Wenn bei einer Wahl der Amtsinhaber selbst antritt, sind die Rollen klar verteilt. Hier der Routinier, der auf alles verweisen kann, was er bislang erreicht hat. Da der Herausforderer, der nur Ideen und Pläne präsentieren kann – zumal wenn er bislang nicht in der Verwaltung gearbeitet und keine Referenzen aus einer anderen Gemeinde hat. Diese Rollenverteilung wurde auch bei der städtischen Kandidatenvorstellung in der Jahnhalle deutlich. Amtsinhaber Rainer Stolz, der seit 24 Jahren Bürgermeister von Stockach ist und sich um eine vierte Amtszeit bewirbt, und Einzelhandelskaufmann Peter Adrian Gäng, der als selbstständiger Generalvertreter einer großen Versicherung arbeitet, konkurrieren um das Amt. Bei der Veranstaltung durften sich beide für jeweils 20 Minuten mit ihren Ideen für Stockach dem Publikum vorstellen. Danach konnten die Zuschauer jeweils 20 Minuten lang Fragen stellen – streng getrennt, denn der jeweils andere Kandidat war nicht im Raum.

  • Amtsinhaber Rainer Stolz nutzte die Zeit großenteils, um die Entwicklung der Stadt in den zurückliegenden 24 Jahren aus seiner Sicht darzustellen. Einige Punkte: Schuldenlast mehr als halbiert, Flächennutzungsplan mit viel Raum für Wohnen und Arbeiten erkämpft, durch Energiemanagement den Ressourcenverbrauch städtischer Gebäude gesenkt, wichtige Schritte zur Lösung von Verkehrsproblemen getan.
    Und: Den Kampf um das eigenständige Krankenhaus wolle er fortführen, bei der Kinderbetreuung setze er sich nicht nur für die Zahl der Plätze, sondern auch für die Qualität der Erziehung ein, Grundschulen sollen dezentral bleiben, den weiterführenden Schulen habe man mehr Durchlässigkeit verschafft. Unternehmensansiedlungen, Arbeitsplätze, Lebensmittelhandel – Stolz zieht eine Erfolgsbilanz. Auch die Oberstadt habe man aufgewertet, etwa durch die Einrichtung des Kulturzentrums im Alten Forstamt. Und schließlich lobte Stolz auch die Arbeit der Ortschaftsräte und die vielen Vereine, die das Leben in der Stadt prägen. Und die Zukunft? Planungsgrundlagen in einem neuen Flächennutzungsplan schaffen, ein neues Feuerwehrgerätehaus für die Kernstadt und weitere Investitionen in städtische Einrichtungen zählte Stolz beispielsweise auf.
  • Reaktionen aus dem Publikum: Wolfgang Reuther, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Stockacher Gemeinderat, der im Publikum saß, dankte Stolz in einer Meinungsäußerung für dessen Arbeit, auch im Namen der Fraktion. Es sei unbedingt wichtig, dass der Stockacher Bürgermeister die Interessen der Stadt im Kreistag vertrete und das gehe nur, wenn er in Stockach wohne – der Singener Gäng hatte einen Umzug nicht in Aussicht gestellt. Zuvor hatte Reuther Versammlungsleiter Hubert Walk, Hauptamtsleiter und Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses, um Erlaubnis für eine Meinungsäußerung gefragt, die dieser erteilt hatte. Friedrich Meixner sprach Verkehrsprobleme an. Stolz antwortete, dass vor allem die Belastung der Radolfzeller Straße ein Grund gewesen sei, sich für eine Umfahrung einzusetzen. Regina Gromball fragte nach einem Blitzer am Ortsausgang der Winterspürer Straße. Stolz versprach, das Thema aufzunehmen, die Frage nach dem Standort sei aber nicht einfach. Sabine Dinort bemängelte, dass sich die Oberstadt in den letzten 13 Jahren zum Nachteil entwickelt habe. Stolz entgegnete, dass sich Händler auf den kleinen Flächen spezialisieren müssten, um Erfolg zu haben. Wirtschaftsförderung und HHG würden sich kümmern, aber auch Eigentümer und Händler müssten etwas tun.
  • Herausforderer Peter Adrian Gäng brachte einige Pläne und Ideen mit. Zum Einstieg warf er einen Blick auf die städtische Haushaltsplanung und kam zu dem Schluss, dass der Haushalt auf Kante genäht sei. Er versprach, Wirtschaftsförderung zur Chefsache zu machen, sprach sich für eine Gewerbeschau und einen Tag der Vereine zum gegenseitigen Austausch aus und bekräftigte seinen Plan, eine Bürgersprechstunde einzurichten. Vereinen sagte er für den Fall des Wahlsiegs seine volle Unterstützung zu und plädierte für einen Seehäsle-Halt in Hindelwangen – nicht zuletzt könne dann die Schranke an der Schiesser-Kreuzung kürzer geschlossen werden, was den Stau verringern würde. Außerdem müsse verhindert werden, dass eine Ortsumfahrung hinter einem Wohngebiet entlanggeführt wird. Das Regierungspräsidium habe Alternativrouten vorgeschlagen, wozu er eine Bürgerbefragung vorschlage. Außerdem stellte Gäng vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Ortschaftsräten in Aussicht. Diese würden teilweise erst aus der Presse erfahren, was der Gemeinderat über ihren Ort beschlossen hat. So etwas werde es mit ihm nicht geben. Außerdem schlug Gäng die Beteiligung aller Gruppen vor und plädierte für das Mehrgenerationenwohnen.
  • Reaktionen aus dem Publikum: Gäng erntete Kritik von Andreas Bernhart, dem Ortsvorsteher von Espasingen, der im Publikum saß und das Saalmikrofon nutzte. Beim Vollzug des Haushalts sehe es regelmäßig deutlich besser aus als bei der Planung, sagte er, und auch die Zusammenarbeit von Ortschaftsrat und Stadtverwaltung sei aus seiner Sicht immer sehr gut gewesen. Gäng antwortete, dass sich Haushaltslagen rasch drehen könnten und dass er in manchen Ortsteilen eben auch Kritik gehört habe. Jeanette Schindler brachte den Tourismus ins Spiel, der in ihren Augen zu wenig entwickelt sei. Gäng stimmte zu und plädierte für mehr Hotels. Martin Bosch widersprach, dass schon einiges in Stockach für den Tourismus getan werde, doch Gäng blieb dabei, dass der Tourismus in Stockach "ausbaufähig" sei. Bernhard Bosch fragte, wie Gäng es mit dem Zustand der Friedhöfe halten wolle. Der Kandidat entgegnete, dass Friedhöfe gut gepflegt sein müssten und möglicherweise auch jemand neu dafür eingestellt werden müsse. Zizenhausens Ortsvorsteher Michael Junginger schließlich forderte einen Nachweis kommunalpolitischer Erfahrung von Gäng und gab sich mit dem Hinweis auf eine frühe Parteimitgliedschaft nicht zufrieden.

Der Wahltag

Am Sonntag, 24. September, sind die Wahllokale von 8 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Danach muss zuerst die gleichzeitige Bundestagswahl ausgezählt werden, ehe die Wahlhelfer an die Auszählung der Bürgermeisterwahl gehen können. Die Ergebnisse werden am Sonntagabend ab 18 Uhr im Bürgerhaus Adler Post präsentiert. Für die Bürgermeisterwahl rechnet Hubert Walk, Hauptamtsleiter und Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses, mit ersten Ergebnissen frühestens gegen 20 Uhr. Der Gemeindewahlausschuss trifft sich für die Feststellung des Ergebnisses am Montag, 25. September, um 18 Uhr. (eph)