Stockach Theaterstück gegen Mobbing in den Schulen

Für viele Menschen ist Mobbing Alltag. Mit einem Theaterstück sollten Fünf- und Sechstklässler in Stockach sensibilisiert werden.

Sie treten geschlossen im Kampf gegen das Schikanieren und Bloßstellen im Schulalltag auf: Mit dem Theaterstück „Rausgemobbt“ der Comic On Theaterproduktion aus Köln haben die Stockacher Schulen jetzt ein Zeichen gesetzt.

Durch eine Spende des Stockacher Lions Clubs über 1150 Euro konnten die sechsten Klassen der Realschule und des gastgebenden Nellenburg-Gymnasiums die Aufführung sehen. Den gleichen Betrag übernahm die Stadtjugendpflege, um die Aufführung für die fünften Klassen der beiden Schulen zu finanzieren.

Die Organisatorin und Schulsozialarbeiterin des Nellenburg-Gymnasiums, Angelika Winter sagt: „Die Hemmschwelle vor allem beim Cyber-Mobbing ist unglaublich niedrig.“ Der Schulleiter des Nellenburg-Gymnasiums, Michael Vollmer, pflichtet ihr bei: „Gerade das Cyber-Mobbing kommt meistens aus dem Klassenverband. Es ist also unmittelbar eine Angelegenheit der Schule.“ Es sei die Aufgabe der Lehrer, die Schüler für dieses Thema zu sensibilisieren. Der entscheidende Punkt sei jedoch, so Vollmer, Mobbing nachhaltig zu bekämpfen: „Die Theateraufführung soll nur ein Anstoß sein und muss in den Klassen weiter diskutiert werden. Im Nachhinein muss etwas passieren, um das Bewusstsein zu schärfen.“ Er betont: „Wenn irgendein Fall von Mobbing in dieser Schule bekannt wird, schreite ich als Schulleiter sofort ein. Das wird nicht auf die lange Bank geschoben, da muss man gleich aktiv werden.“ Sein Kollege von der Realschule, Schulleiter Manfred Kehlert, nimmt das Thema ebenfalls sehr ernst: „Mobbing ist kein Witz. Ich will Bewusstheit und Betroffenheit schaffen.“ Nach der einstündigen Aufführung wird dann noch in den Klassenzimmern mit den Schauspielern über Mobbing diskutiert. Die Kinder sind mit Leib und Seele dabei, jeder hat etwas zu dem Thema zu sagen. „So eine Ernsthaftigkeit bei den Schülern merkt man selten“, sagt die Schulsozialarbeiterin der Realschule Petra Brinkmann. Unter den 10 bis 11-Jährigen hat praktisch jeder ein Smartphone, fast alle nutzen Dienste wie Whats App, Facebook oder Instagram. „Man muss wissen, wie man mit den neuen Medien umgeht“, ist Frank Dei überzeugt. Schnell wird klar, wie gefährlich vor allem die Gruppendynamik innerhalb einer Klasse sein kann. Stadtjugendpfleger Frank Dei ist überzeugt: „Das ist ein Riesen-Thema, da muss man dran arbeiten.“ Gerade in geschlossenen Zwangsgemeinschaften wie in Schulen oder auch in der Bundeswehr sei Mobbing ein großes Problem. „Vor allem das Cyber-Mobbing nimmt mehr und mehr überhand“, sagt Frank Dei. Bei der Frage nach dem „Warum?“ stoße man häufig auf mangelndes Selbstwertgefühl auf Seiten der Täter, so Dei. Er sagt: „Es gibt Möglichkeiten, gegen Mobbing vorzugehen. Man muss diese Möglichkeiten nur wirklich leben.“ Er nimmt jedoch nicht nur die Lehrer in die Pflicht: „Es muss auch einfach mehr Unterstützung auf Seiten der Eltern geben.“ Ziel sei ein Unterstützersystem für die Opfer: „Wir müssen eine Kultur schaffen, in der klar ist: Die Gruppe der Helfer ist zu stark, die Peiniger sind klar in der Minderheit.“

Ein Sechstklässler sagt zum Abschluss treffend: „Mobbing kann jeden treffen, denn nichts ist normal.“


Das aufgeführte Stück

„Rausgemobbt“ ist ein Theaterstück der Kölner Theaterproduktion „Comic On“. Das Stück thematisiert die missbräuchliche Nutzung von Handys und Computern bei Kindern und Jugendlichen. Der Regisseur konzentriert sich in seinem 45-minütigen Stück auf die „anonyme Gewalt“: das Cyber-Mobbing im Internet. Drei Schauspieler zeigen das Stück deutschlandweit in den Schulen, um die Schüler für das Thema Mobbing zu sensibilisieren. (msc)

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