Wegen Bedrohung musste sich eine 34-Jährige vor dem Amtsgericht in Stockach verantworten. Im Oktober 2018 soll die Beschuldigte in einem Stockacher Café eine 28-jährige Frau beleidigt und bedroht haben. Laut Staatsanwaltschaft habe die Angeklagte der Frau gedroht, dass sie dafür sorge, dass diese „ihr Fett wegbekomme“. Ansonsten bringe sie diese „unter die Erde“. Diese gehöre nicht hierher und solle weg, sagte die Angeklagte laut Staatsanwaltschaft außerdem.

Es gab eine Vorgeschichte

„Die Dame hat mich provoziert. Es gab eine Vorgeschichte zwischen uns“, erzählte die Beschuldigte vor dem Amtsgericht. Sie sei von ihr zuvor als unberechenbare Stalkerin bezeichnet und bei der Polizei angezeigt worden. „Wegen einer Sache, die ich nicht begangen habe“, so die 34-Jährige. Also habe sie die Bekannte zur Rede stellen wollen. Gelegenheit dazu habe es gegeben, als man sich zufällig im Café begegnet sei. „Sie war mit einer Gruppe dort. Ich saß mit zwei Freunden am Tresen. Hätte ich sie bedroht, hätte das jeder gehört“, berichtete die Angeklagte. Und ergänzte: „Ich bin nur an ihren Tisch gegangen, wo mir unglücklicherweise Beleidigungen rausgerutscht sind.“ Zuvor sei sie wegen ihrer sexuellen Orientierung dumm angemacht worden. Das sei ihr zufolge der Knackpunkt gewesen. „Ich war dann in Rage und habe die Fassung verloren“, schilderte sie. Das sei das Einzige, was sie sich vorwerfen müsse.

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Die Geschädigte sagte im Zeugenstand vor Richterin Julia Elsner etwas anderes aus. Sie habe einen Schnaps, den die Angeklagte ihr ausgeben wollte, abgelehnt. „Dann stand sie auf einmal vor unserem Tisch und schrie mich an“, so die 28-Jährige. Auch Bedrohungen seien ausgesprochen worden. Mehrere Zeugen bestätigten diese Aussage. Die Geschädigte habe demnach noch im Café die Polizei gerufen und sei daraufhin nach draußen gegangen. „Sie kam irgendwann auch raus und schrie weiter. Ich habe aber nicht mehr viel mitbekommen, denn ich hatte einfach nur Angst.“ Das Verhältnis zu der Angeklagten beschrieb die 28-Jährige als „normalen Kontakt, aber keine Freundschaft“. Heute haben die beiden ihr zufolge nichts mehr miteinander zu tun. Die Liebesbeziehung zu ihrem aktuellen Partner vermutete die Geschädigte als Hauptgrund für die Auseinandersetzung im Oktober 2018. Die Angeklagte habe ihrer Ansicht nach regelmäßig Kontakt zu ihr gesucht und womöglich mehr von ihr gewollt, als sie zugab. „Mir wurde es zu viel, sie hat mir auch nachgestellt“, lautete ein Vorwurf, den die 28-Jährige im Zeugenstand machte.

Wurden Fotos gemacht?

Ein weiterer Auslöser für den Konflikt sind laut mehrerer Zeugenaussagen Fotoaufnahmen gewesen. „Es hieß, wir hätten Bilder von der Gruppe am Tisch gemacht“, sagte eine Frau, die an besagtem Tag mit der Angeklagten im Café war. Das sei aber nicht wahr gewesen, man habe nur sich selbst abgelichtet. Ein anderer Zeuge erzählte: „Wir sind bestimmt und höflich gebeten worden, damit aufzuhören, und das haben wir auch gemacht.“ Er bestätigte „lautere Tumulte“, sagte aber auch: „Für mich war die Sache gegessen, als die Polizei kam.“ Die kleine Gruppe mit der Angeklagten sei dann gegangen.

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Ein Polizist, der ebenfalls als Zeuge geladen war, bestätigte teilweise geäußerte Bedrohungen sowie Beleidigungen vonseiten der Angeklagten. „Die Situation war zunächst unklar, alle Beteiligten waren betrunken“, sagte er aus. Und fügte an: „Es kam zu einer verbalen Auseinandersetzung. Die Geschädigte war aufgelöst und verängstigt.“ Die Beschuldigte wiederum sei auch den Polizisten gegenüber aufgebracht, aber nicht aggressiv gewesen.

Geldstrafe in 45 Tagessätze aufgeteilt

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte, die Angeklagte mit einer Geldstrafe von 1125 Euro zu belangen. Sie habe sich der Bedrohung schuldig gemacht, sei allerdings nicht vorbestraft. Die 34 Jahre alte Angeklagte habe im Laufe der Verhandlung nichts von den Fotos erzählt und außer ihr selbst habe niemand die von ihr behaupteten Beleidigungen wegen ihrer sexuellen Orientierung bestätigen können. Am Ende entsprach Richterin Julia Elsner der Forderung der Staatsanwaltschaft und verhängte eine Geldstrafe von 1125 Euro. Diese wurde in 45 Tagessätze zu je 25 Euro aufgeteilt. Außerdem musste die Angeklagte die Kosten des Verfahrens tragen. Elsner war von ihrer Schuld überzeugt.

 

*Aktualisierung vom 23. Oktober 2019:

Die Angeklagte wehrt sich gegen die Vorwürfe: 1125 Euro Geldstrafe wegen Bedrohung: So lautete das Urteil, das Julia Elsner, Richterin am Stockacher Amtsgericht, kürzlich gegen eine Angeklagte verhängte. Doch die Frau wehrt sich weiterhin gegen die Vorwürfe. Sie habe mittlerweile Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt, berichtet sie bei einem Gespräch in der Redaktion. Das Stockacher Amtsgericht bestätigt auf Nachfrage, dass Rechtsmittel eingelegt worden seien. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig. Das Verfahren geht nun in die nächste Instanz, nämlich ans Konstanzer Landgericht. (eph)

 

 

Die Rechtslage

Das Strafgesetzbuch regelt in Paragraf 241, wie der Straftatbestand der Bedrohung geahndet werden soll. Darin heißt es: „Wer einen Menschen mit der Begehung eines gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten Verbrechens bedroht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“ Damit wird die Bedrohung vom Gesetzgeber als Vergehen eingeordnet (Paragraf 12 des Strafgesetzbuchs). Schwerere Straftaten, die als Verbrechen geahndet werden, sind im Mindestmaß mit Freiheitsstrafen von einem Jahr oder mehr bedroht. (eph)