Sie trägt einen rostrot schimmernden Pelz, zwei schwarze Hörnchen auf dem Kopf und zählt zu den fleißigsten ihrer Art: die Mauerbiene. Sie summt von früh bis spät, sammelt Pollen und bestäubt Blüte um Blüte – und das bereits bei tiefen Temperaturen, wenn die Honigbiene lieber im behaglich warmen Stock verweilt. Ein Grund, warum vor allem Obstbauern in der Bodenseeregion im Frühjahr auf die Mauerbiene setzen, darunter auch der Bodmaner Obstbaubetrieb Gut Bodman Ledergerberer. Denn hier wollen sie die Bestäubung nicht mehr rein dem Zufall überlassen.

"Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, wie wir den Bestäubungsprozess optimieren können", sagt Betriebsleiter und Gesellschafter Bertram Ledergerberer. Und diese Möglichkeit scheinen er uns sein Geschäftspartner Johannes von Bodman nun gefunden zu haben. Denn wie 22 weitere Obstbauern aus der Bodenseeregion bezogen sie in diesem Frühjahr eben jene Mauerbienen von Pollinature, einem Unternehmen aus Konstanz, das aus dem Verleih der Tiere ein Geschäftsmodell entwickelt hat: 30 Völker mit je 500 Bienen. Deren Nistkästen wurden dann am Rande der Obstanlagen platziert. Hier sollten die Tiere vor allem in kalten Schlechtwetterphasen während der Blüte, die in diesem Jahr Ende April begann, die Bestäubung sichern – und somit den Ertrag. Denn der sei vor allem im vergangenen Jahr mit Spätfrost und Ernteausfällen um die 90 Prozent ein Desaster gewesen, so Johannes von Bodman. "Damals hatten wir außerdem eine Kältephase", ergänzt Bertram Ledergerberer, "selbst wenn die Blüten damals also nicht erfroren wären, wäre der Ertrag schlecht gewesen."

Umso erfreulicher ist für die zwei Geschäftspartner in diesem Jahr der Rundgang durch eine der zahlreichen Apfelanlagen nach Ende der Blüte. "Es ist unglaublich, wie viele Früchte diese Bäume jetzt tragen", sagt Johannes von Bodman und fügt hinzu. "Wir gehen tatsächlich davon aus, dass es dieses Jahr ein gutes Jahr wird." Die hohe Bestäubungsrate führen Ledergerber und von Bodman aber nicht nur auf den Einsatz der Mauerbiene zurück. "Die hat sicher ihren Beitrag geleistet, denn es war faszinierend zu sehen, wie sie von Beginn der Blüte an ausgeschwärmt ist", sagt von Bodman. Aber auch die Temperaturen, der Wind und die gemeine Honigbiene habe Anteil an dem bisherigen Ergebnis. Denn 70 bis 100 Völker dieser Art unterstützen ihre Verwandten bei der anstrengenden Arbeit.

Dass der Bestäubung mittlerweile aktiv nachgeholfen werden muss, geht jedoch auch ein tiefgreifendes Problem voraus: der Schwund wildlebender Insekten in und um Monokulturen herum. Ein Problem, das auch von Bodman und Ledergerber erkannt haben. "Deshalb sind mittlerweile rund fünf Prozent unserer Flächen am Rande von Obstanlagen Blumenwiesen, um den Bestand wildlebender Insekten zu fördern", so von Bodman.

Die Mauerbiene

  • Die Bestäubung läuft bei der Mauerbiene effizienter ab als bei der Honigbiene, das sagt Pollinature-Geschäftsführer Christian Hauptmann. So sammelt die Mauerbiene den Pollen trocken an ihrem Bauch, während ihn die Honigbiene feucht und verklumpt an den Beinen transportiert. Durch die höhere Effizienz ersetze eine Mauerbiene deshalb viele Honigbienen.
  • Etwa 150 Obstbaubetriebe in Deutschland belieferte Pollinature 2018 bislang mit Mauerbienen. Je nach Örtlichkeit werden pro Hektar 500 bis 2500 der Tiere eingesetzt.