Der Fall ist ein bisschen kurios: Ein 65-jähriger Überlinger musste sich vor dem Amtsgericht Stockach wegen Nötigung verantworten. Er und ein 37-Jähriger aus Singen hatten sich im Februar auf der auf der Bundesstraße 34 zwischen Güttingen und Espasingen mehrfach gegenseitig mit ihren Autos überholt. Der Singener, der ein Auto mit 160 PS hat, zeigte den Überlinger an, der ein Auto mit 45 PS fährt. Doch wer wen aufgeschaukelt hat oder ob es überhaupt eine Handlungsmotivation gab, blieb etwas schwammig.

In der Anklageverlesung sprach der Staatsanwalt davon, dass der 65-Jährige das andere Auto beim Überholen rechtswidrig geschnitten und dann ausgebremst haben soll. Der Geschädigte habe mit seinem Wagen ausweichen müssen. Bei einem zweiten Überholmanöver sei es ähnlich gewesen. "Er wollte den anderen maßregeln", warf der Staatsanwalt dem Angeklagten vor. Der 65-Jährige habe den 37-Jährigen nach Paragraf 240 des Strafgesetzbuchs rechtswidrig genötigt.

"So wie es mir vorgeworfen wird, habe ich das nicht getan", sagte der 65-Jährige, der aber zugab, dass er es eilig gehabt habe. Er schilderte, wie das andere Auto ihn zunächst auf dem abschüssigen Stück vor Stahringen auf der Abbiegespur überholt habe. Er habe dann aufgeschlossen und das andere Auto überholt, als dieses langsamer geworden sei. Es sei dabei auch genug Platz gewesen. Er habe ihn nicht beim Wiedereinscheren gefährdet. Zwischen den beiden Stahringer Abfahrten setzte sich das andere Auto wieder vor den Wagen des 65-Jährigen. "Ich habe ihn dann kurz vor dem Mooshof wieder überholt." Er betonte, dass es immer ganz normales Überholen gewesen sei und er das andere Auto nicht geschnitten habe.

Der 37-Jährige gab an, er habe das Auto des 65-Jährigen zwischen Güttingen und Stahringen überholt, weil es sehr langsam gewesen sei. Als der andere ihn dann überholte und knapp eingeschert sei, habe er es erst für ein Versehen gehalten. Der Wagen sei dann aber wieder langsamer geworden, er habe überholt und sei vom anderen zur Seite gedrängt worden. "Ich habe gedacht, er will mich etwas ärgern", sagte der 37-Jährige. Auf Nachfrage der Richterin sagte er, dass er während der Fahrt die Polizei angerufen und später aufs Revier sei. Es sei auffällig gewesen, dass ihn der andere mehrfach abgedrängt und ausgebremst habe.

Die Richterin erklärte nach den Aussagen, dass sie sich mit einer Verurteilung schwer tue, da der Vorwurf oder eine Motivation des Angeklagten nicht erwiesen sei. Ein Fahrverbot sei vom Tisch. Es kämen Ordnungswidrigkeiten in Frage, die bei bei einer Buße von etwa 95 Euro lägen. Alle Seiten stimmten schließlich einer Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage von 95 Euro an die Verkehrswacht zu.