Die Umweltbewegung ist weit gekommen – das kann man auch am Beispiel von Stockach und seinem Umweltzentrum (UZ) sehen. Früher dürften die meisten eher eine Gruppe von spinnerten Ökos gesehen haben – das hat zum Beispiel zum 25-jährigen Bestehen des UZ im Jahr 2017 der Vorsitzende des Trägervereins, Karl-Hermann Rist, durchblicken lassen. Heute ist die Einrichtung allgemein akzeptiert in der Mitte der Gesellschaft. Diese jetzige Position des institutionalisierten Umweltschutzes zeigte sich zum Beispiel in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses im Gemeinderat.

Da stellte Sabrina Molkenthin, die Leiterin des Umweltzentrums, ihren Tätigkeitsbericht vor, und der Ausschuss hatte über einen neuen Auftrag an das UZ zu entscheiden. Denn die Einrichtung übernimmt verschiedene Pflichtaufgaben im Auftrag der Stadt, für die diese sonst eigenes Personal bereithalten müsste. Dafür bekommt das UZ eine Vergütung. Und nach der Abstimmung, die einstimmig für den neuen Auftrag ausfiel, hob Bürgermeister Rainer Stolz hervor: "Das Gremium steht hinter Ihrer Arbeit, das ist überhaupt kein Diskussionsthema mehr." Das UZ arbeitet in einer Gemengelage, in der Umweltschutzauflagen in vielen Punkten immer strenger werden, der Wettbewerb um Flächen aber immer intensiver. Stolz hob vor Molkenthins Vortrag als Beispiel die Mitarbeit am Modellprojekt Biotopverbund Offenland hervor, das vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, federführend betreut wird.

Molkenthin berichtete über die drei Aufgabenbereiche lokale Agenda 21, Naturdenkmale sowie Wertstoffhof und Abfallberatung, die durch den städtischen Auftrag abgedeckt werden. Eine Vielzahl von Aufgaben für die Umwelt in Stockach und Umgebung fallen dabei an. Auch Molkenthin ging näher auf den Biotopverbund Offenland ein. Inzwischen gebe es einen Katalog von 14 Maßnahmen, an dessen Umsetzung bereits gearbeitet werde. So entstehen bei Jettweiler Kleingewässer für Amphibien, bei Hoppetenzell wurde ein Magerrasen von Gesträuch befreit. Wertvoll für die Stadt sind solche Projekte nicht nur wegen des Umweltschutzes, sondern auch weil es dafür teilweise Ökopunkte gibt – die man bei Bauvorhaben als Ausgleich heranziehen kann.

Am Storchenweiher am Erlenhof in der Nähe von Wahlwies gesichtet: Ein Laubfrosch sitzt im Röhricht.
Am Storchenweiher am Erlenhof in der Nähe von Wahlwies gesichtet: Ein Laubfrosch sitzt im Röhricht. | Bild: Stephan Freißmann

Bei der Anlage von Amphibiengewässern arbeite man eng mit anderen Organisationen wie der Sielmann-Stiftung zusammen, so Molkenthin. Im Storchenweiher am Erlenhof beim Ortsteil Wahlwies seien inzwischen 26 Libellenarten nachgewiesen, bei der Gabel­azurjungfer sei der einzige Nachweis im Bodenseeraum dort gelungen. Und das grüne Band, eine Reihe von miteinander verbundenen Biotopen, verbinde inzwischen auf einer Länge von vier Kilometern Wahlwies und Espasingen. Zur Rubrik lokale Agenda 21 gehören außerdem viele Veranstaltungen, bei denen das UZ auch Schüler und jüngere Kinder ansprechen will, zum Beispiel auf dem Streuobstlehrpfad der Stadt.

Weitere öffentlichkeitswirksame Teile der Arbeit am UZ sind der Betrieb des Wertstoffhofs und die Abfallberatung. Auch in diesem Bereich kommen Schulklassen ins Spiel, nämlich bei Müllsammelaktionen. In die Öffentlichkeit habe man die Belange des Umweltschutzes zudem beim verkaufsoffenen Sonntag mit einem Stand zur Elektromobilität gebracht, so Molkenthin. Und für die radelnde Öffentlichkeit arbeitet das UZ an der Beschilderung von Radwegen, laut Molkenthin "ein größeres Projekt".

Zum Ausblick auf die Zukunft sagte sie, man wolle im Wesentlichen die laufenden Projekte weiter vorantreiben, zum Beispiel den Biotopverbund. Den Ausschuss hat der Bericht in jedem Fall überzeugt. Martin Bosch (CDU) sagte: "Es ist beeindruckend, was das Umweltzentrum alles macht." Die Stadträte erteilten den Auftrag einstimmig für zwei weitere Jahre. Jährlich fließen dafür 52 500 Euro aus der städtischen Kasse an das UZ – im zurückliegenden Zweijahreszeitraum lag dieser Betrag noch bei 50 000 Euro.

Das Umweltzentrum

Die unabhängige Einrichtung wird von einem Verein getragen. Im Jahr 2017 kamen 1895 Teilnehmer zu 84 Veranstaltungen des UZ (2016: 1740 Teilnehmer bei 90 Veranstaltungen). Zwölf Veranstaltungen mit 243 Teilnehmern richteten sich 2017 an Schulen (2016: elf Veranstaltungen mit 231 Teilnehmern). (eph)