Im Planungsausschuss gab es Klagen über die Verkehrssituation in Dillstraße am Schulzentrum. Zwei Mal am Tag gibt es dort starke Schülerströme und lange oder wiederholte Rückstaus, wenn Kinder und Jugendliche die Straße am Zebrastreifen oder anderen Stellen überqueren. Die Stadtverwaltung will sich eine Lösung überlegen.

Die einen ärgern sich, die anderen verstehen das Problem nicht: In der Dillstraße, vor allem am Zebrastreifen, staut sich der Verkehr, wenn Schüler vom Bahnhof zum Schulzentrum oder umgekehrt laufen. Es ist eine Straße, auf der vor allem in Stoßzeiten sehr viel Verkehr herrscht. Denn in Richtung Winterspüren verläuft über die Landesstraße 194 eine Hauptachse zwischen Stockach und Pfullendorf.

"Es gibt jeden Morgen lange Staus wegen Schülern", brachte Gerhard Heim (CDU) im Planungsausschuss der Stadt auf und regte an, eine Lösung zu finden. Vielleicht mit einer mobilen Ampel, um zu testen, ob dies etwas bringe, schlug er vor. Das Thema sorgte für eine hitzige Diskussion, denn die Meinungen gehen stark auseinander. Bürgermeister Rainer Stolz erklärte zunächst, dass die Stadtverwaltung bereits überlegt habe, am Dillplatz eine Fußgängerampel einzurichten. Aber die Dauer der Rot- und Grünphasen sei ein Problem. Hier nannte Peter Fritschi, Leiter des Ordnungsamts, 40 bis 50 Sekunden als Beispiel: "So lange warten die Schüler nicht." Zudem könnten Schüler oder andere Personen auch einfach neben der für Fußgänger rot zeigenden Ampel über die Straße laufen, gab Stolz noch zu bedenken. Ähnlich sieht er es mit einer Fußgängerbrücke, die nicht alle nutzen würden.

"Wir sind offen für andere Ideen", sagte Stolz. "Aber Schüler in dieser Menge setzen sich ihr Recht durch. So lange der Landesstraßenverkehr am Schulzentrum vorbei führt, sehe ich keine Chance, das zu entzerren." Einen Versuch mit einer Ampel schätzt der Bürgermeister bei den Kosten auf rund 20 000 Euro. "Die Frage ist, ob wir Geld für etwas ausgeben wollen, das nicht weiterführt", sagte er.

Am Nellenburg-Gymnasium sind bisher noch keine Klagen angekommen – weder von Verkehrsteilnehmern, die sich ärgern, noch Eltern oder Schülern, die sich über die Sicherheit Sorge machen. Gerade was die Sicherheit der Schüler oder anderen Passanten angeht, hält Rektor Michael Vollmer den vorhandenen Zebrastreifen für die beste Option. Denn wenn Fußgänger bei rot für sie, aber grün für den Verkehr die Straße überqueren, sei das "wesentlich gefährlicher". Dass die Autofahrer am Zebrastreifen anhalten, klappe gut, so Vollmer. Beate Clot, Leiterin des Schulverbunds Nellenburg, sagt dazu: "Die Situation ist mit dem Zebrastreifen für die Schüler meiner Einschätzung nach geregelt." Was die Sache gefährlich mache, sei, dass manche über die Straße gingen, ohne zu schauen. Darauf weise sie die Schüler auch immer wieder hin. Es sei wichtig, bei den Kindern und Jugendlichen das Bewusstsein zu wecken, nicht einfach über die Straße zu rennen.

Im Rahmen einer Umfrage im Internet meldeten sich viele Leser, die die Verkehrsprobleme auch mit dem Stichwort Elterntaxi in Verbindung brachten. Wenn Eltern ihre Kinder nicht zur Schule brächten, gäbe es weniger Verkehr, so viele der Rückmeldungen. Auch Beate Clot spricht den Bring- und Hohlverkehr an: "Die Situation würde sich verbessern, wenn weniger Eltern die Schüler selbst zur Schule brächten." Zum Berufsverkehr sagte ein Leser, dass sich dieser nicht einfach wegzaubern lasse: "Das wird immer ein Problem bleiben, da in Stockach die Verkehrslage sowieso ein Knackpunkt ist. Hausgemachter Verkehr könne eingedämmt werden, doch das Thema der Umfahrungen sei "nicht so einfach und mal so schnell zu lösen, da es auch finanziell schwer zu stemmen sein wird".

Danny Cirillo hat früher im Hallenbad gearbeitet und kennt die täglichen Situationen in der Dillstraße. Er habe oft beobachten können, wie Fahrzeuge rund fünf Minuten lang am Zebrastreifen warten mussten. "Es führte teilweise so zur Ungeduld, dass Autofahrer absichtlich auf den Zebrastreifen rollten, damit die Schüler Platz machen mussten", sagt er. Cirillo fände eine Ampel gut. Oder alternativ, wenn "vielleicht 18-jährige Schüler zu Schülerlotsen ausgebildet werden könnten, um leicht den Verkehr regeln zu können, um einen fairen Ablauf für Autofahrer und Schüler herstellen zu können". Einen erfolglosen Versuch gab es aber bereits (sieht Infokasten).

Wie geht es nun von offizieller Seite weiter? Der Planungsausschuss hat Peter Fritschi beauftragt, nach einer umsetzbaren Lösung zu suchen. Bereits im Ausschuss sagte Joachim Kramer (SPD) aber auch: "Ich verstehe die Diskussion nicht. Es ist klar, wann Schulbeginn ist. Man kann auch einfach vorher oder nachher fahren." Dann lasse es sich vermeiden, im Stau zu stehen. Ähnlich argumentiert auch Michael Vollmer. Es gehe um sehr begrenzte Zeiträume. Beate Clot meidet bewusst diese Uhrzeiten, weil sie um den Stau weiß.

Vollmer verweist auch auf ein anderes Beispiel mit starker Fußgängerfrequenz in der Stadt: Der Zebrastreifen in der Heinrich-Fahr-Straße (B 313) am Busbahnhof, an dem die Mitarbeiter der Gerhard Haas KG, die Straße überqueren und der Verkehr halten muss. Stadtauswärts geht es dort Richtung Tuttlingen (B 14) und Meßkirch (B 313).

 

Schülerlotsen-Versuch

An den Schulen gab es bereits einen Versuch, Schülerlotsen zu etablieren, damit die Schüler sicher über die Straße kommen. Beate Clot (Schulverbund) erinnert sich zurück, dass ein Problem gewesen sei, dass die Jugendlichen auf den Bus angewiesen waren und rechtzeitig da sein müssen. Schüler hätten die Lotsen auch teils ignoriert. Michael Vollmer (Gymnasium) erklärte hierzu auch, dass den Lotsen altersbedingt die nötige Autorität gefehlt habe. (löf)