Vor vielen Jahren waren „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt das erste Stück der Theater-AG am Nellenburg-Gymnasium, die damals von Hanneli Schott geleitet wurde. Seit Oktober sind Judith Glunk und Felicitas Träger deren Leiterinnen. Auch sie wählten die Komödie, die ebenso als Drama verstanden werden kann, als erstes Projekt. Das 1961 entstandene Werk hat auch in der heutigen Zeit nichts von seiner Aktualität verloren.

Eindringlich und ausdrucksstark stellen die 15 jugendlichen Schauspieler ihre Charaktere auf der Bühne dar. Sie nehmen die Zuschauer mit in den Salon der Villa des Sanatoriums „Les Cerisiers“. Im Mittelpunkt der Handlung stehen drei Physiker, die sich als Geisteskranke ausgeben.

Der erste von ihnen behauptet, Albert Einstein zu sein, der zweite hält sich angeblich für Isaac Newton. Der dritte, Johann Wilhelm Möbius, hat die sogenannte Weltformel entdeckt, die in den falschen Händen zur Vernichtung der gesamten Menschheit führen könnte. Ihm erscheine König Salomo, erzählt er immer wieder, um sich selbst unglaubwürdig zu machen und so dem Missbrauch seiner revolutionären Entdeckung vorzubeugen. Newton und Einstein hingegen sind – das stellt sich im zweiten Teil heraus – tatsächlich Agenten rivalisierender Geheimdienste. Sie haben sich ins Irrenhaus einweisen lassen, um an Möbius‚ Erkenntnisse zu gelangen und diese für ihre Zwecke zu nutzen.

Mathis Schuller, Finn Trinkner und Florian Gamer als die Söhne von Johann Wilhelm Möbius spielen ein Flötenständchen für Klara Vierl als Ex-Frau von Möbius und Tim Rossatti als Möbius (von links). Rechts im Bild Tobias Eschbach als Missionar Oskar Rose.
Mathis Schuller, Finn Trinkner und Florian Gamer als die Söhne von Johann Wilhelm Möbius spielen ein Flötenständchen für Klara Vierl als Ex-Frau von Möbius und Tim Rossatti als Möbius (von links). Rechts im Bild Tobias Eschbach als Missionar Oskar Rose. | Bild: Claudia Ladwig

Die Männer erdrosseln nach und nach ihre Krankenschwestern, weil sie um ihre Geheimnisse fürchten. Zuletzt tötet Möbius seine Krankenschwester Monika. Während die Polizei zur Ermittlung des Tathergangs eintrifft, vernichtet er seine Formel. Es gelingt ihm, seine beiden Kollegen davon zu überzeugen, ihr gefährliches Wissen zu verschweigen und sich weiter verwirrt zu geben, damit die Welt vor dem Untergang bewahrt werde. Zu spät: Mathilde von Zahnd, die Besitzerin und Chefärztin des Irrenhauses, hat heimlich Möbius‚ sämtliche Aufzeichnungen kopiert. Als die einzig wirklich Verrückte glaubt sie tatsächlich, im Auftrag König Salomos zu handeln, und will mit der Formel die Weltherrschaft erringen. Die Physiker, die durch die Morde öffentlich als Verrückte gebrandmarkt sind, bleiben machtlos eingesperrt.

Nach der Vorpremiere vor den zehnten und elften Klassen freuen sich die Darsteller über den großen Applaus. „Das war definitiv total cool“, sagt Tobias Eschbach („Einstein“), der nach zwei Musicals erstmals Theater spielt. „Es macht Spaß, das Stück nach so langer Arbeit den Leuten zu präsentieren und ihnen was mitzugeben.“ Das Werk gefalle ihm sehr. „Es ist immer noch aktuell und regt zum Denken an.“

Am Ende ist klar: Wirklich verrückt und dadurch unberechenbar ist nur die Leiterin des Sanatoriums, Fräulein Dr. Mathilde von Zahnd (Lisa Kempter). Sie sorgt dafür, dass die drei „Physiker“, von denen zwei Agenten sind, für immer eingesperrt bleiben. Tobias Eschbach, Tim Rossatti und Justus Ratzke (von linkas) ahnen, dass sie die Welt nicht retten können.
Am Ende ist klar: Wirklich verrückt und dadurch unberechenbar ist nur die Leiterin des Sanatoriums, Fräulein Dr. Mathilde von Zahnd (Lisa Kempter). Sie sorgt dafür, dass die drei „Physiker“, von denen zwei Agenten sind, für immer eingesperrt bleiben. Tobias Eschbach, Tim Rossatti und Justus Ratzke (von linkas) ahnen, dass sie die Welt nicht retten können. | Bild: Claudia Ladwig

Justus Ratzke übernimmt drei Rollen: Er spielt an verschiedenen Tagen „Newton“, den Oberpfleger sowie einen von Möbius‚ Söhnen. „Das war schon recht anstrengend, wir hatten sehr viele Proben in letzter Zeit“, erzählt er. Aufgeregt sei er nicht mehr, dafür habe er schon genug Routine, vermutet er. Den vielen Text habe er direkt während des Spielens gelernt. Er findet seine Mitspieler toll: „Das ist eine super Truppe.“ Dem schließt sich Lehrerin Felicitas Träger an: „In weiten Teilen hat es geklappt wie geplant. Mit kleinen Unstimmigkeiten sind sie souverän umgegangen. Das zeigt mir, wie wach sie während ihres Spiels und im Umgang miteinander sind. Uns als Leiterinnen haben sie überzeugt.“ Sie sei sehr stolz auf ihre Gruppe, verrät sie.