Bewohner von Stockach müssen sich ab dem Jahreswechsel auf höhere Wasserpreise einstellen. Dies war Thema in der jüngsten Sitzung des Stockacher Gemeinderats. Demnach wird der Verbrauchspreis für einen Kubikmeter – also 1000 Liter – Trinkwasser von 2,18 Euro auf 2,41 Euro steigen. Der Grundpreis wird von 4,17 Euro auf 5,24 Euro im Monat steigen (jeweils Bruttopreise).

In einer Modellrechnung, die die Stadtwerke per Pressemitteilung verbreiteten, ergibt sich daraus für einen Vier-Personen-Haushalt, der 150 Kubikmeter Wasser im Jahr verbraucht, ein Mehrpreis von 46,55 Euro im Jahr – eine Steigerung von 377,49 Euro auf 424,04 Euro. Der Preissteigerung liegt ein Aufsichtsratsbeschluss zugrunde.

Die Hintergründe erklärte Stadtwerke-Prokurist Jochen Stein im Gemeinderat. Als Flächengemeinde habe Stockach zwar ein langes Rohrleitungsnetz, aber nur wenige Abnehmer. Für die Behebung von Rohrbrüchen habe der städtische Versorger hohe Kosten. Trotzdem liegt der Anteil der Wasserverluste bei etwa 17 Prozent – laut der Sitzungsvorlage eine Verbesserung um zwei Prozentpunkte seit 2015. Laut Jochen Stein ist das ein akzeptabler Wert für eine Flächengemeinde. Und es habe umfassende Investitionen gegeben.

Viele Faktoren führen zur Erhöhung

Außerdem seien die Stadtwerke beim Trinkwasser inzwischen stärker von der Bodenseewasserversorgung (BWV) abhängig. 2015 habe der Eigenwasseranteil der Stadtwerke noch 60 Prozent betragen, 2018 habe man 60 Prozent Wasser zukaufen müssen. „Die Kosten für den Wasserbezug steigen deutlich an“, heißt es dazu in der Sitzungsvorlage.

Und der höhere Einkauf bei der BWV hängt wiederum mit der Lage bei den eigenen Trinkwasserbrunnen zusammen. Der Ortsteil Wahlwies wird seit einiger Zeit nicht mehr durch den Tiefbrunnen Herrensteig und die Rienequelle versorgt. Die Wasserqualität des Tiefbrunnens schwankt stark, weil er nahe der Aach liegt, die Rienequelle kann man nicht alleine nutzen, weil ihr Wasser sonst zu sehr von Nitrat belastet wäre. Dies ging aus dem Jahresbericht der Stadtwerke für 2018 hervor.

Thomas Warndorf (SPD) veranlasste das zu der Frage, ob man aus eigenen Brunnen wieder mehr Wasser entnehmen könnte. An den Brunnen sei man dran, sagte Jochen Stein dazu. Die Frage sei, ob man in der Kniebreche einen neuen Brunnen schaffen könnte, oder beispielsweise in Wahlwies oder am Dillbrunnen wieder Wasser nutzen könnte. Doch am Dillbrunnen scheitere dies daran, dass man das Wasserschutzgebiet wegen Bebauung nicht weit genug ausdehnen könne, sagte Bürgermeister Rainer Stolz dazu. Die Kosten für Bauarbeiten gegen Leckagen im Leitungsnetz bezifferte Jochen Stein auf Nachfrage von Wolfgang Reuther (CDU) mit etwa 400 000 Euro im Jahr.