Stockach Storchenexperte Wolfgang Schäfle beringt Jungstörche in Wahlwies

Bisher gibt es fünf Nester mit 14 jungen Störchen. Seit Anfang Juni ist Wolfgang Schäfle zur Beringung unterwegs, allerdings sind nicht alle Nester gut zugänglich. Demnächst unternehmen die Jungvögel die ersten Flugversuche

Stockach-Wahlwies – Ringe für alle: Nun haben auch die Wahlwieser Jungstörche eine unverwechselbare Kennzeichnung. Storchenvater Wolfgang Schäfle befestigte die schwarzen Kunststoffringe mit der individuellen Nummer am linken Bein jedes Jungtiers. Bei ungerader Jahreszahl sitzt der Ring links, im nächsten Jahr wird rechts beringt. Seit Anfang Juni ist Schäfle in Sachen Beringung unterwegs. Viele Termine hat er in diesem Jahr schon mit seinem Nachfolger Hans-Peter Wickert wahrgenommen. Weil dieser am Wahlwies-Termin keine Zeit hatte, kam Schäfle allein. Unterstützt wurde er wieder durch Johannes Zehnle von der Feuerwehr Stockach. Dieser lenkte die lange Leiter mit Korb zentimetergenau an die einzelnen Horste.

Gleich beim ersten Nest Im Bindt war höchste Konzentration gefordert. Die Storcheneltern flogen beim Anblick des Korbes, in dem mehrere Personen standen, fort und beobachten das Geschehen aus sicherer Entfernung. Häufig kreisen sie über dem Nest oder lassen sich auf einem Hausdach in der Nähe nieder. Ein Jungstorch wollte sich nicht hinlegen und Schäfle befürchtete, er würde versuchen, davon zu fliegen – obwohl er das noch nicht richtig könne. „Diese Störche hier sind acht Wochen alt. Ich bin schon ein bisschen spät dran“, erklärte der Experte. Ruhig sprach er mit den Vögeln und packte den stehenden Storch beherzt am Gefieder. Dieser zappelte und ließ sich zunächst kaum beruhigen. Am Ende waren er und seine drei Geschwister mit den Nummer 413 bis 416 beringt. Wolfgang Schäfle trug die Nummern direkt im Anschluss in seine Liste ein.

In der Webergasse wurden drei Störche beringt. Hier gab es keinen Protest der Tiere, im Gegenteil: Sie blieben ganz ruhig liegen und stellten sich tot. „Sieben Wochen alt sind sie“, sagte Schäfle. Drei Störche pro Nest seien gut, fünf wie in Nenzingen oder einem Horst in Böhringen eher die Ausnahme, erläuterte Wolfgang Schäfle.

Auch im Nachbarnest an der Pestalozzistraße ging es schnell: Die zwei Störche seien ebenfalls sieben Wochen alt, ihr Gefieder sei komplett, nun könne ihnen eigentlich nichts mehr geschehen, sagte Schäfle. „Wenn die Tiere zwei bis fünf Wochen alt sind, kann eine entsprechende Witterung gefährlich sein, aber jetzt sind sie über den Berg.“ Die Hitze mache den Störchen nichts aus.

Beim Erlenhof beringte Schäfle vier Störche, ans Nest bei der Reithalle, wo ein Jungstorch mit seinen Eltern lebt, kam er nicht heran. Die Radolfzellerin Anne Wesolly war begeistert. Sie war bei einer der fünf Exkursionen dabei gewesen, die Schäfle im Rahmen des Radolfzeller Stadtjubiläums als Bürgerprojekt letzte Woche organisiert hatte. Dort hatte sie gefragt, ob sie beim Beringen zuschauen dürfe. „Es ist toll, die Störche so aus der Nähe zu sehen“, freute sie sich in luftiger Höhe.

Ende Juli bis Ende August werden sich die Jungstörche sammeln und auf die Reise in den Süden begeben. Das könnten Gruppen von 20 bis 30, aber auch bis zu 100 Störche sein, erklärte der 79-jährige Storchenexperte. Die Storcheneltern folgen rund vier Wochen später.

Jungvögel

2017 ist ein gutes Storchenjahr – so schätzt Storchenexperte Wolfgang Schäfle die Lage ein, ohne genaue Zahlen zu haben. Es wird noch etwas dauern, bis er in der Region die Jungstörche beringt hat. An manche Nester kommt er nicht heran. Im Schandenried bei Wahlwies sei ein sechstes Nest entstanden. Es führe jedoch kein befahrbarer Weg dorthin. (wig)

Ihre Meinung ist uns wichtig
Herbstliche Weine vom Bodensee
Neu aus diesem Ressort
Stockach
Stockach
Stockach
Stockach/Mehring
Stockach-Hindelwangen
Stockach
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren