Zuwanderung und Migration sind seit einigen Jahren wichtige Themen in unserer Gesellschaft. Damit es den neuen Mitbürgern gelingt, sich in Deutschland mehr und mehr zu Hause zu fühlen, ist das Erlernen der deutschen Sprache eine Grundvoraussetzung. Seit dem Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes bietet die VHS durchgängig Integrationskurse in Stockach an. Jetzt erschien das neue Programm. Das nahmen Nikola Ferling, Vorsitzende der VHS Landkreis Konstanz und Frank Weigelt, Leiter der VHS Hauptstelle Stockach, zum Anlass, zwei Teilnehmende und ihre Dozentin zu Wort kommen zu lassen.

Anfang in Deutschland war schwer

Salimatou Jallow stammt aus Gambia. Die Krankenschwester ist seit drei Jahren in Deutschland. In diesem Jahr möchte sie die B2-Prüfung ablegen. „Der Anfang war schwer“, erzählt sie. Sie konnte kein Deutsch und Englisch nicht sehr gut. Doch nun, nach anderthalb Jahren intensiven Lernens, verstehe sie, was die Leute sagen. „Und die Leute verstehen mich auch“, freut sie sich. Nach ihrer Erfahrung ist es leicht, hier Menschen kennenzulernen. „Es gibt viele ausländerfreundliche Menschen in Stockach.“

Der syrische Hausarzt Nader Abou Hasson berichtet: „Ich bin seit zwei Jahren in Deutschland. Der Anfang war sehr schwierig. Es ist eine andere Kultur.“ Er habe Glück gehabt, weil er gleich in seiner ersten Woche beim Interkulturellen Tag im Bürgerhaus auftreten durfte. Sein Bruder, der schon hier lebte, hatte das organisiert. „Ich konnte kein Deutsch, aber es ist eine Challenge für mich, die Sprache schnell zu lernen.“ Er versuche sein Bestes, sich auf Deutsch auszudrücken. Zur Not wechsle er auf die englische Sprache. „Am wichtigsten finde ich, dass man sich verstehen kann.“ Jetzt mache er den B2-Kurs, um für seinen Beruf noch besser sprechen zu können.

Viele Nationen in den Kursen vertreten

In ihrem Kurs waren viele Nationen vertreten: Iran, Irak, Syrien, Türkei, afrikanische Staaten. Dozentin Dorothea Weiterschan sagt: „Die ersten drei Module herrscht Stille, wenn der Lehrer reinkommt. Da befinden sich Menschen aus mindestens zehn Ländern und verschiedenen Kulturkreisen im Raum, die noch kein Werkzeug zur Verständigung haben.“ In Modul sechs müsse sie dann für Ruhe sorgen. Das seien ihre größte Freude und größter Stolz am Ende des Kurses. „Wenn ich einkaufen gehe, bedient mich eine ehemalige Teilnehmerin, eine andere arbeitet in einer Apotheke. Eine weitere Teilnehmerin macht eine Ausbildung im Verkauf.“ Es sei schön, sie wiederzutreffen zu und sehen, dass die Integration geklappt hat, bestätigt sie.

Bürgermeister bietet Hilfe an

Wie es für Salimatou Jallow und Nader Abou Hasson weitergeht, ist noch ungewiss. Sie hat bereits ein Praktikum im Casa Reha absolviert und will vielleicht später dorthin zurück. Er liest viel, hat hier als Arzt noch keine Erfahrungen sammeln dürfen und versucht vorrangig, seine Sprachkenntnisse zu verbessern. Bürgermeister Rainer Stolz hört interessiert zu und bemerkt: „Manchmal ist es gut, wenn man schon einen Anker hat, wo man hingehen kann.“ Er wolle versuchen, für sie Verbindungen herzustellen. Das B2-Niveau und die Anerkennung ihrer Qualifikation seien notwendig, um hier als Krankenschwester arbeiten zu dürfen, ergänzte Stolz. Der Syrer benötige als Arzt sogar C1. Diese Stufen nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER) beschreiben die sprachlichen Fertigkeiten in einem Raster von sechs international vergleichbaren Niveaustufen (A1 bis C2).

Integrationskurs mit Alphabetisierung

Anfang März beginnt wieder ein allgemeiner Integrationskurs mit 600 Stunden. Die Teilnehmenden legen am Ende die B1-Prüfung ab, haben dann weitere 100 Stunden Orientierungskurs, der grundlegende Kenntnisse über das deutsche Rechts- und Sozialsystem vermittelt. Es folgt ein weiterer Test zum „Leben in Deutschland“. Für alle Geflüchteten, die noch nicht lesen und schreiben können, startet Mitte Juni ein Integrationskurs mit Alphabetisierung über 900 Stunden. Die Teilnehmenden machen schließlich auch die oben genannten Prüfungen.