Ein Chefarzt erfüllt für ein Krankenhaus eine entscheidende Funktion. Und wenn ein Chefarzt ein Krankenhaus verlässt, ist das eine Personalie, die die Menschen beinahe zwangsläufig bewegt. So ist es auch beim Weggang von Chef-Chirurg Markus Cober vom Stockacher Krankenhaus. Der Arzt, der am 1. Januar 2014 die Leitung der chirurgischen Abteilung übernommen hatte, verlässt das Haus Ende Juni dieses Jahres. Als das Krankenhaus die Nachricht öffentlich machte, betonte Geschäftsführer Michael Hanke die Botschaft, dass der Betrieb in jedem Fall weitergehe. Einstweilen leite Oberarzt Thomas Wienert die Abteilung. Und man strebe an, dass ein Nachfolger für Cober bereits am 1. Juli den Dienst antrete.

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Was bedeutet es nun für ein kleines Krankenhaus wie das Stockacher, wenn einer von drei Chefärzten das Team verlässt? „Wenn Chefärzte gehen, ist das immer sehr schwerwiegend“, sagt Geschäftsführer Hanke dazu. Das sei auch in größeren Häusern so. Hanke spricht aus Erfahrung, denn er hat viele Berufsjahre in größeren Krankenhäusern verbracht. Wenn man ihn über die Rolle eines Chefarztes sprechen hört, entsteht das Bild eines Aushängeschildes und einer Kontaktperson mit einiger Strahlkraft über die eigene Einrichtung hinaus. Von einem Chefarzt hänge vieles ab. Außerdem habe Cober ein relativ breites Spektrum der Chirurgie abgedeckt. Die Chancen, einen Nachfolger für ihn zu finden, stünden indes nicht schlecht, sagt Michael Hanke auch noch zu dem Thema. Interessenten und Bewerbungsgespräche gebe es jedenfalls.

Wird weggehen: Markus Cober gibt seinen Posten als Chefarzt am Stockacher Krankenhaus auf. Archivbild: Georg Becker
Wird weggehen: Markus Cober gibt seinen Posten als Chefarzt am Stockacher Krankenhaus auf. Archivbild: Georg Becker | Bild: Becker, Georg

Könnte bei Cobers Weggang eine Rolle gespielt haben, dass der lange geplante und gewünschte neue Bettentrakt immer noch nicht Wirklichkeit geworden ist? Zur Erinnerung: Links neben dem Eingang zum Krankenhaus sollen in einem Anbau moderne Patientenzimmer mit jeweils zwei Betten untergebracht werden. Danach soll der Bestand an Patientenzimmern saniert werden. Ist dies alles erledigt, gibt es am Stockacher Krankenhaus nur noch wenige Zimmer mit drei Betten, Zweibettzimmer werden Standard. Und die derzeit noch vorhandenen Vierbettzimmer gehören dann der Vergangenheit an. Bislang scheiterte der Neubau daran, dass man nach wie vor auf den offiziellen Zuschussbescheid für schon lange in Aussicht gestellte Landesmittel wartet. Im Jahr 2015 wurde der erste Förderantrag gestellt. Der offizielle Zuschussbescheid ist indes noch nicht da. Erst kam der Ministerwechsel im Sozialministerium nach der Landtagswahl 2016 dazwischen. Dann nahm das Prüfverfahren durch übergeordnete Behörden bei gleichzeitiger Personalknappheit viel Zeit in Anspruch und schließlich war der vorgesehene Fördertopf, laut Hanke das kleine Bauprogramm des Regierungspräsidiums Freiburg, für das Jahr 2018 aufgebraucht.

Privatpatienten als wichtiger Faktor

Hat diese lange Geschichte des Wartens das Stockacher Krankenhaus also nun einen Chefarzt gekostet? Einen eindeutigen kausalen Zusammenhang will Geschäftsführer Hanke nicht aufmachen. Hineingespielt haben könnte sie allerdings. Denn Hanke gibt zu: „Ein attraktives Angebot für Privatpatienten ist ein wichtiger Faktor.“ Und dazu gehören auch die Zimmer. Der Hintergrund ist: Patienten, die über den Kassenstandard hinaus Leistungen in Anspruch nehmen, sorgen für Einnahmen.

Beim Warten auf den Zuschussbescheid zeichnet sich offenbar allmählich ein Ende ab. In einer Stellungnahme der entscheidenden Behörde, des Regierungspräsidiums Freiburg, die auch Markus Jox, Pressesprecher des Stuttgarter Sozialministeriums, an die Redaktion weitergeleitet hat, heißt es: „Das Verfahren zur Förderung des Erweiterungsbaues des Krankenhauses Stockach ist nahezu abgeschlossen. Die Klinik kann mit einer Förderung von eineinhalb Millionen Euro rechnen.“ Letzter offener Punkt in dieser Darstellung: zwei Erklärungen des Stockacher Krankenhauses. Beides betreffe vollkommen normale Dinge, die zu so einem Verfahren dazugehören, sagt Geschäftsführer Michael Hanke. Das Krankenhaus arbeite daran.

Das Regierungspräsidium teilt weiter mit: „Sobald diese Unterlagen dem Regierungspräsidium vorliegen, wird der Bewilligungsbescheid versendet.“ Wie wichtig der neue Bettentrakt für das Krankenhaus ist, verdeutlicht dieser Satz von Hanke: „Um Privatpatienten stehen wir im Wettbewerb.“ Ärztliche und pflegerisch könne man in Stockach ohne Weiteres im Wettbewerb mithalten. Doch auch die Bauten gehören zum Gesamtpaket.

Warum hat Markus Cober seine Stelle nun aufgegeben? Er selbst teilte auf Anfrage mit, dass er sich zu seinem Weggang nicht in der Presse äußern möchte. Und auch Geschäftsführer Hanke schweigt sich über die Gründe für Cobers Abschied aus.