Wortgewandt und mit gewitzter Mimik unterhielt Simon Weiland seine Zuschauer mit seiner Aufführung "Rotkäppchen – Die Blumen des Bösen?" Gegenüber dem Grimmschen Märchen gönnte er sich dabei zahlreiche Freiheiten. Ziel der Aufführung bei Bücher am Markt war es, eine Welt der Träume und Märchen zu schaffen. Und Weilands knapp einstündiger Auftritt zog alle Zuschauer in seinen Bann. Denn es handelte sich nicht um eine einfache Erzählung. Der Künstler untermalte das Stück mit Musik, Gesang und Pantomime. Zudem sorgten Wortspiele für Erheiterung.

Und Weiland blieb nicht ausschließlich bei der Geschichte vom Rotkäppchen: So fielen viele Vergleiche über den Garten Eden und die Frucht der Erkenntnis am Baum – die zarteste Versuchung, seit es Erkenntnis gibt. Aber das war noch längst nicht alles: So pflückt der Wolf Blumen mit Rotkäppchen, während ein Werwolf zum Haus der Großmutter geht. Dieser liest dann verschiedene Versionen seiner eigenen Geschichte, die er bei der Großmutter findet.

Die Szenen flossen beinahe unbemerkt ineinander, was nicht nur das Publikum auf Trab hielt, sondern auch ein ungewohntes Erlebnis bot. Die zufällig erscheinenden Gedankensprünge erinnerten an eine Art Wachtraum und sorgten für eine teilweise surreale Erfahrung. So ließ das Stück viel Spielraum für eigene Interpretation und ignorierte herkömmliche Herangehensweisen. Der Jäger und Retter des Mädchens war beispielsweise am Ende der Wolf – der ebenfalls den Anweisungen eines Buches folgte.

Denkanstöße setzten Metaphern, die in den Raum geworfen wurden. Generell ließen sich viele Gedanken auf den Alltag übertragen, oder nahmen direkten Bezug darauf. Das Stück endete auf einer positiven Note: Der Wolf rettet Rotkäppchen, und sie rettet ihn vor seiner Angst vor dem Jäger: "Schau dich doch an, du bist selber ein Jäger." Die Zuschauer bedankten sich mit lautem Beifall.