produktionslinien zuständig. „Ich komme mal vorbei und schaue es mir an“, entgegnete der Stockacher. Gesagt, getan: Vor drei Jahren flog Wibbelt zum ersten Mal nach Dubai. Und er blieb zunächst neun Monate. „Ich habe in dieser Zeit ein Sabbatjahr gemacht. Mir ging es gut in Dubai„, sagt der Ex-Gemeinderat. Also kündigte er in Wahlwies, wo er jahrelang die Kinderdorfbäckerei leitete, und ging im April dieses Jahres wieder zurück in die VAE. „Ich habe gerne in Wahlwies gearbeitet, aber der Wunsch nach einer Veränderung war da.“

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Wie lange Wibbelt im Wüstenstaat bleibt, ist noch offen. „Ich muss abwarten, wie es sich beruflich entwickelt. Es macht momentan einfach Spaß.“ Seine Hauptaufgabe, neue Produkte zu entwickeln, bestehende weiterzuentwickeln und Problemlösungen zu finden, sei „absolut reizvoll“. Wibbelt erklärt: „Ich mache Einkauf und Verkauf, die Personalplanung und Einstellungen. In der Produktion stehe ich nicht mehr, sondern greife nur ein.“ Mittlerweile sei er in einem Alter, in dem man nicht mehr unbedingt nachts um 2 Uhr vor dem Ofen stehen sollte, meint der 60-Jährige. „Das habe ich knapp 40 Jahre lang gerne gemacht. Mit 17 Jahren habe ich die Ausbildung begonnen.“

Über 6000 Kilometer weit weg

Von seiner Frau und den drei Töchtern getrennt zu sein, sei „natürlich schon eine Herausforderung“, so Hanspeter Wibbelt. „Es ist immer beides: Einerseits toll, etwas neues zu machen, andererseits aber auch toll zu wissen, dass ich jederzeit zurück in meine Heimat kann.“ Er wisse, dass viele nicht verstehen können, wieso er sich für Dubai entschieden habe, aber ihm gefalle es dort. „Es ist eine verrückte Welt und ein Blendwerk ohne Ende, aber ich arbeite gerne mit den Menschen zusammen. Die Emirate sind sehr europäisch und westlich. Ganz viele Kulturen treffen dort aufeinander.“ Ein Abenteurer sei Wibbelt schon immer gewesen. „Als ich Mitte 20 war, habe ich vier Monate in Kanada gearbeitet. Damals war ich schon kurz davor, dort zu bleiben. Mir war es immer wichtig, auch meinen Lehrlingen zu zeigen, dass der Beruf Spaß macht und man überall auf der Welt etwas erreichen kann.“

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