Eine Motorsäge ist für viele Arbeiten ein wichtiges Hilfsmittel – gerade im ländlichen Raum wird sie häufig genutzt. Doch dieses Werkzeug kann auch ziemlich gefährlich sein, wenn sich der Benutzer nicht richtig schützt.

Lehrgänge auch für Privatleute

Richard Auer arbeitet im Amt für Landwirtschaft in Stockach, ist Forstwirt und Feuerwehrkommandant in Heudorf bei Eigeltingen. Außerdem gibt er seit vielen Jahren zertifizierte Motorsägen-Lehrgänge für private Anwender, Waldbesitzer, gewerbliche Nutzer, Feuerwehren und andere Hilfsorganisationen. Dabei erklärt er die fachgerechte Arbeitsweise und die für die Arbeit wichtige persönliche Schutzausrüstung.

Fachmann Richard Auer hat schon einige folgenschwere Verletzungen durch Motorsägen gesehen. Darum ist es ihm so wichtig, auf die richtige Schutzkleidung hinzuweisen. Dabei sollte auch nicht gespart und auf vermeintliche Schnäppchen aus dem Internet gesetzt werden. Er zeigt ein eindrückliches Beispiel mit gravierenden Folgen: Zwei Arbeitsschuhe – auf den ersten Blick sehen sie gleich aus. Doch schnell wird klar, dass einer nur eine Nachahmung des Originals ist.

Das richtige Material ist entscheidend

Auer erklärt: „Der billige Schuh ist viel leichter. Ihm fehlt der Schnittschutz und das hatte beim Abrutschen der Motorsäge schlimme Folgen.“ Der Schnittschutz in den Arbeitsschuhen und der Hose sorgt dafür, dass die Säge, falls sie unkontrolliert Richtung Fuß oder Bein schwingt, nicht bis zum Körper vordringen kann. Das Gewebe franst beim Einschnitt sofort aus, die Fasern verfangen sich im Kettenrad der Motorsäge und diese blockiert dann schlagartig.

Richard Auer geht die Schutzausrüstung von unten nach oben durch. Essentiell seien zertifizierte Forstsicherheitsschuhe mit Schnittschutz, Stahlkappe und grobstolliger Sohle, die das Ausrutschen verhindert. Zum Schutz des Knöchels seien diese Schuhe stiefelhoch geschnitten.

Hose kostet bis zu 300 Euro

Die Hose ist eine Schnittschutzhose, die zwischen 60 und 300 Euro kosten kann. Richard Auer sagt: „Ob man lieber eine Latz- oder Bundhose trägt, ist Geschmackssache.“ Beide Hosen sind im Rückenbereich höher, damit die Nieren nicht auskühlen. „Hose und Schuhe müssen mindestens der Schnittschutzklasse 1 entsprechen. Das erkennt man an dem Piktogramm mit einer abgebildeten Motorsäge, das im Leder der Schuhe oder im Stoff der Hose eingestanzt ist.“

Eine Warnfarbe sei bei der Hose nicht verpflichtend, bei der Jacke allerdings schon. „Sie muss eine Warnfarbe haben und enganliegend sitzen, damit man beim Arbeiten nirgends hängenbleibt. Ganz wichtig sind die Bündchen oder der Verschluss am Ärmelende.“ Der Ärmel der Arbeitsjacke müsse ganz dicht sein, damit sich, wenn man mit der Motorsäge nach vorne schaffe, keine Äste darin verfangen könnten. Profi Richard Auer warnt: „Sonst ist die Gefahr, dass die Säge Richtung Körper geht, sehr groß.“

Schutzhelm in Signalfarben

Für den Kopf gehört ein Schutzhelm in den Warnfarben Rot, Orange oder Gelb mit Gehör- und Gesichtsschutz zur Ausrüstung. Und die Hände werden mit Fingerhandschuhen geschützt. Fäustlinge sind beim Arbeiten mit einer Motorsäge verboten. Leder habe sich als Material bewährt, so Auer.

„Lederhandschuhe dämpfen die Vibration und bieten Schlagschutz gegen zurückschlagende kleine Äste. Sie schließen mit einem Bündchen am Handgelenk ab, damit kein Sägemehl eindringt, das zu Kratzern oder Verletzungen an den Fingern führen kann.“

Schnitttechniken und Haltung

Für den Notfall ist es ratsam, Forstverbandspäckchen in der Jacke mitzuführen. In ihnen ist die Wundauflage schon in die Binde integriert. Der Motor einer Säge dreht sich mit bis zu 13.000 Umdrehungen pro Minute, die Kettengeschwindigkeit beträgt bis zu 20 Meter pro Sekunde. Auer macht daher deutlich: „Eine Motorsäge ist ein sehr gefährliches Gerät, das man nicht ohne Motorsägelehrgang benutzen sollte.“

Er zeigt seinen Teilnehmern sichere Schnitttechniken und die korrekte seitliche Sägehaltung. Man arbeite mit der Säge stets rechts vom Körper. Wenn die Säge mittig vor dem Körper gehalten werde, könne es leicht zu Verletzungen der linken Schulter oder der linken Gesichtshälfte kommen, sollte die Säge hochschlagen.

Schutzvorrichtungen an der Säge

Auch die Kettensäge selbst ist mit einigen Schutzvorrichtungen ausgestattet. Dazu gehören der Kombihebel zum Starten und Abstellen. Die Gashebelsperre sorgt dafür, dass man nur Gas geben kann, wenn die rechte Hand den Griff sicher umfasst. Der vordere und hintere Handschutz schützt die Hände. Die Kettenbremse wird durch den vorderen Handschutz ausgelöst und bringt die Kette sofort zum Stillstand.

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Der Kettenfangbolzen fängt eine gerissene oder abgesprungene Kette auf. Zur Antivibrationsdämpfung sind die Handgriffe durch Gummipuffer oder Stahlfedern mit dem Gehäuse verbunden. So werden gesundheitsschädliche Schwingungen vom Motor und der Sägeeinheit vom Bediener ferngehalten. Wenn die Motorsäge nicht im Einsatz ist, wird der Transportschutz über die Sägeschiene gezogen. Wichtig ist die auch die Verwendung zugelassener Treibstoffe und Öle.