Nun ist er da – der Beklagte des Stockacher Narrengerichts, der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU), hat sich beim morgendlichen Empfang im Bürgerhaus Adler Post den geladenen närrischen Gästen präsentiert. Dabei zeigte er sich einmal mehr davon überzeugt, bei der Verhandlung am Abend freigesprochen zu werden.

 

 

Alle Anklagepunkte seien haltlos, so Strobl auf der Bühne. Zudem werde ihn sein "charmanter" und "brillant aussehender" Fürsprech Michael Nadig raushauen. Der Angesprochene nahm diese Lobrede genießend entgegen, Kläger Thomas Warndorf verursachte sie hingegen hörbare Schmerzen. Als letzten Joker, so Strobl, werde er auf die Mitleidskarte setzen: Er sei als armer Schwabe, biederer Protestant, Mitglied der CDU, mit der niemand koalieren wollte, und Minister in Stuttgart, der das Wehklagen des VfB ertragen müsse, in Stockach, und schloss in Anspielung auf John F. Kennedy: "Ich bin kein Stuttgarter, ich bin ein Stockacher."

 

 

Stockachs Bürgermeister Rainer Stolz hatte im Vorfeld Gründe aufgezählt, warum das Gericht milde mit Strobl umgehen werde. So sei der Beklagte schon Stockacher Laufnarr, mit solchen gehe das Gericht gnädig um. Und das Ende der Koalitionsverhandlungen in Berlin würde für Freude bei roten wie schwarzen Gerichtsnarren sorgen. Zudem sei der Kläger, der dieses Jahr zum 14. Mal diese Rolle spielt, "müde und erschöpft", so Stolz.

Doch davon wollte vor allem Narrenrichter Jürgen Koterzyna nichts wissen. Nach seinem letzten Jahr als Kläger wolle Warndorf sicher nicht mit einem Freispruch verabschiedet werden. Angesichts der Äußerungen, die er im SÜDKURIER-Interview im Vorfeld getan hatte, fragte Koterzyna, ob Strobl den Unterschied zwischen mutig und fahrlässig kenne. Wenn jemand das Gericht als blau und die Anklage als Verschwörung bezeichne, dann helfe da auch keine Laufnarrenkappe.