Wegkreuze, Wappen, Kapellen, Gedenktafeln oder zum Beispiel Statuen: Kleindenkmale gibt es überall und im wahrsten Sinne des Wortes an fast jeder Ecke. Im Dezember hat die Redaktion an jedem Erscheinungstag einen dieser kleinen Gegenstände oder Bauwerke vorstellt. Es war natürlich eine Auswahl, denn im Landkreis gibt es rund 3000 Stück. Die im Lokalteil präsentierten waren eine kleine Auswahl aus jenen, die aktuell existieren. Seit der Erfassung rund zehn Jahren ist aber auch das eine oder andere verschwunden. Die Suche nach den Spuren von drei dieser ehemaligen Kleindenkmale endete mit Überraschungen:

  • Wappenmosaik am Alten Forstamt: Bis zur Renovierung des Alten Forstamts an der Ecke Hauptstraße/ Salmannsweilerstraße gab es an einer Außenwand ein Mosaik des Wappens von Baden-Württemberg. Der Künstler Benedikt Schaufelberger hatte das Werk geschaffen. Das Mosaik war etwa 30 Zentimeter breit und 40 Zentimeter hoch. Schwarze Mosaiksteinchen bildeten die Wappenform, deren linke obere Ecke abgeknickt war. Drei schwarze Löwen aus denselben Steinchen waren im Inneren der Wappenform von einer Mischung aus gelben und orangen Steinen umgeben. Außerdem stand über dem Wappen der abgekürzte Schriftzug "Staatl. Forstamt", da das Gebäude – wie der Name auch heute noch zeigt – das Forstamt beherbergte. Das Mosaik wurde zwischen 2006 und 2009 in die Liste der Kleindenkmale des Landkreises Konstanz aufgenommen und bekam den Vermerk „Bei Hausrenovierung demontiert“. Tatsächlich ist das Wappen aber noch genau dort, wo es war – es ist nur nicht mehr sichtbar. „Es ist einfach unter dem Putz verschwunden“, erklärt Stadtmuseumsleiter Johannes Waldschütz. Vor langer Zeit gab es außerdem ein Hirschgeweih zwischen den Fenstern des ersten und zweiten Stockwerks an der Hausfront zur Hauptstraße hin. Es ist auf alten Archivbildern zu sehen.
    Dieses Mosaik war früher bei der alten Tür des Alten Forstamts zu sehen.
    Dieses Mosaik war früher bei der alten Tür des Alten Forstamts zu sehen. | Bild: SK-Archiv
  • Gedenkkreuz in Hindelwangen: Die Adler-Kreuzung im Stockacher Ortsteil Hindelwangen hat sich in den vergangenen Jahren mit dem Bau der Tankstelle stark gewandelt und ihr stehen noch weitere Veränderungen mit dem Bau eines Kreisverkehrs bevor. Wo jetzt neben der Stockacher Aach die Zufahrt ist, stand viele Jahrzehnte auf einem Wiesenstück ein Gedenkkreuz, das von einem kleinen, schmiedeeisernen Zaun umgeben war. Franz Hofmann aus dem Kreisarchiv erinnert sich noch daran. Er habe es einmal fotografiert und das Kreuz ist auch in dem Buch über die Kleindenkmale im Landkreis zu finden. Inzwischen steht es dort aber nicht mehr. Kreuze würden teilweise abgebrochen und entsorgt, erzählt er. Dieses gibt es aber noch, wie Ortsvorsteher Wolf-Dieter Karle sofort wusste. Die Familie Gauggel hatte das Kreuz einst gestiftet und bei ihr, genauergesagt im Hof von Michael Gauggel, befindet sich das Objekt aus Sandstein auch momentan. "Es soll auf dem Gelände der Firma Reiser wieder aufgestellt werden, nicht weit von seinem früheren Standort entfernt", erzählt Michael Gauggel. Das Kreuz sei damals vom Steinmetz Neitsch abtransportiert und renoviert worden. Wie früher auch soll es beim Wiederaufstellen auch den kunstschmiedeeisernen Zaun rundherum erhalten. Das Kreuz ist etwa 3,5 Meter hoch und stammt aus dem Jahr 1912.
    Das Kreuz der Familie Gauggel musste dem Tankstellenbau weichen.
    Das Kreuz der Familie Gauggel musste dem Tankstellenbau weichen. | Bild: Franz Hofmann
  • Die Zollbruck auf dem Zollbruck-Kreisel: Der Kreisverkehr zwischen Nenzingen und Stockach auf Höhe Zollbruck ist heute eine einfache Wiesenfläche. Bis vor Anfang des Jahres 2016 schmückte dort aber eine kleine Brücke mit rot-weißer Zollstange sowie der Aufschrift Zollbruck die Insel. Es gehörte zu den Kleindenkmalen des Landkreises, musste aber aus Gründen der Verkehrssicherheit weichen. Hintergrund war eine EU-Verordnung, die sich auf gefährliche Kreisverkehre bezog. Am Zollbruck-Kreisel hatte es über die Jahre mehrere Unfälle gegeben, bei denen Autos geradeaus auf die Insel gefahren waren. Als das Bauwerk noch stand, prallten dabei auch Fahrzeuge dagegen. Autofahrer hatten den Kreisel zum Beispiel bei Nebel übersehen.
    Das Brückenbauwerk am Zollbruck-Kreisverkehr, ein Kleindenkmal, musste weichen. Hintergrund sind Verkehrssicherheit und Unfallgefahren.
    Das Brückenbauwerk am Zollbruck-Kreisverkehr, ein Kleindenkmal, musste weichen. Hintergrund sind Verkehrssicherheit und Unfallgefahren. | Bild: Claudia Ladwig

 

Kleindenkmale

  • Definition: Kleindenkmale sind kleine Gebilde aus Stein, Metall oder Holz, die einem bestimmten Zweck dienen oder der an ein Ereignis oder eine Person erinnern. Es können zum Beispiel Wegkreuze, Statuen, Brunnen, Wappensteine oder Kapellen sein. Auch Hohlwege oder alte Eiskeller können Kleindenkmale sein. "Sie sind da, fallen of nicht auf. Sie gehören einfach dazu. Doch sie prägen unsere Kulturlandschaft, sie sind ein Bestandteil der Region, in der wir leben. Kleindenkmale sind für alle zugänglich", umschreibt das Buch "Kleindenkmale im Landkreis Konstanz".
  • Erfassungsprojekt: Im Jahr 2006 begann ein mehrere Jahres dauerndes Projekt zur landesweiten Erfassung von Kleindenkmalen. 13 Projektkreise erfassten mit rund 1100 ehrenamtlichen Mitarbeitern etwa 30 000 Kleindenkmale in ganz Baden-Württemberg. Rund 3000 davon befinden sich im Landkreis Konstanz. Eine kleine Auswahl aus diesen 3000 erschienen im Jahr 2009 in dem Buch "Kleindenkmale im Landkreis Konstanz" (Hegau-Bibliothek Band 141). Die Ehrenamtlichen fotografierten, dokumentierten und kartierten überall in den Städten, Dörfern, an Land- und Kreisstraßen sowie in den Wäldern Kleindenkmale verschiedener Arten. (löf)