Schon die alten Griechen wussten, dass für den Konzertgenuss die Akustik eine entscheidende Rolle spielt. Von diesem Wissen profitierten beim Frühjahrskonzert der Stockacher Stadtmusik bei freiem Eintritt rund 300 Besucher. Der Veranstaltungsort, die Eingangshalle im Wohnparc Stumpp, erinnerte an ein antikes Odeon und machte die facettenreich dargebotenen Werke zum grandiosen Hörerlebnis.

Besondere Werke

Musikdirektor Helmut Hubov erinnerte in seinem präzisen Dirigat zuweilen an einen Feldherrn, der gleichzeitig unterschiedliche Armeen befehligt. Hubov ist über Stockach hinaus für seine Visionen und Vorstellungsgaben bekannt. Weil er sich in dieser Richtung viel beschäftigt, findet er auch immer wieder besondere Werke für sich und sein Orchester. „Eine harte Arbeit auch für das sich auf Höchststufe mit Tendenz zur Kunststufe bewegende Laien-Orchester“, beschrieb Hubovs Frau Sieglinde die Proben.

„Es hat Spaß gemacht“ betonte auch die Waldhorn-Spielerin Amelie Siegel. Die junge Studentin gehörte zu den Instrumentalisten, die für solistische kleine Parts ihre Positionen aus dem harmonisch zusammen wirkenden Orchester veränderten. Bild: Gabi Rieger
„Es hat Spaß gemacht“ betonte auch die Waldhorn-Spielerin Amelie Siegel. Die junge Studentin gehörte zu den Instrumentalisten, die für solistische kleine Parts ihre Positionen aus dem harmonisch zusammen wirkenden Orchester veränderten. Bild: Gabi Rieger

Schon der Einstieg mit „Surround Sound“ (Klang von allen Seiten) war ein Phänomen. Wie in einem analogen Mehrkanal-Tonsystem konnte das Publikum fühlen, wie die Trommeln wirbelten und die Trompetensignale durch die Halle flogen. Da wähnte man sich als Zuhörer irgendwo in den Bergen zwischen wuchtigen Felsen und herabstürzenden Wassermassen. Mal schienen die Naturgewalten zum Greifen nahe, dann wieder hörte man sie als Echo mit facettenreichen Klangeffekten wie aus weiter Ferne.

Zuhörer auf dem Sofa

Auch das bot das Konzert im Möbelhaus: Bis in die dritte Ebene hinauf saßen oder lagen die Besucher verteilt auf Sofas, Sesseln, Stühlen oder Bettkanten, um die opulente Korrespondenz mit dem Raumklang zu genießen.

Solist des Sinfonischen Blasorchesters beim Frühjahrskonzert: Markus Renz-Schwab bearbeitet mit Hingabe und Ausdauer die sechs Pauken. Bild: Gabi Rieger
Solist des Sinfonischen Blasorchesters beim Frühjahrskonzert: Markus Renz-Schwab bearbeitet mit Hingabe und Ausdauer die sechs Pauken. Bild: Gabi Rieger

Markus Schwab-Renz, der an der städtischen Musikschule Schlagzeug unterrichtet, glänzte als Solist an sechs Pauken bei Michael Daughertys „Raise the Roof“, einer Melange aus Latin-Musik und Rock‘n Roll. „Markus Schwab ist mein Schlagzeuglehrer“, hatte Joshua Rauschnig (12) sein Kommen mit zwei Freunden und seinem Bruder erklärt. „Gut“ sei es gewesen, „richtig gut“ betonte Joshua später. „Um dem anspruchsvollen Solopart der Pauken verschiedene Klänge zu entlocken, werden Fußpedale für melodische Stimmungen verwendet und es wird mit einem umgedrehten Becken am Trommelfell gespielt“, Moderatorin und Flötistin Nadine Heinzle. Faszinierend gestaltete Schwab-Renz die an- und abschwellenden Creszendi und Decrescendi. Als der Sound für einen Augenblick sakral wurde, spielte er mit bloßen Händen und griff, als es jazzig tönte, zum Besen. Er streichelte, klopfte und fegte, dann wirbelten in hoher Geschwindigkeit die Schlegel über die gespannten Trommelfelle.

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Mit „To Walk with Wings“ unternahm das sinfonische Blasorchester eine spannend gestaltete Zeitreise durch die Geschichte der Luftfahrt. Bigband-Groove füllte die Akustik mit „Fanfare and Funk“ und enthusiastischer Beifall krönte die finale Suite „Windows oft he World“. Als Zugabe berührte erst ein geheimnisvolles „The Zest“, dann erheiterte ein „Bessarabyanko“ als temperamentvoller „Rausschmeißer“.